Nachrichten 18.07.2016

Erholt sich die EF, ist die Prognose überdurchschnittlich gut

Herzinsuffizienzpatienten, bei denen sich die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (EF) verbessert, haben eine eher günstige Prognose. Sie ist nicht nur besser als bei anhaltend reduzierter EF, sondern auch besser als bei von vorn herein erhaltener EF.

In einer retrospektiven Kohortenstudie der Emory University School of Medicine in Atlanta, USA, wurden die Daten von insgesamt 2.166 Patienten analysiert, die jahrelang in der akademischen Herzinsuffizienzambulanz der Universität in Behandlung waren. Zwei Drittel der Patienten hatten eine koronare Herzerkrankung.

Die Patienten wurden anhand ihres EF-Verlaufs kategorisiert. 21,5 % der Patienten hatten zu einem Stichtag eine EF von über 40 % und in der Vergangenheit keinen Zeitraum, in dem die EF bei 40 % oder darunter lag. Diese Patienten wurden als Herzinsuffizienzpatienten mit erhaltener EF kategorisiert (HFpEF). Weitere 16,2 % hatten zwar zum Stichtag eine erhaltene EF > 40 %, es war aber dokumentiert, dass die EF in der Vergangenheit zeitweise bei 40 % oder niedriger lag. Diese Patienten wurden als Herzinsuffizienzpatienten mit erholter („recovered“) EF (HFrecEF) kategorisiert. Die übrigen 62,3 % hatten eine Herzinsuffizienz mit durchgehend reduzierter EF (HFrEF).

Nach dieser Kategorisierung wurde dann das 3-Jahres-Follow-up untersucht. Und da zeigten sich deutliche Unterschiede. HFrecEF-Patienten schnitten nicht nur und erwartungsgemäß im Vergleich zu HFrEF-Patienten besser ab. Sie hatten auch im Vergleich zu HFpEF-Patienten eine signifikant geringere Gesamtmortalität (RR 0,71; 95%-KI 0,55–0,91; p = 0,007), eine signifikant geringere kardiovaskuläre Mortalität (RR 0,50; 95%-KI 0,35–0,71; p < 0,001) und signifikant weniger herzinsuffizienzbezogene Krankenhauseinweisungen (RR 0,48; 95%-KI 0,30–0,76; p = 0,002).

In einem begleitenden Editorial plädiert Jane E. Wilcox von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago dafür, HFrecEF als einen neuen Phänotyp der Herzinsuffizienz anzusehen. Allerdings sei die Datenlage bisher noch begrenzt, und die vorliegende Studie müsse unter anderem deswegen mit Vorsicht bewertet werden, weil sie nur an einem Zentrum stattfand. Auch sei dadurch, dass es sich um Patienten einer Universitätsambulanz handele, ein gewisser Selektions-Bias anzunehmen.

Therapeutisch sieht Wilcox angesichts der vergleichsweise guten Prognose von HFrecEF-Patienten Bedarf an neuen medikamentösen Therapien oder anderweitigen Therapieansätzen, die in einem frühen Stadium der Herzinsuffizienz eine Erholung der Herzfunktion begünstigen. Aus Studien mit linksventrikulären Assist-Devices (LVAD) gebe es Hinweise auf spezifische molekulare Signalketten, die in Richtung einer Erholung des Myokards wirken. Auch mechanistische Ansätze, bei denen LVAD-Devices bei neuer, zum Beispiel infektiös getriggerter Herzinsuffizienz als Überbrückung zur Herzentlastung eingesetzt werden, hält sie für vielversprechend.

Literatur

Kalogeropoulos AP et al. Characteristics and Outcomes of Adult Outpatients With Heart Failure and Improved or Recovered Ejection Fraction. JAMA Cardiol. 2016 Jul 6; doi: 10.1001/jamacardio.2016.1325

Wilcox JE. Heart Failure – A New Phenotype Emerges. JAMA Cardiol. 2016 Jul 6; doi: 10.1001/jamacardio.2016.1356

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