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24.11.2017 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

Neue Zahlen aus Großbritannien

Herzinsuffizienz: Patienten-Management wird immer komplexer

Autor:
Veronika Schlimpert

Immer mehr Patienten leiden an einer Herzinsuffizienz und die sind immer kränker, wie neueste Zahlen aus Großbritannien zeigen. Bestimmte Bevölkerungsschichten sind demnach besonders gefährdet.

An Herzinsuffizienz leiden mittlerweile so viele Menschen wie an Brust-, Prostata- und Darmkrebs zusammen, so das Ergebnis einer britischen Studie, in der elektronische Versichertendaten von über vier Millionen Menschen ausgewertet wurden.

Die Inzidenz der Herzinsuffizienz war zwischen dem Untersuchungszeitraum von 2002 und 2014 zwar leicht rückläufig, wie die Wissenschaftler um Dr. Nathalie Conrad vom The George Institute for Global Health berichten. Sie sank um 7% (von 358 Fälle auf 332 Fälle pro 100.000 Personen). Allerdings sei dieser Rückgang im Vergleich zu den Zahlen beim Myokardinfarkt deutlich geringer ausgefallen. Dessen Inzidenz ist in der gleichen Zeitspanne in vielen Ländern um circa ein Drittel zurückgegangen.

Die absolute Zahl an Menschen mit einer neu diagnostizierten Herzinsuffizienz hat allerdings um 12% zugenommen (von 170.727 auf 190.798 Fälle), was hauptsächlich den steigenden Bevölkerungszahlen und dem demografischen Wandel zuzuschreiben ist.

Immer mehr Komorbititäten

Aber nicht nur die Zahl der erkrankten Personen steige, deren Management werde auch immer komplexer, berichten die Autoren. Die Patienten werden immer älter (von durchschnittlich 76,5 auf 77 Jahre), und damit steigt auch die Zahl an Komorbiditäten. Waren die Patienten 2002 im Schnitt noch mit 3,4 weiteren Erkrankungen vorstellig geworden, litten sie 2014 bereits an 5,4 Begleiterkrankungen, als ihre Herzschwäche diagnostiziert wurde.

Interessanterweise war ein beträchtlicher Teil der festgestellten Komorbiditäten nicht kardiovaskulärer Natur, sie betrafen also andere Organe.

Die Betreuung solcher Patienten bedeute eine weitere Belastung für das Gesundheitssystem und erfordere eine koordinierte Zusammenarbeit von spezialisierten Kardiologen mit anderen Disziplinen, machen die Wissenschaftler deutlich. Ihrer Ansicht nach sind neben dem demografischen Wandel auch eine verbesserte Diagnostik, verstärkte Screening-Maßnahmen, ein zunehmendes Bewusstsein der Ärzte und eine veränderte Risikofaktoren-Verteilung daran beteiligt, dass Herzinsuffizienz-Patienten immer mehr Begleiterkrankungen aufweisen.

Die Analyse aus Großbritannien zeigt aber auch, dass nicht alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen betroffen sind. So waren sozial benachteiligte Personen deutlich mehr gefährdet, an einer Herzinsuffizienz zu erkranken, als wohlhabende Menschen; das relative Risiko war für sie um 61% höher. Im Schnitt waren ärmere Menschen mit Herzinsuffizienz auch 3,5 Jahre jünger und hatten mehr Komorbiditäten als davon betroffene Patienten, die der wohlhabenden Bevölkerungsschicht angehören; 81% von ihnen hatten drei oder mehr weitere Erkrankungen, bei den Reichen dagegen nur 77%.

Würde man diese Ungleichheit beseitigen, hätte man jährlich 31.810 weniger Neudiagnosen von Herzinsuffizienz, schätzen Conrad und Kollegen.

Literatur

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