Nachrichten 31.07.2020

Topline-Meldung: Auch Empagliflozin beweist Wirksamkeit bei Herzinsuffizienz

Nach Dapagliflozin scheint auch Empagliflozin unter Beweis gestellt zu haben, dass dieser SGLT2-Hemmer die Prognose von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz substanziell verbessert -unabhängig davon, ob ein Diabetes besteht oder nicht.

SGLT2-Hemmer sind derzeit für Erfolgsmeldungen bezüglich ihrer kardio- und renoprotektiven Wirkungen gut. Über einen weiteren Erfolg mit einem Vertreter dieser ursprünglich für die antidiabetische Therapie entwickelten Wirkstoffklasse informieren jetzt die beiden Unternehmen Boehringer Ingelheim und Eli Lilly &Company: Danach hat Empagliflozin in der EMPEROR-Reduced-Studie das Risiko für kardiovaskulär verursachte Todesfälle und Klinikaufenthalte wegen Herzinsuffizienz bei Patienten mit Herzinsuffizienz und erniedrigter Auswurffraktion (HFrEF: Heart Failure with reduced Ejection Fraction)  - darunter auch solche ohne Diabetes mellitus - signifikant reduziert.

Außer dieser Topline-Meldung gibt es derzeit keine weiteren Informationen zum Ausgang der Studie. Ihre kompletten Ergebnisse sollen laut Ankündigung auf einer Hotline-Sitzung beim virtuellen Kongress der europäischen Kardiologengesellschaft ESC am 29. August 2020 vorgestellt werden.

Auch DAPA-HF-Studie verlief erfolgreich

Nach DAPA-HF (mit Dapagliflozin) ist EMPEROR-Reduced  die zweite Studie, in der das kardiovaskuläre Wirkpotenzial eines SGLT2-Hemmers speziell bei Patienten mit Herzinsuffizienz des HFrEF-Phänotys ausgelotet werden sollte. In der beim ESC-Kongress 2019 vorgestellten DAPA-HF-Studie hat Dapagliflozin bekanntlich das Risiko für den primären kombinierten Studienendpunkt (klinische Verschlechterung der Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Mortalität) Im Follow-up-Zeitraum von 18 Monaten im Vergleich zu Placebo signifikant  um 26% reduziert  (Inzidenz: 16,3% versus 21,2%, p<0,00001). Dieses Ergebnis impliziert eine signifikante Reduktion der  kardiovaskulären Mortalität um 18%. Von diesen Risikoreduktionen profitierten Patienten mit und ohne Typ-2-Diabetes gleichermaßen.

Den Anstoß für das EMPEROR-Studienprogramm hatten Ergebnisse der Ende 2015 publizierten EMPA-REG OUTCOME-Studie gegeben.  In dieser Studie konnte mit Empagliflozin bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Vorerkrankungen das Risiko für den primären kombinierten Endpunkt (kardiovaskulär bedingter Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt oder nicht-tödlicher Schlaganfall) im Vergleich zu Placebo signifikant um 14 Prozent verringert werden. Die Rate für die  kardiovaskuläre Mortalität wurde dabei um 38 Prozent reduziert. Zudem wurde die Rate für Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz um 35 Prozent verringert. Mit der blutzuckersenkenden Wirkung von SGLT2-Hemmern dürften die in DAPA-HF wie auch jetzt in EMPEROR-Reduced  erzielten Behandlungserfolge kaum etwas zu tun haben.

Studie bei Patienten mit HFpEF läuft noch

Im EMPEROR-Studienprogramm (EMPagliflozin outcomE tRial in patients with chrOnic heaRt failure) sollte Empagliflozin gezielt auf seinen klinischen Nutzen bei herzinsuffizienten Patienten mit und ohne Diabetes geprüft werden. In die augenscheinlich erfolgreich abgeschlossene EMPEROR-Reduced-Studie als Teil dieses Programms wurden weltweit insgesamt 3,730 Patienten mit HFrEF aufgenommen.

In der noch laufenden Studie EMPEROR-Preserved werden Sicherheit und Wirksamkeit von Empagliflozin speziell bei Patienten mit  Herzinsuffizienz und noch weitgehend normaler linksventrikulärer Auswurffraktion (HFpEF: Heart Failure with preserved Ejection Fraction) untersucht.  Der primäre Endpunkt dieser Studie, an der rund 6.000 Patienten teilnehmen sollen, ist identisch mit dem der EMPEROR-Reduced-Studie. Ergebnisse werden für 2021 erwartet.

Literatur

Quelle: Pressemitteilung der Unternehmen Boehringer Ingelheim and Eli Lilly and Company vom 30. Juli 2020: Jardiance® meets primary endpoint in reducing risk of cardiovascular death or hospitalization for heart failure in phase III trial in adults with and without diabetes

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