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28.09.2017 | Herz und Sport | Nachrichten

Optimale Dosis gesucht

Körperliches Training für KHK-Patienten – je mehr desto besser?

Autor:
Veronika Schlimpert

Bereits geringe körperliche Bewegung wirkt sich auf die Prognose von KHK-Patienten vorteilhaft aus. Einer aktuellen Analyse zufolge profitieren aber die Patienten am meisten, die am härtesten trainieren. Also je mehr desto besser?

Minimalste körperliche Anstrengungen können KHK-Patienten offenbar vor Schlimmerem bewahren. Der STABILITY-Studie zufolge reichen bereits 10 Minuten schnelles Gehen (ca. 5 km/h) aus, um das Sterberisiko um 33 % zu senken. Alternativ, falls die Patienten zu einem solchen Tempo nicht mehr in der Lage sind, kann dieselbe Wirkung durch 15- bis 20-minütiges langsames Gehen (3 bis 4 km/h) erreicht werden. 

Die Studie mache deutlich, dass bei KHK-Patienten auch ein geringeres als in den Leitlinien empfohlenes Bewegungspensum ausreiche, um deren Sterblichkeit zu senken, kommentieren Thijs Ejsvogels und Martijn Maessen die aktuellen Ergebnisse. Die derzeitigen Leitlinien empfehlen sowohl für die Primär- als auch die Sekundärprävention dasselbe Aktivitätspensum, nämlich 150 Minuten körperliche Bewegung mit moderater Aktivität pro Woche.

Hochrisikopatienten profitierten am meisten

Die beste Prognose hatten in der STABILITY-Studie mit insgesamt 15.486 KHK-Patienten die Teilnehmer, die sich am meisten anstrengten. Mit jeder Verdopplung des Aktivitätspensums verringerte sich das Sterberisiko innerhalb von knapp vier Jahren um 10 % und die kardiovaskuläre Mortalität um 8 %.

Absolut gesehen erbrachte die körperliche Mehrarbeit ab einem gewissen Punkt allerdings nicht mehr so viel mehr an Lebenszeit. Die größten Effekte wurden nämlich bereits bei einer geringen Steigerung der Aktivität erzielt, mit zunehmendem Pensum flachen die Kurven immer mehr ab.

Im Vergleich zu denjenigen, die sich am wenigsten bewegten, war das Sterberisiko für Teilnehmer im mittleren und höchsten Tertil um 25% geringer, die kardiovaskuläre Mortalität war um 30 % reduziert.

Am deutlichsten ausgeprägt zeigte sich die Prognoseverbesserung bei Patienten, deren Aktivität durch eine Dyspnoe eingeschränkt ist, und solchen mit einem erhöhten Risikoscore, was vermuten lässt, dass Hochrisikopatienten am meisten von entsprechenden Lebensstilmaßnahmen profitieren.

Gibt es ein oberes Limit?

Doch gibt es ein oberes Limit, ab welchem körperliche Anstrengung gefährlich werden könnte? Den aktuellen Ergebnisse zufolge scheint das nicht der Fall zu sein. Allerdings weisen Ejsvogels und Maessen darauf hin, dass die Studienteilnehmer in der Regel im niedrigen bis moderaten Intensitätsbereich trainiert haben. Daher könne man aufgrund dieses Studienergebnisses nicht ausschließen, dass sich extreme Belastungen auf das kardiovaskuläre Risiko doch negativ auswirken, beispielsweise das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöhen.

„Weniger ist mehr, mehr ist besser und intensiv ist am besten“

Darüber hinaus ist bei der Interpretation der Ergebnisse auf eine wichtige Limitation der Studie zu achten. Die körperliche Aktivität wurde via Fragebögen erfasst. Es sei daher anzunehmen, dass die STABILTY-Teilnehmer in Wahrheit weniger aktiv waren, als sie angegeben haben (im Schnitt 40 METs pro Woche, also ca. 10 Stunden Laufen in der Woche, was etwa das Drei- bis Vierfache mehr ist,  als die Leitlinien empfehlen).

Bis andere Studien nicht das Gegenteil beweisen, gilt für Ärzte und Patienten nach Ansicht der Kommentatoren aber trotzdem „weniger ist mehr, mehr ist besser und intensiv ist am besten.“

Literatur