Nachrichten 28.10.2016

Direkte Anuloplastie der Mitralklappe mittels Katheter

Bei Patienten mit funktioneller Mitralinsuffizienz und erhöhten perioperativen Risiko gibt es mittlerweile die Option, eine kathetergestützte direkte Mitralklappenanuloplastie vorzunehmen. Neue Daten sind zu diesem neuen Verfahren sind vielversprechend.

Die operative Korrektur der funktionellen Mitralklappeninsuffizienz (FMR), die infolge einer Ventrikeldilatation bei eingeschränkter linksventrikulärer Funktion auftritt, wird aufgrund eines erhöhten perioperativen Risikos häufig nicht durchgeführt oder liefert unbefriedigende Ergebnisse. In den letzten Jahren erlangte der MitraClip einen gewissen Stellenwert in der Behandlung der FMR.

Als neues Verfahren steht nun die kathetergestützte direkte Mitralklappenanuloplastie mittels CardioBand-Implantation zur Verfügung, die möglicherweise reif für eine routinemäßige Anwendung ist, wie eine aktuelle multizentrische Studie unter Beteiligung deutscher Kardiologen berichtet.

Bei 31 Patienten getestet 

Bei dem CardioBand-Verfahren wird, ähnlich wie beim Mitraclip, ein steuerbarer Katheter venös-transseptal in den linken Vorhof eingebracht. Anschließend wird ein Polyesterband mit Metalankern im muskulären Mitralklappenanulus befestigt. Das Band lässt sich durch ein integriertes Drahtsystem raffen, wodurch der Mitralklappenanulus verkleinert und die Koaptation der Segel verbessert wird, wie Prof. Volker Rudolph von der Uniklinik Köln erklärt. 

Bei 31 Patienten mit symptomatischer FMR und hohem perioperativen Risiko wurde das Verfahren getestet. Schwerwiegende Komplikationen wurden nicht beobachtet. Eine erfolgreiche Implantation gelang bei 94 % der Patienten. Nach sechs Monaten wiesen 86% der Patienten eine lediglich leichte- bis maximal mittelgradige (≤2°) Mitralinsuffizienz aus. Es verstarben 3 der 31 Patienten, wobei die Todesfälle nicht in Zusammenhang mit dem Device standen. Die NYHA-Klasse, Sechs-Minuten-Gehstrecke und Lebensqualität verbesserten sich signifikant.

Vorteile des Cardioband

Die nun publizierten Daten zum Cardioband zeigen, dass das Verfahren sicher und technisch erfolgreich durchführbar ist. Die Mitralklappeninsuffizienz kann anhaltend mit gutem Erfolg reduziert werden. Der Patient profitiert hinsichtlich seiner Symptomatik wie auch der Belastbarkeit (Zunahme der Gehstrecke). Rudolph sieht das CardioBand daher als vielversprechende Therapieoption der FMR an. Wichtiger Vorteil aus seiner Sicht: Die Integrität der Klappensegel wird nicht beeinträchtigt, sodass die Option zur Kombination mit anderen Verfahren bestehen bleibt. Dennoch: Langzeitdaten fehlen bislang. Das Verfahren ist von einer routinemäßigen klinischen Anwendung noch entfernt. „Die positiven Ergebnisse der vorliegenden Studie sollten jedoch Motivation sein, diese Bemühungen weiter voranzutreiben“, führt Rudolph aus.  

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Webinar Prof. Christian Meyer/© Springer Medizin Verlag GmbH
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen