Nachrichten 05.12.2019

Herzinsuffizienz und renale Dysfunktion: Kein Grund, auf Betablocker zu verzichten

Wegen einer bestehenden Niereninsuffizienz sollte Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz die Therapie mit Betablockern nicht vorenthalten werden. Denn auch diese Patienten profitieren von einer Abnahme der Mortalität, wie Ergebnisse einer Metaanalyse klinischer Studien belegen.

Viele Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion (HFrEF) weisen auch eine eingeschränkte Nierenfunktion auf. Die Sorge, dass sich diese Konstellation ungünstig auf Sicherheit und Wirksamkeit von Betablockern bei Herzinsuffizienz auswirken könnte, scheint aber unbegründet zu sein. Eine multinationale Expertengruppe (Beta-blockers in Heart Failure Collaborative Group)  kommt jetzt in einer Metaanalyse zu dem Ergebnis, dass Betablocker auch bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion und gleichzeitiger moderater Niereninsuffizienz (eGFR 30 – 59  ml/min/1,73 m2) sicher sind und die Mortalität verringern.

Daten aus zehn Doppelblindstudien als Basis

Die Analyse der Gruppe um Dr. Dipak Kotecha vom Universitätsklinikum in Birmingham basiert auf den  individuellen Daten von  16.740 Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz (linksventrikuläre Ejektionsfraktion <50%) aus zehn Doppelblindstudien, in denen Betablocker mit Placebo verglichen worden waren. Die eGFR der Studienteilnehmer betrug zu Beginn im Median 63 ml/min/1,73 m2.  Bei 4.584 Patienten (27,4%) lag die eGFR im Bereich zwischen 45 und  59 ml/min/1.73 m2 und bei 2.286 (13,7%) im noch niedrigeren Bereich zwischen 30 und 44 ml/min/1,73 m2. Nur 448 Patienten (2,7%) hatten eine schwere renale Funktionseinschränkung mit einer  eGFR <30 ml/min/1,73 m2.

Innerhalb eines medianen Follow-up-Zeitraums von 1,3 Jahren stellten die Untersucher eine unabhängige Assoziation von Nierenfunktionsstörung und Mortalität fest: Mit jeder Abnahme der  eGRF um 10 ml/min/1,73 m2 erhöhte sich das relative Sterberisiko um 12%.

Mortalität auch bei Niereninsuffizienz gesenkt

Bei den insgesamt 13.861 Herzinsuffizienz-Patienten mit Sinusrhythmus ging die Betablocker-Therapie mit einer signifikant um 29%  niedrigeren Mortalität einher. Und auch in den beiden Subgruppen mit renaler Dysfunktion war die Sterberate relativ um 23%  (eGFR 45-59 ml/min/1,73m2) respektive um 29% (eGFR 30-44 ml/min/1,73m2) niedriger als in den entsprechenden Placebogruppen. Die absoluten Risikoreduktionen betrugen 4,0% und 4,7%. Die Zahl der Teilnehmer mit schwerer Niereninsuffizienz war zu klein, um Aussagen zur Wirksamkeit von Betablockern machen zu können.

Die Behandlung mit Betablockern hatte keine negativen renalen Auswirkungen, eine weitere Verschlechterung der Nierenfunktion wurde auch bei den Patienten mit schon bestehender renaler Dysfunktion nicht beobachtet. Das Nebenwirkungsspektrum entsprach dem bei Nierengesunden.

Die 2.879  Herzinsuffizienz-Patienten mit Vorhofflimmern profitierten hingegen nicht von einer Mortalitätssenkung durch Betablockade, unabhängig davon, wie hoch oder niedrig ihre eGRF war.


Literatur

Kotecha D. et al.: Impact of Renal Impairment on Beta-Blocker Efficacy in Patients With Heart Failure. J Am Coll Cardiol 2019;74: 2893–904

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