Nachrichten 15.02.2021

Nach KHK, Herzinsuffizienz, Myokarditis und COVID – wann Sport wieder möglich ist

Ärzte sollten Herzpatienten zur körperlichen Bewegung motivieren. Doch nicht jedes Sportprogramm ist für jeden Patienten geeignet. Beim DGKOnline2021 erläutert eine Expertin, was beim „Return to Sports“ zu beachten ist.

Moderat anfangen, langsam steigern – dieses Credo gilt für jede Sportpause, egal ob diese aufgrund einer Verletzung, Infektion oder einer kardialen Krankheit eingelegt werden musste.

Doch nicht jedes Trainingsprogramm ist für jeden Herzpatienten geeignet, wie Dr. Susanne Berrisch-Rahmel, Sportkardiologin aus Düsseldorf, beim DGKOnline2021 erläuterte. In Abhängigkeit der kardialen Erkrankung und der Grundvoraussetzungen des Patienten gilt es, individuelle Empfehlungen für den „Return to Sports“ zu treffen.

1. KHK

Patienten mit koronaren Herzerkrankungen bzw. nach einem akuten Koronarsyndrom sollten mit dem Trainingsbeginn nicht lange warten. „Wichtig ist hier, zügig anzufangen“, betonte Berrisch-Rahmel. Jede Woche, die das Training verzögert werde, benötige einen zusätzlichen Monat Training, um denselben Nutzen zu erzielen, erläuterte die Sportkardiologin die Dringlichkeit dieser Maßnahme.

Wie das Training aussehen sollte, hängt allerdings von individuellen Faktoren ab: Hat die Person vor dem Ereignis regelmäßig Sport getrieben, war sie gar Leitungssportler oder handelt es sich um einen Patienten, der sich bisher kaum bewegt hat?

Ohne Trainingserfahrung

Bei Untrainierten reicht es Berrisch-Rahmel zufolge, mit kleinen Schritten zu beginnen und das Pensum langsam zu steigern. Ganz im Sinne der ÖLI-Regel: Zunächst öfters, dann länger und dann erst intensiver trainieren.

Beispielhaft erörterte die Kardiologin das Sportprogramm einer älteren Patientin, deren aerobe Schwelle bei 55 Watt lag (mit einer Herzfrequenz von 86/Min und Borg-Skala von 12). In der ersten Woche sollte die Frau jeden Tag ein zehnminütiges Ergometertraining absolvieren bei 30–40 Watt. In der zweiten Woche sollte sie das Ergometertraining auf 15–20 Minuten mit 40–70 Watt und in der dritten Woche auf 30–45 Minuten mit 40–75 Watt steigern. Ähnlich gestalteten sich die Vorgaben für das Krafttraining: 1. Woche 2 × wöchentlich Beinstreckung (˂ 10 kg), 2. Woche 2 bis 3 × wöchentlich (˂ 10– 15 kg) plus Bizepsübungen usw.

Das anzustrebende Ziel liegt laut Leitlinien bei 150 Minuten Ausdauer von moderater Intensität pro Woche oder 75 Minuten Krafttraining bzw. oder die Kombination aus beiden (Klasse IA), das bestenfalls allmählich auf 300 Minuten Ausdauer bzw. oder 150 Minuten Krafttraining gesteigert werden sollte (Klasse IA).

Patienten nach einer Herz-OP oder einem perkutanen Eingriff sollten bald nach der Entlassung für 8–12 Wochen einem kardialen Reha-Programm angeschlossen werden. Vorstellbar sei hier z.B. eine Anschlussheilbehandlung mit IRENA-Programm und Herzsportgruppe, führte Berrisch-Rahmel die Empfehlung aus.

Mit Trainingserfahung/Leistungssportler

Gut trainierte KHK-Patienten können prinzipiell schon früher Freizeitsport von höherer Intensität betreiben. Zuvor sollte bei ihnen allerdings ein maximaler Belastungstest durchgeführt werden. Zudem sollten Ärzte ihren Patienten raten, auf potenzielle Symptome zu achten, also ob es beispielweise unter der Medikation zu Hypotension/Schwindel kommt usw.

Können Leistungssportlern nach einem akuten Koronarsyndrom zum Wettkampfsport zurückkehren? Früher hieß die Antwort Nein. Heute ist man laut Berrisch-Rahmel nicht mehr so strikt. Die Entscheidung solle individuell gefällt werden, so die Sportkardiologin. Vor der Rückkehr sollte der Sportler intensiv durchgecheckt werden: inkl. Echo, maximalem Belastungstest mit 12-Kanal-EKG bzw. oder bestenfalls einer Spiroergometrie, da diese die Schwellenwerte für Belastungsintensität und Trainingsaufbau vorgibt. Von Wettkampfsport abgeraten wird beispielsweise Patienten, die nach einer Bypass-OP persistierende Ischämien oder komplexe Arrhythmien im Belastungstest mit max. Ausbelastung aufweisen.

2. Herzinsuffizienz

Anders sind die Empfehlungen für den Trainingsbeginn bei Patienten nach einer akut dekompensierten Herzinsuffizienz. Sie dürfen frühestens nach vier Wochen mit körperlichem Training beginnen. Zuvor sollten die Patienten stabil und gut eingestellt sein, mit Medikamenten und, falls nötig, einer Device-Implantation. „Es gibt sicher auch Patienten, die schon zu einem früheren Zeitpunkt eine stabile Situation aufweisen“, sagte Berrisch-Rahmel dazu.

