Nachrichten 25.01.2023

Plötzlicher Herztod beim Sport: Wie gefährdet sind Ältere?

Sollten ältere Menschen besser auf Sport verzichten, weil das Risiko für einen plötzlichen Herztod zu hoch ist? Aktuelle Daten sprechen absolut nicht dafür, im Gegenteil.

Für ältere Sporttreibende besteht aktuellen Daten zufolge keine erhöhte Gefahr, während einer körperlichen Aktivität einen plötzlichen Herztod zu erleiden. In einer bevölkerungsweiten Untersuchung aus den USA kamen entsprechende Vorfälle selten vor. In der Altersgruppe der ≥ 65-Jährigen traten Herztode überwiegend ohne Sportbezug auf.

„Obwohl plötzliche Herztode im Alter im Allgemeinen zunehmen, kamen sportassoziierte Herztod-Fälle selten vor, die Prävalenz war signifikant niedriger im Vergleich zu den mittelalten oder jüngeren Subgruppen“, berichten die Studienautoren um D. Lauri Holmstrom, Sedars-Sinai Health System in Los Angeles, über die Details der Studie.

Nur 1,9% aller Herztode waren sportassoziiert

Für ihre Analyse haben sich die US-Kardiologen an Daten von zwei prospektiven Studien in den USA bedient: von der Oregon SUDS-Studie, die seit 2002 läuft, und von der Ventura PRESTO-Studie, die 2015 ins Leben gerufen wurde. Im Rahmen beider Untersuchungen werden alle außerhalb der Klinik aufgetretenen plötzliche Herztode ermittelt, einmal für die Region Portland in Oregon (1 Millionen Einwohner), zum anderen im Ventura County in Kalifornien (850.000 Einwohner). Für die aktuelle Analyse wurden nur Vorfälle herangezogen, die bei Menschen in einem Alter von 65 Jahren oder älter aufgetreten waren (Zeitraum 2002 bis 2017 bzw. 2015 bis 2021).

Insgesamt 4.078 plötzliche Herztode konnten die Autoren in dieser Altersgruppe ausfindig machen. Bei nur 77 Personen war die Komplikation im Kontext einer sportlichen Tätigkeit aufgetreten (entweder währenddessen oder innerhalb der ersten Stunde nach Beendigung des Sports). Sportassoziierte Herztod-Fälle machten somit nur 1,9% aller Herztode aus. Das entspricht einer Inzidenz von 3,29 bzw. 2,10 Fällen pro 100.000 Einwohner in Portland bzw. Ventura. Zu 91% waren Männer betroffen. Am ehesten kam es im Kontext mit Radfahren, Gymnastikübungen oder Laufen zu solchen Komplikationen.

Niedrige Inzidenz von sportassoziierten Herztoden

Setzt man die Zahlen mit der geschätzten Anzahl an 65-Jährigen, die in den jeweiligen Regionen Sport treiben (auf Basis konservativer Kalkulationen einer 1988 gestarteten Untersuchung) in Beziehung, liegt die Inzidenz für einen sportassoziierten Herztod bei 28,9 bzw. 18,4 Fällen pro 100.000 sportreibender Jahre in der Region Portland bzw. Ventura. Die Rate sei damit deutlich niedriger als die allgemeine Herztod-Inzidenz in dieser Altersgruppe, machen Holmstrom und Kollegen deutlich. Die US-Kardiologen gehen sogar davon aus, dass die aktuelle Inzidenz von sportassoziierten Herztoden in Bezug auf Sporttreibende noch niedriger ist, weil in den letzten Jahrzehnten der Anteil an älteren Menschen, die körperlich aktiv seien, zugenommen habe.

Sporttreibenden waren im Allgemeinen besser dran

Interessant, aber wenig überraschend ist der Befund, dass Personen, die während einer körperlichen Aktivität, einen Herztod erlitten hatten, im Allgemeiner in einer besseren gesundheitlichen Verfassung waren als andere Herztod-Betroffene. So wiesen die Sportreibenden signifikant weniger kardiovaskuläre Risikofaktoren und Begleiterkrankungen auf als die anderen (p=0,03 bzw. ˂ 0,005). Die Autoren vermuten, dass dieser Umstand auf den gesünderen Lebensstil der Sportreibenden zurückzuführen ist.

Vorteile wiegen Risiken auf

Holmstrom und sein Team kommen deshalb zu einem klaren Fazit: „Angesichts der umfassenden günstigen Effekte von körperlicher Aktivität wiegen die allgemeinen Vorteile von Sport das damit einhergehende niedrigere Herztod-Risiko bei älteren Erwachsenen wahrscheinlich auf“, schreiben sie in der Publikation.

Wenn es zu einem sportassoziierten Herztod kommt, scheinen die Überlebenschancen der Betroffenen zudem deutlich besser zu sein als bei anderen Umständen, die zu einem Herzstillstand führten. In der aktuellen Studie waren die Überlebensraten bis zur Klinikentlassung nach sportbedingten Herztoden viermal höher als bei anderen Herztod-Fällen (43,8% vs. 11,1%). Zur besseren Prognose im Wesentlichen beigetragen hat den Autoren zufolge der Umstand, dass sportassoziierte Herztode deutlich öfter im öffentlichen Raum aufgetreten waren (72,7% vs. 9,2%; p < 0,001) und es deshalb wahrscheinlicher war, dass anwesende Laien eine unmittelbare Reanimation durchführten (71,4% vs. 42,1%; p < 0,001). Außerdem wiesen die Sportreibenden häufiger einen schockbaren Rhythmus auf als andere Herztod-Betroffene (81,8% vs. 28,7%; p < 0,001). In einer multivariaten Analyse, in der u.a. auf solche Einflussfaktoren adjustiert wurde, war der Überlebensvorteil für Betroffene von sportassoziierten Herztodes-Fällen dann auch nicht mehr signifikant.


Literatur

Holmstrom L et al. Sudden Cardiac Arrest During Sports Activity in Older Adults; J Am Coll Cardiol EP 2022; https://doi.org/10.1016/j.jacep.2022.10.033

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