Nachrichten 30.12.2019

SGLT2-Hemmer bei Herzinsuffizienz: Belastungskapazität nicht verbessert

SGLT2-Hemmer profilieren sich derzeit als weitere Therapieoption zur Prognoseverbesserung bei Herzinsuffizienz. Verbessern sie auch mit dieser Erkrankung einhergehende funktionelle Einschränkungen? Zwei Studien mit Empagliflozin dämpfen diesbezüglich die Erwartungen.

Die Behandlung mit Empagliflozin hat in zwei klinischen Studien bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und erniedrigter bzw. erhaltener linksventrikulärer Auswurffraktion die Belastungskapazität der Studienteilnehmer im Vergleich zu Placebo nicht signifikant verbessert.  Über dieses enttäuschende Ergebnis der Studien EMPERIAL-Reduced und EMPERIAL-Preserved informierten die Studiensponsoren Boehringer Ingelheim und Eli Lilly jüngst die Öffentlichkeit. Wie bei sogenannten „Top Line“-Ankündigungen üblich werden über den grundsätzlichen Studienausgang hinaus noch keine detaillierten Ergebnisse verraten. Sie sollen 2020 vorgestellt werden.

Das EMPERIAL-Projekt besteht aus zwei randomisierten Studien bei Herzinsuffizienz-Patienten mit und ohne Diabetes.  An EMPERIAL-Reduced  waren 312 Patienten mit Herzinsuffizienz und erniedrigter Auswurffraktion (HFrEF:  heart failure with reduced ejection fraction) und an EMPERIAL-Preserved  315 Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Auswurffraktion (HFpEF: heart failure with preserved ejection fraction) beteiligt.

Kein Effekt beim 6-Minuten-Gehtest

Im Fokus beider Studien stand die Wirkung von Empagliflozin (10 mg/Tag) auf die Belastungskapazität, gemessen an der zurückgelegten Gehstrecke beim 6-Minuten-Gehtest nach 12 Wochen. Hier hat es der aktuellen Ankündigung zufolge keine signifikante Veränderung durch Empagliflozin im Vergleich zu Placebo gegeben.

Nach einer Reihe von Erfolgen ist das ein erster Rückschlag. Die ursprünglich als Antidiabetika zur Blutzuckersenkung bei Typ-2-Diabetes entwickelten SGLT2-Hemmer sind bekanntlich auf dem besten Weg, sich auch bei der Indikation Herzinsuffizienz als neue Therapieoption zu etablieren. Ein Wegbereiter dieser Entwicklung war die Studie EMPA-REG-OUTCOMES mit Empagliflozin.

Prognoseverbesserung in der Studie EMPA-REG-OUTCOMES

Die Ende 2015 vorgestellte Studie hat nicht nur die diabetologische Fachwelt elektrisiert.  Denn erstmals konnte gezeigt werden, dass mit Empagliflozin ein Antidiabetikum bei Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse signifikant verringert.

Dabei stach die signifikante Reduktion der kardiovaskulären Mortalität (relative Risikoreduktion: 38 Prozent) heraus. Diese deutliche Prognoseverbesserung  schien wiederum  etwas mit der überraschend starken Wirkung von Empagliflozin auf die Herzinsuffizienz-Entwicklung zu tun gehabt zu haben: Das Risiko für eine Klinikeinweisung wegen Herzinsuffizienz war im Empagliflozin-Arm relativ um 35 Prozent, dasjenige für Hospitalisierung oder Tod (jeweils infolge Herzinsuffizienz) um 39 Prozent niedriger als im Placebo-Arm.

DAPA-HF-Studie macht Furore

Groß war jüngst auch die Aufregung über die Mitte 2019 beim europäischen Kardiologenkongress präsentierte DAPA-HF-Studie, in der erstmals ein SGLT2-Hemmer gezielt bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht worden ist – unabhängig davon, ob sie an Diabetes erkrankt waren oder nicht. Das Risiko für den primären Studienendpunkt (klinische Verschlechterung der Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Mortalität) wurde durch eine Behandlung mit Dapagliflozin im Vergleich zu Placebo im Follow-up-Zeitraum von 18 Monaten relativ um 26% reduziert (Inzidenz: 16,3% vs. 21,2%, p<0,00001).

Auch die Herzinsuffizienz-Symptomatik wurde verbessert. Diese Verbesserung spiegelte sich in entsprechenden Veränderungen des mittels eines speziellen Fragebogens (Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire) erfassten Gesamtscores für die Symptomatik wider.

EMPEROR HF-Studien werden schon bald neue Erkenntnisse bringen

Ungeachtet des enttäuschenden Ausgangs der EMPERIAL-Studien bleibt die Hoffnung, dass auch Empagliflozin bei chronischer Herzinsuffizienz ähnlich positive Effekte auf den klinischen Verlauf sowie die Lebensqualität der Patienten zeigen wird wie Dapagliflozin. Ob die Hoffnung berechtigt ist, wird sich in den beiden derzeit laufenden randomisierten EMPEROR HF-Studien bei Herzinsuffizienz-Patienten mit und ohne Diabetes erweisen.

Primärer Endpunkt beider Studien ist die Zeit bis zum ersten Auftreten der Ereignisse kardiovaskulärer Tod und Krankenhauseinweisung wegen Herzinsuffizienz. Geplant war eine Rekrutierung von insgesamt rund 7.000 Studienteilnehmern. Erste Ergebnisse werden voraussichtlich 2020 vorliegen. 

Die Studie EMPEROR HF-Preserved untersucht Sicherheit und Wirksamkeit von Empagliflozin im Vergleich zu Placebo bei Patienten mit  Herzinsuffizienz und noch weitgehend normaler linksventrikulärer Auswurffraktion (HFpEF). Die Zahl der Studienteilnehmer wurde mit rund 4.100  veranschlagt. Die Studie EMPEROR HF-Reduced mit rund 2.800  geplanten Teilnehmern prüft Sicherheit und Wirksamkeit von Empagliflozin bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter linksventrikulärer Auswurffraktion (HFrEF).

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