Nachrichten 10.04.2019

Herzinsuffizienz: Erhöht Influenza das Risiko?

Influenza-Infektionen sind mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen verbunden. Jetzt bestätigt eine große Beobachtungsstudie: Während einer Grippe-Welle nehmen Krankenhausaufenthalte wegen Herzinsuffizienz zu.

In den USA gibt es in jeder Influenza-Saison etwa 36.000 damit assoziierte Todesfälle und mehr als 200.000 Krankenhauseinweisungen aufgrund der Infektion. In mehreren Studien wurde über ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Mortalität und Herzinfarkt bei Influenza berichtet.

Die Forscher um Sonja Kytömaa vom Brigham and Women's Hospital in Massachusetts fanden jetzt in einer großen Beobachtungsstudie heraus: Ein Anstieg der Influenza-Aktivität um 5% war mit einer Zunahme der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzinsuffizienz um 24% assoziiert. Bei den Krankenhauseinweisungen wegen Herzinfarkt entdeckten die Forscher jedoch keinen signifikanten Zusammenhang.

Im Rahmen der sogenannten ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk in Communities) beobachtete das Forscherteam 450.000 Teilnehmer aus vier unterschiedlichen US-Staaten von 2010 bis 2014. Diese waren zwischen 35 und 84 Jahre alt und wegen Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Daten zur Influenza-Aktivität stammten vom amerikanischen Zentrum für Krankheitsbekämpfung und Prävention.

Grippeimpfung für Risikopatienten empfohlen

Die Leitlinien empfehlen Grippeimpfungen für Risikopatienten, einschließlich Menschen mit Herzerkrankungen. Studien zufolge ist der tatsächliche Impfstatus dieser Patienten jedoch unvollständig. Zwischen 2012 und 2017 war fast jeder dritte Patient, der in einem der teilnehmenden US-Krankenhäusern wegen Herzinsuffizienz behandelt wurde, nicht gegen Influenza geimpft.

Die Studienautoren nehmen an, dass Patienten mit Herzinsuffizienz ein schwächeres Immunsystem haben als Gesunde. Deshalb seien sie besonders anfällig für mit Influenza assoziierte Komplikationen und reagieren auch schwächer auf Influenza-Impfstoffe.

Influenza-Prävention könnte Krankenhausaufenthalte reduzieren

Die Assoziationen zwischen Influenza und Krankenhausaufenthalten aufgrund von Herzinsuffizienz und Herzinfarkt waren bei Männern und Frauen ähnlich. Auch das rechnerische Anpassen der monatlichen Durchschnittstemperaturen veränderte die Ergebnisse nicht.

Das Fazit der Forscher: Dass ein Anstieg der Influenza-Aktivität in der Bevölkerung mit einer Zunahme der Krankenhauseinweisungen wegen kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert ist, deutet darauf hin, dass präventive Maßnahmen, die Influenza-Infektionen reduzieren, zukünftige Krankenhausaufenthalte verhindern könnten. Weitere Studien seien notwendig, um zu bestimmen, ob das Eindämmen der Influenza die Klinikeinweisungen tatsächlich verringern könnte.

Literatur

Kytömaa S et al. Association of Influenza-like Illness Activity With Hospitalizations for Heart Failure: The Atherosclerosis Risk in Communities Study. JAMA Cardiology 2019. doi:10.1001/jamacardio.2019.0549.

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Bildnachweise
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com
Coronavirus/© Naeblys / Getty images / iStock
International Stroke Conference 2020, Los Angeles/© Beboy / Fotolia
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
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Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018