Nachrichten 20.02.2018

Weniger Herzinsuffizienz bei SGLT2-Hemmer-Therapie – auch im Praxisalltag

Typ-2-Diabetiker, die mit dem SGLT2-Hemmer Canagliflozin behandelt werden, müssen in den ersten Monaten seltener wegen Herzinsuffizienz ins Krankenhaus. Das zeigt eine Auswertung von US-amerikanischen Krankenversicherungsdaten.

Für die SGLT2-Hemmer Empagliflozin und Canagliflozin konnte in den randomisierten Studien EMPA-REG OUTCOME und CANVAS bei Typ-2-Diabetikern eine Verringerung der Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz demonstriert werden. In der EMPA-REG OUTCOME-Studie gab es zudem eine statistisch signifikante Reduktion kardiovaskulärer Todesfälle. Daten zum Effekt einzelner SGLT2-Hemmer in der realen Versorgung gibt es bisher aber nur begrenzt.

Das von Herstellern unterstützte CVD-REAL-Register hat Hinweise auf eine Verringerung herzinsuffizienzbedingter Klinikeinweisungen auch unter Versorgungsbedingungen der täglichen Praxis sowie Hinweise auf einen Klasseneffekt unabhängig von der Art des SGLT2-Hemmers gefunden. Wissenschaftler der Harvard Universität in Boston haben die kardialen Effekte einer SGLT2-Hemmer-Therapie jetzt in einer unabhängig finanzierten Studie mit Hilfe der US-Forschungsdatenbank OptumInsight analysiert, in die pro Jahr über 14 Millionen Patienten Eingang finden.

Vergleich mit anderen Antidiabetika

Sie konzentrierten sich dabei auf Canagliflozin. Patienten, die als orales Antidiabetikum den SGLT2-Hemmer erhalten hatten, wurden in einem Matched-Pair-Design verglichen mit Patienten, die DPP4-Hemmer, GLP1-Rezeptroantagonisten oder Sulfonylharnstoffpräparate erhalten hatten. Primärer Endpunkt waren einerseits die herzinsuffizienzbedingten Klinikeinweisungen, andererseits ein Komposit aus Klinikeinweisungen wegen akutem Myokardinfarkt oder Schlaganfall.

Dabei zeigte sich über einen mittleren Follow-up-Zeitraum von gut einem halben Jahr bei einer Gesamtstudiendauer von 30 Monaten zum einen, dass Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz bei Therapie mit Canagliflozin signifikant seltener auftraten: Die Wahrscheinlichkeit war im Vergleich zu DPP4-Hemmern 30 %, im Vergleich zu GLP1-Antagonisten 39 % und im Vergleich zu Sulfonylharnstoffen 49 % geringer.

Insgesamt waren Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz allerdings selten. So gab es in der DPP4-Hemmer-Kohorte 12,8 Einweisungen pro 1.000 Patientenjahre, in der gematchten Canagliflozin-Kohorte waren es 8,9.

Bestätigung der CANVAS-Studie

Was den zusammengesetzten kardiovaskulären Endpunkt angeht, gab es ebenfalls im Trend Vorteile für die Patienten, die mit dem SGLT2-Hemmer behandelt worden waren. Im Vergleich zu DPP4-Hemmer traten 11 % weniger Myokardinfarkte und Schlaganfälle auf, im Vergleich Sulfonylharnstoffen 14 %. Beides war aber nicht statistisch signifikant, und im Vergleich zu GLP1-Hemmer gab es bei den Klinikeinweisungen wegen Herzinfarkt oder Schlaganfall gar keinen Unterschied.

Die Ergebnisse waren insgesamt unabhängig davon, ob bei den Patienten bereits kardiovaskuläre Erkrankungen vorlagen und auch unabhängig davon, wie hoch der HbA1c-Wert zu Studienbeginn war. Sie bestätigten im Wesentlichen die Daten der randomisierten CANVAS-Studie, so die Autoren.

Literatur

Patorno E at al. Cardiovascular outcomes associated with canagliflozin versus other non-gliflozin antidiabetic drugs: population based cohort study. BMJ. 2018 Feb 6;360:k119. https://doi.org/10.1136/bmj.k119

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