Onlineartikel 08.04.2016

Herzinsuffizienz: Telemonitoring bald mit Weste?

Das Telemonitoring bei Herzinsuffizienz hatte es in letzter Zeit nicht leicht. Beim ACC in Chicago gab es jetzt erste Daten zu einer ganz neuen Überwachungstechnologie, mit der sich Ödeme ohne Implantat überwachen lassen. Ob das der Durchbruch wird?

Die Herzinsuffizienz galt lange als die Paradeerkrankung für die digitale Fernüberwachung. Es gab schon vergleichsweise früh kleinere randomisierte Studien, die einen Nutzen des telemedizinischen Patientenmanagements demonstrieren konnten. Kernparameter war dabei in der Regel das Körpergewicht.

In mehreren, teils hochrangig publizierten Studien der letzten Jahren ließen sich diese Daten aber nicht wirklich an großen Patientenkollektiven reproduzieren, sodass sich die Branche mittlerweile darauf fokussiert, jene Patienten besser zu identifizieren, die von einer engmaschigen Überwachung profitieren.

Uneinheitliche Datenlage

Neben der Überwachung klassischer Vitalparameter hat die implantatgestützte Überwachung von sich reden gemacht. Hier werden in der Regel ICD-/CRT-Systeme genutzt, die zusätzlich zu ihrer Hauptfunktion überwachungsrelevante Daten nach außen funken. Auch hier ist die Datenlage allerdings uneinheitlich. Während beispielsweise in der IN-TIME ein implantatgestütztes Multiparameter-Monitoring mit einem Fokus auf Herzrhythmusstörungen sogar zu einer Senkung der Mortalität geführt hat, war der beim ESC-Kongress 2015 vorgestellten OptiLink-Studie, bei der die thorakale Impedanzmessung genutzt wurde, kein Erfolg beschieden.

Vor diesem Hintergrund ist es sicher geboten, die jetzt beim ACC-Kongress 2016 in Chicago vorgestellten Ergebnisse der IMPEDANCE-HF-Studie mit einer gewissen Zurückhaltung zu bewerten. Die Studie, deren Ergebnisse von Professor Michael K. Shochat vom Hillel Yaffe Heart Institute in Hadera, Israel, vorgestellt wurden, nutzte eine neue Überwachungstechnologie, den Edema Guard Monitor. Wie der Name nahelegt, handelt es sich um ein Lungenödem-Monitoring, bei dem die thorakale Impedanz von extern, also ohne Implantat, gemessen wird.

Thorakale Impedanzmessung von extern

Das haben andere vorher auch schon gemacht, allerdings ist die jetzt in der IMPEDANCE-HF-Studie genutzte Technologie deutlich komplexer und kann deswegen nicht direkt mit anderen Methoden verglichen werden. Kurz gesagt versucht das Device, das vorerst noch nicht zuhause genutzt werden kann, sondern von einem Techniker bei einem Praxisbesuch angelegt werden muss, durch eine relativ breitflächige Erhebung der thorakalen Impedanz mit mathematischen Methoden die Impedanz der Brustwand aus der Gesamtimpedanz herauszurechnen, sodass am Ende die Impedanz der Lunge übrig bleibt.

Nochmal anders formuliert: Es wird versucht, Störgrößen der Impedanzmessung herauszufiltern, um möglichst nur die Impedanz der Lunge zu messen. Perspektivisch soll das auch in Heimmessung mit einer Art Weste funktionieren.

Monitoring zeigte Wirkung

In der Pilotstudie mit 256 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (NYHA II-IV) und einer linksventrikulären EF von maximal 35% hat es jedenfalls geklappt. Alle Patienten wurden zunächst drei Monate medikamentös optimiert und dann in die Überwachungs- oder Kontrollgruppe gelost. In der Überwachungsgruppe wurde einmal im Monat die Impedanz mit dem neuen Gerät gemessen und in die Therapieentscheidungen einbezogen. Sonst unterschied sich nichts. Im Mittel wurden die Patienten in der Interventionsgruppe 48 Monate und in der Kontrollgruppe 39 Monate nachverfolgt.

Die Überwachung zeigte Wirkung: Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz (primärer Endpunkt) waren in der Interventionsgruppe in allen Jahren des Follow-ups jeweils weniger als halb so häufig wie in der Kontrollgruppe, wobei die Zahlen mit deutlich weniger als einer Einweisung pro Patient und Jahr insgesamt gering waren.

Todesfälle durch Herzinsuffizienz während der gesamten Studienperiode waren in der Interventionsgruppe um 62% geringer, die Gesamtsterblichkeit um 43%. Der absolute Unterschied bei der Gesamtsterblichkeit lag nach drei Jahren in der Größenordnung von zehn Prozentpunkten. Ob sich das in größeren Multicenterstudien reproduzieren lässt, ist die nächste Frage.

Literatur

Late-Breaking Clinical Trials: Noninvasive Lung IMPEDANCE-Guided Pre-emptive Treatment in Chronic Heart Failure Patients: a Randomized Controlled Trial (IMPEDANCE-HF trial). Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) 2016, 2.-4. April 2016, Chicago

Shochkat MK et al. Non-Invasive Lung IMPEDANCE-Guided Preemptive Treatment in Chronic Heart Failure Patients: a Randomized Controlled Trial (IMPEDANCE-HF Trial). Journal of Cardiac Failure 2016. doi: 10.1016/j.cardfail.2016.03.015