Nachrichten 21.06.2016

Herzinsuffizienz in jungen Jahren: Risiko steigt schon bei leicht erhöhtem BMI

Bereits bei einem BMI im hochnormalen Bereich scheint das Risiko nach den Ergebnissen einer großen Registerstudie zu steigen, in jungen Jahren an einer Herzinsuffizienz zu erkranken. Die Studienautoren befürchten daher ein weltweit wachsendes Problem.

Das Risiko, bereits in frühen Jahren eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, steigt offenbar mit der Höhe des Body-Mass-Index (BMI). Diese Assoziation legt eine große Registerstudie aus Schweden nahe. Auffällig ist, dass bereits bei Werten, die noch als „normal“ gelten, ein Anstieg der herzinsuffizienzbedingten Hospitalisierungsraten zu verzeichnen ist.

Für diese Analyse haben Prof. Annika Rosengren und Kollegen von der Universität Gothenburg Daten von über 1.610.437 schwedischer junger Männer, die in einem Alter von 18 Jahren im Rahmen ihrer Wehrpflicht in einem nationalen Register registriert worden sind, ausgewertet. In dem mittleren Beobachtungszeitraum von 23 Jahren wurden 5.492 herzinsuffizienzbedingte Klinikeinweisungen registriert; die betroffenen Personen waren zum Diagnosezeitpunkt im Schnitt 46,6 Jahre alt.

Geringstes Risiko bei BMI von 20 

Am geringsten war das Hospitalisierungsrisiko für Männer in der niedrigsten, als normalgewichtig geltenden Gewichtskategorie (BMI: 20,0–22,5 kg/m². Bereits für Personen, die einen etwas höheren, aber immer noch normalen BMI aufwiesen (22,5–25,0 kg/m²), stieg das Risiko um 22% an (adjustierte Hazard Ratio, HR: 1,22). Deutlich gefährdeter waren übergewichtige Männer mit einem BMI zwischen 30,0–35,5 kg/m² (HR: 6,47). Und um fast das Zehnfache erhöht war das Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, für adipöse Männern, deren BMI 35 kg/m² oder mehr betrug (HR: 9,21). 

Eine auf verschiedenste Faktoren (Alter, Blutdruck, IQ, Fitness usw.) adjustierte Analyse ergab einen Risikoanstieg pro BMI-Einheit von 16 Prozent. 

Schon bei leicht erhöhten Werten steigt das Risiko

Nach Ansicht der Studienautoren deutet dieses Ergebnis darauf hin, dass bereits bei deutlich niedrigeren BMI-Werten als der in den meisten Studien bisher verwendete Cut-off von 25 kg/m² das Herzinsuffizienzrisiko steigt. Wenn dies tatsächlich der Fall sei, würde die Krankheitslast in der Bevölkerung zum größten Teil durch ein hochnormales Gewicht oder Übergewicht getragen sein, vermuten Rosengren und Kollegen, also der Gewichtskategorie, die in der Bevölkerung am häufigsten vertreten sei.

Herzinsuffizienz in jungen Jahren wird zum weltweiten Problem

Sie befürchten, dass sich in Anbetracht des globalen Trends hin zu einer steigenden Zahl junger Erwachsener mit Übergewicht oder Adipositas die Herzinsuffizienz in jungen Jahren zu einem weltweiten wachsenden Problem entwickeln wird. Ein Aspekt der nach Ansicht der schwedischen Wissenschaftler in den derzeitigen Leitlinien noch nicht ausreichend gewürdigt wird. Es bedürfe daher dringend weltweiter Aktionen, um die globale Adipositas-Epidemie in den Griff zu bekommen, schließen die Studienautoren. 

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Bildnachweise
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK