Nachrichten 18.10.2017

HFpEF: Studie des DZHK soll MRT als diagnostischen Standard etablieren

Kann die Magnetresonanztomografie (MRT) bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurfleistung (HFpEF) bessere diagnostische Informationen liefern als Echo und invasive Druckmessung? In der jetzt anlaufenden Studie DECIPHER-HFpEF des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) wird das untersucht.

Bei Patienten mit „diastolischer“ Herzinsuffizienz gibt es bisher keinen echten diagnostischen Standard. Die erhaltene EF wird in der Echokardiografie festgestellt, die zusätzlich anhand unterschiedlicher Parameter eine Relaxationsstörung des Myokards beschreiben kann. Das hilft dem Arzt aber oft nicht wirklich weiter, betont Prof. Dr. Eike Nagel vom Institut for Cardiovascular Imaging an der Universität Frankfurt im Gespräch mit kardiologie.org: „Wenn jemand eine klare Relaxationsstörung im Echo hat, dann ist die Beschreibung HFpEF sicher zutreffend. Aber was ist die Ursache? Kann man eingreifen?“

DECIPHER-HFpEF-Studie: Echo, Kardio-MRT und Katheter im direkten Vergleich

Wer bei der HFpEF Ursachenforschung betreiben will, der greift heute oft zum Herzkatheter. Der kann nicht nur Koronarpathologien zeigen, sondern mit linksventrikukären Pressure-Volume-Loops auch parallele Druck-Volumen-Messungen vornehmen. Das liefert ein breites Spektrum an herzmechanischen Parametern vom Schlagvolumen bis zur myokardialen Kontraktilität.

Diese Untersuchung ist aber invasiv, und auch sie hat Grenzen, zum Beispiel wenn es um die genauere Abklärung struktureller Herzerkrankungen geht, die einer HFpEF ebenfalls zugrunde liegen können.

In den Einrichtungen des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) startet deswegen im November unter Leitung von Nagel die DECIPHER-HFpEF-Studie. Ihr Ziel ist, die MRT als neuen Standard in der HFpEF-Diagnostik zu etablieren.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren sollen insgesamt 185 Probanden teilnehmen. Bei 110 HFpEF-Patienten in der Hauptstudie werden sowohl Kardio-MRT, Echo sowie Links- und Rechtsherzkatheter inklusive Pressure-Volume-Loops und Biopsien durchgeführt, um die drei diagnostischen Modalitäten direkt vergleichen zu können. Zusätzlich gibt es 30 HFpEF-Patienten und 30 gematchte Kontrollen in einer Reproduzierbarkeitsstudie mit je zwei Kardio-MRTs und Echos, außerdem 15 gesunde Kontrollprobanden.

Die potenziell größte Stärke der Kardio-MRT im Vergleich zur Echokardiografie bei der HFpEF sieht Nagel darin, dass sie weniger eindimensional ist. Dass es bisher nicht gelang, in großen klinischen Studien klare Effektivitätsnachweise für medikamentöse Therapien zu liefern, könnte auch daran liegen, dass diese Studien unterschiedlichste Patienten in einen Topf geworfen haben, deren einzige Gemeinsamkeit die echokardiografische Relaxationsstörung war.

Kardio-MRT hilft auch bei der Ursachenforschung

In der MRT können dagegen nicht nur herzmechanische Parameter erfasst werden, sondern viele zugrundeliegende Pathologien, mit denen sich Echo und teilweise auch Herzkatheter schwer tun. So lässt sich mit der MR-Perfusion ein mikrovaskuläre Funktionsstörung erkennen, mit dem T1-Mapping eine diffuse Fibrose, mit dem T2-Mapping eine Myokarditis, außerdem veränderte Herzfunktion, veränderte Füllung und veränderte vaskuläre Steifigkeit.

„Wir glauben, dass wir die zugrundeliegende Störung mit der Kardio-MRT individuell erfassen können“, so Nagel. Klappt das, könnten künftige klinische Studien zur HFpEF sehr viel klarer umrissene Patientenkollektive mit gezielteren, an der jeweiligen Pathophysiologie orientierten Therapien untersuchen, für die dann möglicherweise auch ein Effektivitätsnachweis gelingt.

„Die Kardio-MRT wird die verschiedenen Ursachen beschreiben, und im Vergleich mit dem Linksherzkatheter können wir dann sagen, welchen Einfluss diese Ursachen jeweils auf die Relaxation haben. Damit können wir am Ende der Studie die invasiven Druckmessungen weglassen und wissen, ob Echo oder Kardio-MRT besser geeignet sind, die Diagnose zu stellen und die Ursache der HFpEF zu finden“, so Nagel.

Literatur

DZHK, Strahlenfreie und nicht-invasive Diagnose der diastolischen Herzschwäche, 9.10.2017

Interview mit Prof. Eike Nagel, Frankfurt

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