Nachrichten 15.03.2017

Asymptomatische Mitralklappeninsuffizienz: Was für eine Operation spricht

Der Zeitpunkt, wann bei Patienten mit asymptomatischer Mitralklappeninsuffizienz, aber noch erhaltener Auswurffraktion operiert werden sollte, ist oft nicht eindeutig. Der Global Longitudinal Strain stellt hier eine nützliche Entscheidungshilfe dar, wie ein Experte auf dem CardioUpdate 2017 erläuterte.

Bei Patienten. Die an einer schweren symptomatischen Mitralklappeninsuffizienz leiden und bereits eingeschränkte linksventrikuläre Ejektionsfraktion (EF) haben, ist die Therapiestrategie in aller Regel eindeutig: Hier wird von den Leitlinien eine Mitralklappenoperation empfohlen. Haben die Patienten aber keine Beschwerden und liegt deren EF noch in einem normalen Bereich, ist der optimale Zeitpunkt, wann operiert werden sollte, nicht so einfach zu bestimmen.

Verschlechterung der Ventrikelfunktion aufspüren

In solchen Fällen habe die Messung des Global Longitudinal Strain eine wirklich praktische Relevanz, machte Prof. Stephan Achenbach, Universitätsklinikum Erlangen, auf dem CardioUpdate 2017 in Berlin deutlich. Der sog. Strain, also das Ausmaß der Verkürzung des Myokards, lässt sich in der Echokardiografie mittels „Speckle Tracking“ bestimmen. Der Global Longitudinal Strain (GLS) ist ein Maß für die linksventrikuläre Globalfunktion. Je negativer der Wert – also je stärker die Verkürzung – desto besser ist die Funktion.  

„Gerade  Patienten mit asymptomatischer Mitralklappeninsuffizienz, deren Ventrikel schon ‚ein bisschen angestrengt sind‘, also deren Global Longitudinal Strain sich verschlechtert hat, profitieren von einer Operation“, berichtete Achenbach.

Wichtige prognostische Aussagekraft

Er verwies in diesem Kontext auf eine 2016 publizierte Studie von Amgad Mentias [1], in der bei Patienten mit  asymptomatischer Mitralklappeninsuffizienz, aber noch erhaltener EF ein GLS schlechter als –21% mit einer progredienten Zunahme der Langzeitsterblichkeit assoziiert war – vor allem dann, wenn diese Patienten nicht operiert wurden. Ein abnormaler Strain ging demnach mit einer um 60% höheren Mortalität einher.

Nach Ansicht von Achenbach liefert die Messung des GLS damit eine zusätzliche, wichtige prognostische Information, die die Aussagekraft der reinen EF-Bestimmung ergänzt.  Denn, wie Mentias und Kollegen in der Publikation erläutern, kann eine schleichende Verschlechterung der linken Ventrikelfunktion bereits geschehen, ehe bei dem Patienten irgendein Abfall der EF zu messen ist.

Aufnahme in die neuen Leitlinie zu erwarten

In den aktuellen Leitlinien ist der GLS als prognostischer Faktor für die Mitralklappeninsuffizienz Achenbach zufolge aber noch nicht aufgeführt. „Aber ich vermute, dass dieser Aspekt in den neuen Leitlinien, die in diesem Jahr erscheinen werden, aufgenommen wird.“

Grenzwerte unterscheiden sich je nach Software

Allerdings weisen Mentias und Kollegen auch darauf hin, dass die Definition eines „normalen“ GLS bei Personen ohne kardiovaskuläre Erkrankungen noch nicht vollständig geklärt ist und sich die Grenzwerte in den jeweiligen Studien unterscheiden. Diese Abweichungen sind u. a. darauf zurückzuführen, dass die Messwerte bei ein und der derselben Person je nach Software unterschiedlich ausfallen können.  

Literatur

Quelle: CardioUpdate 2017 vom 10 bis 11. März in Berlin

[1] Mentias A, Naji P, Gillinov AM, et al. Strain Echocardiography and Functional Capacity in Asymptomatic Primary Mitral Regurgitation With Preserved Ejection Fraction. J Am Coll Cardiol. 2016 Nov 1;68(18):1974-1986

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