Skip to main content
main-content

15.05.2017 | Herz und Sport | Nachrichten

Kurioser Befund

Leistungssportler haben mehr Koronarverkalkung

Autor:
Veronika Schlimpert

Seltsamerweise haben Ausdauersportler mehr Koronarplaques als weniger aktive Menschen. Ein Grund deshalb vor exzessivem Sport zu warnen, ist dieser Befund aber nicht. Experten vermuten nämlich, dass die Plaques bei Athleten stabiler sind.

Verfechter des Slogans „Sport ist Mord“ werden sich zunächst bestätigt fühlen. Eine Untersuchung von 152 extremen Ausdauersportlern ergab, dass bei männlichen Athleten häufiger atherosklerotische Ablagerungen in den Koronararterien zu finden sind als bei weniger aktiven Altersgenossen. Fördert exzessiver Sport somit die Entstehung von Arteriosklerose?

Die meisten haben normale Kalkscores

Das Ergebnis könne man zwar zunächst so auslegen, schreiben die Studienautoren um Ahmed Merghani von der Universität London. Doch die bei den Sportlern vorzufindende stabile Struktur der Plaques könnte auf der anderen Seite vor einen Plaque-Ruptur und damit vor einem Herzinfarkt schützen. 

Die gute Nachricht ist außerdem, dass die meisten der untersuchten Athleten normale Kalziumscores aufwiesen, nämlich 60%. In der Kontrollgruppe waren die Werte bei 63% der 92 Personen normal.

Sportler und Kontrollpersonen waren bzgl. des Alters (zwischen 40 und 82 Jahre), Geschlechts (70% Männer) und der Höhe des Framingham-Scores (3,4%) vergleichbar. Untersucht wurden also Personen mit einem niedrigen kardiovaskulären Risiko.  

Nur Athleten hatten ≥50%ige Stenosen

Arteriosklerotische Plaques fanden sich bei den Leistungssportlern häufiger, aber nur bei den männlichen Athleten  (44,3 vs. 22,2%). Ausschließlich bei den männlichen Sportlern wurde  in der CT-Angiografie eine moderate bis schwere Koronarverkalkung mit einem Kalziumscore ≥300 AU (Agatson Unit) festgestellt, das war bei 11% der Fall.  Auch ≥50%ige Stenosen kamen nur bei den männlichen Athleten vor (7,5%). Bei den Kontrollen dagegen konnten die Wissenschaftler keine derartigen Anzeichen für Atherosklerose aufspüren.  

Bei sieben Athleten gab es sogar Hinweise für einen zurückliegenden stummen Infarkt (subendokardiales Late-Gadolinium-Enhancement im MRT), wobei nur bei dreien eine signifikante Stenose im korrespondierenden Infarktgebiet vorzufinden war. 

Die zurückliegenden Trainingsjahre waren der einzige unabhängige Faktor, der bei den Sportlern mit einer verstärkten Koronarverkalkung (>70. Altersperzentile) oder einer > 50%igen Stenose einherging (Odds Ratio: 1,08).

Im Schnitt  hatten die Sportler, die überwiegend Läufer waren, 31 Jahre Ausdauersport inklusive 13 Marathons auf dem Buckel, pro Woche trainierten sie 7,7 Stunden. Die Kontrollpersonen bewegten sich im Schnitt immerhin 1,9 Stunden pro Woche.

Aber: Plaques wohl stabiler

Auffällig war, dass bei den Ausdauersportlern überwiegend kalzifizierte Plaques vorlagen (72,7%). Dagegen wiesen die Plaques der meisten Kontrollpersonen eine gemischte Morphologie auf (61,5%).

Für die Studienautoren ist dieser Befund ein Hinweis dafür, dass der pathophysiologische Mechanismus der Plaque-Bildung bei Ausdauersportlern anders ablaufen könnte als bei inaktiveren Menschen. Bei extremen Ausdauersportlern seien zwar mehr Plaques vorzufinden, diese seien aber stabiler, vermuten sie. Aufgrund dieser stabilen Plaque-Morphologie sei ihr  Risiko für eine Plaque-Ruptur und damit für einen akuten Herzinfarkt womöglich sogar geringer.  

Literatur