Nachrichten 31.05.2018

Diastolische Herzinsuffizienz – was man wirklich weiß

Die diastolische Herzinsuffizienz ist kein einheitliches Krankheitsbild. Deshalb ist äußerst schwierig, einheitliche Therapiestrategien zu entwickeln. Die bisherigen Empfehlungen sind eher eminenz- als evidenzbasiert.

„Die Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion („Heart Failure with preserved Ejection Fraction“: HFpEF) ist ein komplexes und zugleich heterogenes klinisches Syndrom“, machte Prof. Dirk J an Veldhuisen, Groningen, auf dem HeartFailure-Kongress in Wien deutlich. Jeder zweite herzinsuffiziente Patient leide an der diastolischen Form und die Prognose sei durchaus vergleichbar mit der bei der systolischen Herzinsuffizienz.

Die Erkrankung ist mit multiplen kardiovaskulären und  nicht kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert und benötigt verschiedene medikamentöse Therapieansätze.

„In den letzten zehn Jahren haben wir große Fortschritte im Hinblick auf das pathophysiologische Verständnis dieser Erkrankung gemacht. Doch bisher haben sich daraus keine spezifischen Therapiekonzepte ableiten lassen.“

Doch eines könne man mit Bestimmtheit sagen: One size fits not all! Angesichts der heterogenen Pathophysiologie müsse die Therapie Phänotyp-basiert und pathophysiologisch stratifiziert, also individualisiert sein.

Potenzielle Angriffspunkte für neue Substanzen

Bisher gib es so gut wie keine Evidenz für die verschiedenen medikamentösen Therapieansätze. „Doch neue pathophysiologische Erkenntnisse könnten die Grundlage für die Entwicklung neuer medikamentöser Therapiestrategien sein“, hofft Prof. Carolyn Lam, Groningen. Das Schlüsselkonzept für das Verständnis der HFpEF sei eine hämodynamische Situation, bei der das Herz nicht mehr in der Lage ist, die für den Körper notwendige Zirkulation aufrechtzuerhalten oder nur bei einem inadäquaten Anstieg des Füllungsdrucks.

Als Angriffspunkte für neue Substanzen kommen infrage: der erhöhte linksatriale Druck, die pulmonale Hypertonie, das erhöhte Plasmavolumen, die systemische mikrovaskuläre Inflammation, die Veränderungen der kardiometabolischen Funktionen und die zellulären und extrazellulären, genauer gesagt fibrotischen strukturellen Veränderungen. Dabei könnten auf zellulärer Ebene auch molekulare Strategien wie interferierende RNAs zum Einsatz kommen.

Vorhofflimmern ist eine häufige Begleiterkrankung

Angesichts der pathophysiologischen Gemeinsamkeiten ist die Koinzidenz von HFpEF und Vorhofflimmern sehr hoch. Das Bindeglied ist der erhöhte linksatriale Druck. Aber auch die neurohumorale Aktivierung, die Inflammation und die Fibrosierung spielen bei beiden Erkrankungen eine wichtige Rolle.

Jeder zweite HFpEF-Patient bekommt im Verlauf seiner Erkrankung Vorhofflimmern und jeder zweite Vorhofflimmern-Patient leidet an einer HFpEF. Im Vergleich zu HFrEF ist das Schlaganfallrisiko bei HFpEF höher, aber die Mortalität etwas niedriger.

„Da die Symptome  ähnlich sind, wird die HFpEF bei Patienten mit Vorhofflimmern nicht immer erkannt“, so Prof. Dipak Kotecha, Birmingham. Doch ein gutes Ansprechen auf Diuretika spreche für das Vorliegen einer HFpEF. Wichtig seien eine gute Frequenzkontrolle und eine optimale Blutdruckeinstellung ebenso wie eine Revaskularisation im Falle einer KHK. Bei der Indikation für die Antikoagulation gebe es keine Unterschiede zwischen HFrEF und HFpEF.

Metabolisches Syndrom ist ein Risikofaktor

„Die Adipositas und der Diabetes mellitus sind wichtige Risikofaktoren für eine HFpEF und somit auch die häufigsten Begleiterkrankungen“, erklärte Prof. Rudolf de Boer, Groningen. Dies gilt sogar schon für den Prädiabetes und auch unabhängig davon, ob gleichzeitig eine arterielle Hypertonie vorliegt. Die genauen pathophysiologischen Zusammenhänge sind noch nicht bekannt. Es dürften aber neurohumorale bzw. endokrine Mechanismen eine Rolle spielen.

Die Gewichtsreduktion und auch eine regelmäßige körperliche Aktivität sind deshalb in Ermangelung evidenzbasierter medikamentöser Strategien  vorrangige Therapiekonzepte. In wieweit neue Antidiabetika wie die SGLT2-Inhibitoren bei der HFpEF eine günstige Wirkung entfalten, wird derzeit im Rahmen klinischer Studien untersucht.

Literatur

Heart Failure 2018 & World Congress on Acute Heart Failure, 26 - 29 Mai 2018 in Wien

Highlights

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

CME-Highlights aus der eAcademy

Mit dem umfangreichen Kursangebot der DGK auf Kardiologie.org haben Sie permanenten Zugriff auf das Fachwissen von führenden Experten und sind immer auf dem neuesten Stand. Testen Sie Ihr Wissen und sammeln Sie CME-Punkte!

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Vorhofflimmern & TAVI – NOAKs doch bessere Wahl?

Einige Leitlinien favorisieren für Patienten nach einer TAVI eine Behandlung mit VKA, wenn eine Indikation zur Antikoagulation besteht. Registerdaten stellen diese Empfehlungen nun infrage.

Kardiologen fordern Maßnahmen für höhere Corona-Impfquote

Eine vierte Welle der Corona-Pandemie birgt vor allem für Menschen mit Herzerkrankungen eine große Gefahr. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) beobachtet daher den sich verlangsamenden Impffortschritt und die große Zahl Ungeimpfter mit wachsender Sorge.

Neues Herzinsuffizienz-Medikament in der EU zugelassen

In Europa steht nun ein weiteres Medikament zur Behandlung der Herzinsuffizienz zur Verfügung. Die Europäische Kommission hat die Marktzulassung für Vericiguat erteilt, wie der Hersteller mitteilt.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

Patientin mit einem thorakalen Schmerzereignis – wie lautet Ihre Diagnose?

Lävokardiografie (RAO 30°-Projektion) einer 54-jährigen Patientin nach einem thorakalen Schmerzereignis. Was ist zu sehen?

Patientin mit passagerer Hemiparese – wie lautet Ihre Diagnose?

Transthorakale Echokardiographie mit Darstellung eines apikalen 4-Kammer Blicks einer Patientin mit passagerer Hemiparese.  Was ist zu sehen?

Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
eAcademy/© fotolia / Sergey Nivens
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Transthorakale Echokardiographie/© Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen