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09.03.2017 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

Adipositas und Herzinsuffizienz: Starke Hinweise auf kausale Beziehung

Autor:
Peter Overbeck

Schwedische Forscher legen Belege vor, die nach ihrer Einschätzung eine kausale Beziehung zwischen Fettleibigkeit und Herzinsuffizienz nun stärker untermauern. Sie analysierten zu diesem Zweck  Registerdaten von Patienten mit chirurgisch angelegtem Magen-Bypass.

Dass ein Übermaß an Körperfett mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz assoziiert ist, haben epidemiologischen Studien wiederholt bestätigt. Aus dieser Assoziation lässt sich aber nicht erschließen, ob Fettleibigkeit hier als kausaler Faktor wirksam ist.

Mit randomisierten Studien ist nicht zu rechnen

Beweisen könnte den ursächlichen Zusammenhang eine große prospektive Interventionsstudie zum Effekt einer dauerhaften substantiellen Gewichtreduktion auf die Inzidenz der Herzinsuffizienz. Dass eine solche Studie, die gewaltige Ausmaße haben müsste, je zustande kommen wird, darf bezweifelt werden. Beobachtungen, wonach ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) bei manifester Herzinsuffizienz sogar prognostisch von Vorteil zu sein scheint („obesity paradox“), machen die Sache im Übrigen noch komplizierter.

In dieser Situation haben schwedische Forscher versucht, einer möglichen ursächlichen Beziehung zwischen Fettleibigkeit und Herzinsuffizienz in anderer Form auf die Spur zu kommen. Die Gruppe um Dr. Johan Sundström von der Universität Uppsala nutzte dazu Daten adipöser Patienten aus zwei landesweiten Registern in Schweden.

Aus einem der beiden Register (SOReg: Scandinavian Obesity Surgery Registry) wurden Daten von 25.804 adipösen Patienten herangezogen, bei denen Chirurgen einen Magen-Bypass zur Gewichtsreduktion angelegt hatten. Daten von weiteren 13.701 Patienten, die an intensiven Programmen zur Lebensstil-Änderung teilgenommen hatten, stammten aus der Iltrim-Health-Datenbank. Bei den analysierten Patienten, die zu Beginn keine Herzinsuffizienz aufweisen durften, lag der BMI im Bereich zwischen 30 und 49,9. Beide Behandlungsgruppen waren sich in relevanten Merkmalen wie Körpergewicht und BMI sehr ähnlich.

Bei starker Gewichtsabnahme nur halb so hohes Risiko

Die mit dem bariatrischen Operationsverfahren behandelte Gruppe hatte nach einem Jahr im Schnitt 18,8 kg und nach zwei Jahren 22,6 kg mehr an Körpergewicht verloren als die auf Lebensstil-Änderung programmierte Gruppe.  Dieser Unterschied schien im Hinblick auf die Inzidenz  der Herzinsuffizienz von Relevanz zu sein: Patienten mit Magen-Bypass hatten ein relativ um 46% geringeres Risiko, dass bei ihnen  im Follow-up-Zeitraum von rund vier Jahren erstmals eine Herzinsuffizienz diagnostiziert wurde (Hazard Ratio: 0,54).

Insgesamt wurden in dieser Zeit 73 Fälle von neu aufgetretener Herzinsuffizienz registriert. Die Umstände lassen darauf schließen, dass es sich dabei ganz überwiegend wohl um nicht ischämisch bedingte Herzinsuffizienzen handelte.

Absolut betrachtet war das Risiko in beiden Gruppen eher gering: Rechnerisch betrug die 5-Jahres-Inzidenzrate für Herzinsuffizienz 0,4% (Lebensstil-Änderung) und 0,2% (Magen-Bypass).

Die Analyse förderte zudem eine Art von  „Dosis/Wirkung“-Beziehung zwischen Gewichtsabnahme und Abnahme des Herzinsuffizienz-Risikos zutage: Pro Gewichtsabnahme um 10 kg nach einem Jahr verringerte sich das Herzinsuffizienz-Risiko relativ um 23% (HR: 0,77). Nach Ansicht  der Studienautoren stützt dies die Annahme, dass die Assoziation kausaler Natur ist.

Literatur

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