Onlineartikel 24.05.2016

Herzinsuffizienz: Grippeimpfung auch kardial von Nutzen

Eine große britische Versorgungsstudie findet Hinweise darauf, dass Patienten mit Herzinsuffizienz, die sich gegen Grippe impfen lassen, nicht nur weniger Infektionen haben. Sie kommen auch seltener wegen kardiovaskulärer Probleme ins Krankenhaus.

Menschen mit chronischen Erkrankungen gehören in Deutschland und vielen anderen Ländern zu den Kernzielgruppen für die Grippeschutzimpfung. Speziell bei Patienten mit Herzinsuffizienz gab es aber immer wieder Diskussionen um den Nutzen dieser Impfung: „Es gab gewisse Hinweise, dass die Impfung bei Herzinsuffizienzpatienten wegen deren reduzierter Immunantwort weniger effektiv sein könnte“, sagte Prof. Kazem Rahimi vom The George Institute for Global Health der Universität Oxford beim ESC-Kongress Heart Failure 2016 in Florenz.

Daten von rund 59.000 Patienten

Um hier Klarheit zu schaffen, hat Rahimi mit Kollegen eine große Auswertung der britischen primärmedizinischen Datenbank Clinical Practice Research Datalink unternommen. Diese Datenbank erlaubt übergreifende Abfragen der IT-Dokumentation von primärversorgenden Ärzten über lange Zeiträume hinweg.

Aus insgesamt 4,9 Millionen Datensätzen der Jahre 1990 bis 2013 wurden gut 59.000 herausgefiltert, die Patienten mit Herzinsuffizienz betrafen. Die Wissenschaftler analysierten diese Datensätze im Hinblick auf Krankenhauseinweisungen jeglicher Art, Krankenhauseinweisungen wegen respiratorischer Infektionen und solcher wegen kardiovaskulärer Erkrankungen.

30 % weniger kardiovaskulär bedingte Hospitalisierungen

Verglichen wurden dabei nicht unterschiedliche Patienten, sondern Jahre, in denen Patienten sich einer Impfung unterzogen mit angrenzenden Jahren, in denen das nicht der Fall war. Dabei zeigte sich, dass die Grippeimpfung im Zeitraum 31 bis 300 Tage nach der Impfung mit einem um 16 % niedrigeren Risiko für Krankenhauseinweisungen wegen respiratorischer Infekte und einem um 30 % niedrigeren Risiko für Krankenhauseinweisungen wegen kardiovaskulärer Erkrankungen einherging. Krankenhauseinweisungen jeglicher Art waren um 4 % seltener.

Der Effekt war am ausgeprägtesten im Zeitraum 31 bis 120 Tage nach der Impfung. Dies spreche dafür, dass die Impfung ursächlich sei, betonte Rahimi: „Menschen erkranken typischerweise nicht im Sommer an Grippe, sodass wir erwartet haben, dass der Nutzen in den Monaten nach der Impfung am größten ist.“

Die Studie belegt Rahimi zufolge, dass die Grippeimpfung auch bei Herzinsuffizienzpatienten sehr sinnvoll ist, und sie sei geeignet, die gelegentlich aufflammenden Diskussionen um den Sinn dieser Impfung speziell bei Herzinsuffizienz zu beenden.

Dass nicht nur (Krankenhauseinweisungen wegen) Infektionen verringert werden, sondern auch kardiovaskuläre Hospitalisierungen zurückgehen, erklärte Rahimi über Entzündungsprozesse, die durch Infektionen getriggert werden und die sekundär zu einer Verschlechterung der kardiovaskulären Erkrankung führen können.

Um ihre Auswertungen zusätzlich zu validieren, haben die Wissenschaftler sich auch noch die Krankenhauseinweisungen wegen Krebs angesehen. Erwartungsgemäß gab es hier keine Unterschiede zwischen Jahren mit und ohne Grippeimpfung. 

Literatur

Rahimi K et al. Late Breaking Trials III am 23. Mai 2016, Kongress Heart Failure 2016, 21.–24. Mai, Florenz

Pressemeldung der European Society of Cardiology (ESC): Flu jab associated with fewer hospitalisations in patients with heart failure; 23. Mai 2016