Nachrichten 26.07.2022

Was sagt die tägliche Schrittzahl über den Gesundheitsstatus aus?

Mindestens 10.000 Schritte am Tag sollten Menschen gehen, um gesund zu bleiben – lautet eine gängige Empfehlung. Doch bringt die Aufzeichnung der täglichen Schrittzahl überhaupt etwas? Offensichtlich schon, wie japanische Wissenschaftler nun festgestellt haben.

Smartphone-basierte Schrittzähler könnten in der kardiovaskulären Prävention ein nützliches Tool darstellen. Denn die auf diese Weise ermittelte Schrittzahl scheint den Gesundheitszustand einer Person gut abzubilden. Jedenfalls korrelierten die mittels Smartphone-App dokumentierten Schritte in einer großen japanischen Kohortenstudie mit günstigen Veränderungen des kardiovaskulären Risikoprofils, und das über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg.

Für ihre Analyse haben japanische Wissenschaftler Informationen zweier nationaler Datenbanken sowie Aufzeichnungen einer kommerziellen Smartphone-App ausgewertet und miteinander in Beziehung gesetzt. Am Ende wurden Daten von insgesamt 15.708 erwachsenen, in Japan arbeitenden, kardiovaskulär gesunden Personen berücksichtigt, 23,5% der Teilnehmer waren Frauen.

Inverse Korrelation mit Körpergewicht und Blutdruck

Die über 24 bis 35 Monate hinweg täglich erfasste Schrittzahl korrelierte invers mit dem Körpergewicht der Studienteilnehmer, nach Adjustierung auf potenzielle Störfaktoren und der Baseline-Schrittzahl. Also je mehr Schritte eine Person während der zwei Jahre pro Tag gegangen ist, desto mehr Gewicht verlor sie in dieser Zeit (– 0,32 kg pro 1.000 zusätzlicher Schritte am Tag). Bei den Frauen zeigte sich eine entsprechende Assoziation allerdings erst ab einer mittleren Schrittzahl von 5.000 Schritten/Tag.

Eine höhere Schrittzahl wirkte sich auch auf den Blutdruck positiv aus, wobei eine Korrelation in diesem Falle ausschließlich bei den Männern zu beobachten war (– 0,33 mmHg pro 1.000 Schritte zusätzlich am Tag). Wer viel lief, wies nach zwei Jahren außerdem höhere HDL-Cholesterin-Werte sowie niedrigere Triglyzerid- Spiegel auf, egal ob Mann oder Frau. Ein Zusammenhang zwischen täglicher Schrittzahl und LDL-Cholesterin-Werte zeigte sich wiederum nur bei den Männern. Ausschließlich bei den Frauen korrelierte die mittlere tägliche Schrittzahl mit einer Abnahme des HbA1c-Werts (–0,013% pro 1.000 zusätzlicher Schritte/Tag).

„Die aktuellen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Smartphone-basierte Schrittzähler ein klinisch sinnvolles Tool zur Bewertung der kardiovaskulären Gesundheit sein könnten“, resümieren die Studienautoren um Dr. Rikuta Hamaya aus ihren Daten.

In der Studie lag die mediane Schrittzahl innerhalb des 2-Jahreszeitraumes im Übrigen bei 6.674 Schritten/Tag (Männer) bzw. 5.027 Schritten/Tag (Frauen). Die Zahl war damit deutlich niedriger als die allgemeinhin propagierte Empfehlung von 10.000 Schritten am Tag.
 

Update

In der ersten Version war von einer inversen Assoziation zwischen Schrittzahl und HDL-C die Rede. Hier handelt es sich aber um eine positive Korrelation, also je höher die Schrittzahl, desto höher das HDL-C. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten dies zu entschuldigen.

Literatur

Hamaya R et al. Association of Smartphone-Recorded Steps Over Years and Change in Cardiovascular Risk Factors Among Working-Age Adults. J Am Heart Assoc. 2022;11:e025689. DOI: 10.1161/JAHA.121.025689