Auch bei Herzinsuffizienz-Patienten hängt die empfohlene Trainingsintensität von den Grundvoraussetzungen und der Sporterfahrung ab. Beides sollte man durch Basisuntersuchungen zunächst abklären, dazu gehören ein Echo, um die Pumpfunktion zu evaluieren, Laborwerte wie BNP, maximaler Belastungstest (bevorzugt Spiroergometrie), Borg-Wert, VO₂max und die Erfassung von Komorbiditäten.

Danach erfolgt die Risikostratifizierung. Patienten, die keine Ischämien oder Arrhythmien unter Belastung und eine normale Pumpfunktion aufweisen, gehören der Risikoklasse B an. Diese dürften bereits früher intensiver trainieren, erläuterte die Sportkardiologin die Konsequenzen. Vorsichtiger beginnen sollten dagegen Personen der Risikoklasse C. Dazu zählen jene mit einer Pumpfunktion ˂ 50%, NYHA-Klasse, unbehandelter Koronarstenosen, Angina, Arrhythmien oder Ischämien unter Belastung.  

3. Myokarditis

Eine strikte Sportpause ist bei Patienten, die eine Myokarditis durchstanden haben, obligat. Ansonsten können durch das hochintensive Training und den Leistungssport maligne Rhythmusstörungen und schlimmstenfalls ein plötzlicher Herztod getriggert werden. Früher galt das Gebot einer mindestens sechsmonatigen Trainingspause. Heute habe man diese Regel auf drei bis sechs Monate „aufgeweicht“, so Berrisch-Rahmel. Gemeint ist damit aber keine Bewegungspause, sondern eine Pause vom intensiven Training, ordnete die Sportkardiologin diese Empfehlung ein.

Ein „Return to Sports“ ist aber auch nach den sechs Monaten nur bei folgenden Bedingungen ratsam:

  • normale linksventrikuläre Funktion im Echo und ggf. Rückbildung des Late Gadolinum Enhancement (LGE), falls dieses im MRT nachweisbar war,
  • Ruhe-EKG normal (bis auf kleinere Anomalien der Repolarisation),
  • keine klinisch relevanten Rhythmusstörungen im Langzeit-EKG und Belastungs-EKG mit max. Ausbelastung,
  • Biomarker wie CRP, Troponin, CK, NT-proBNP normal.

Bei Nachweis einer ausgedehnten Myokardnarbe (˃ 20%) und persistierenden LV-Dysfunktion sollte kein Sport mit hoher Intensität betrieben werden (Klasse III C).

Bei Leistungssportlern kann laut Berrisch-Rahmel allerdings eine individuelle Entscheidung nach dem Shared-Decision-Prinzip angebracht sein, z.B. bei persistierendem LGE, aber sonstiger Beschwerdefreiheit. Wichtig ist in solchen Fällen eine engmaschige Kontrolle.

Und selbst wenn die Diagnostik-Befunde zunächst unauffällig sind, sollte sechs Monate nach Trainingsaufnahme eine weitere Kontrolluntersuchung inkl. Echo, Ergo und Langzeit-EKG erfolgen.

4. COVID-19

Wie sieht es mit Sport nach einer SARS-CoV-2-Infektion aus? Die aktuellen Empfehlungen richten sich nach der Beschwerdeausprägung während der Erkrankung und ähnlich wie bei der Myokarditis nach den Befunden von EKG, Belastungs-EKG, Biomarker und ggf. Kardio-MRT (genaueres zur Diagnostik lesen Sie hier). Wichtig: Die Sportler müssen sich vor etwaigen Untersuchungen mind. 10 Tage bei mind. 72 Stunden Symptomfreiheit (außer Geschmacks/Geruchsverlust) isolieren, um eine Ansteckung des Personals zu vermeiden.

Noch nicht gänzlich erklärt sind die Auswirkungen der Infektion auf das Herz-Kreislauf-System. Vieles sei noch unsicher, betonte Berrisch-Rahmel. So kristallisiere sich heraus, dass sich die Herzbeteiligung bei SARS-CoV-2-Infektionen ganz anders darstelle, als man das von anderen Myokarditiden kenne.

Einig ist man sich aber, dass die Rückkehr zum Sport schrittweise geschehen sollte – ähnlich wie bei Herzpatienten – und das gilt auch für Leistungssportler. Während der Erkrankung gilt ein Sportverbot von mind. 10 Tage, danach sollte bei Beschwerdefreiheit mit leichter Aktivität begonnen werden (Minimum 2 Tage), gefolgt von einfachen Sportübungen und zunehmender Trainingsdauer mit einer max. Herzfrequenz ˂ 80% (jeweils Minimum 1 Tag). Der normale Trainingsumfang sollte frühestens am Tag 17 wieder aufgenommen werden.  

Das Problem bei COVID-19 sei allerdings, dass es oft nicht nur aufwärts gehe, gab Berrisch-Rahmel zu bedenken. Es gebe immer wieder Sportler, die nach einer gewissen Zeit Fatigue oder andere Beschwerden entwickelten. Deshalb rät die Sportkardiologin: Sobald sich während des Trainings ein Stillstand oder eine Verschlechterung einstellt, muss das Training gestoppt und der Sportler erneut untersucht werden.


Info

Alle Vorträge vom DGKOnline2021-Kongress können Sie on demand anschauen. Hier geht's zu den Sitzungen

Literatur

Berrisch-Rahmel S: „Back to sports“ nach kardiovaskulärer Erkrankung; vorgestellt am 28. Januar 2021 beim Kongress DGKOnline2021

Highlights

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Corona, COVID-19 & Co.

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