Nachrichten 21.05.2021

TAVI bei niedrigem Risiko auch nach zwei Jahren mit Vorteilen

Bei der virtuellen EuroPCR Tagung wurden die 2-Jahres-Daten der EVOLUT-Studie vorgestellt. Sie zeigen, dass der frühe Vorteil der Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) bei „Low-Risk“-Patienten im zweiten Jahr nach Implantation erhalten bleibt.

Für die EVOLUT-Studie wurden insgesamt 1.414 Patienten mit schwerer Aortenstenose rekrutiert, bei denen das 30-Tage-Mortalitätsrisiko mit unter 3% als niedrig eingeschätzt wurde. Zum Einsatz kam die gleichnamige TAVI-Klappenprothese von Medtronic.

Primärer Endpunkt waren Tod oder Schlaganfall mit anhaltender Behinderung. Die 1-Jahres-Daten der EVOLUT-Studie waren bereits 2019 im "New England Journal of Medicine" publiziert worden. Prof. John Forrest von der Yale School of Medicine in New Haven, USA, präsentierte bei der EuroPCR-Tagung jetzt die vollständigen 2-Jahres-Daten.

Vorteil hat sich im zweiten Jahr nicht verringert

Was den primären Endpunkt angeht, zeigte sich vor allem, dass der unmittelbar nach Intervention beobachtete Vorteil gegenüber dem operativen Aortenklappenersatz (AKE) im zweiten Jahr nicht kleiner wurde, so Forrest. Hatten nach einem Jahr 2,5% der Patienten in der TAVI-Gruppe und 4,3% der Patienten in der AKE-Gruppe ein Ereignis gemäß primärem Endpunkt, waren es nach zwei Jahren 4,3% bzw. 6,3%. Der Abstand hielt auch, wenn die Endpunktkomponenten getrennt analysiert wurden.

Die Sterblichkeit im TAVI-Arm stieg vom 1-Jahres- zum 2-Jahres-Follow-up von 2,1% auf 3,5%, im AKE-Arm von 2,7% auf 4,4%. Und bei den Schlaganfällen betrugen die entsprechenden Quoten für die TAVI 0,8% und 1,5%, für den AKE 2,2% und 2,7%. Keiner der Unterschiede nach 24 Monaten war statistisch signifikant.

Auch hämodynamisch tat sich im zweiten Jahr der EVOLUT-Studie wenig. Die hämodynamischen Vorteile der TAVI gegenüber dem AKE blieben erhalten. Der Druckgradient bei den TAVI-Patienten blieb einstellig, er nahm im Mittel von 8,7 mmHg nach einem Jahr auf 9 mmHg nach zwei Jahren zu, Auch beim AKE ging es kaum in die Höhe, von 11,3 mmHg auf 11,7 mmHg. Bei den Klappenöffnungsflächen änderte sich in beiden Gruppen im zweiten Jahr gar nichts, sie blieben stabil bei 2,2 cm² (TAVI) bzw. 2,0 cm² (AKE).

Weniger Schrittmacher-Implantationen nach operativem Aortenklappenersatz

Vorteile hatte der AKE erwartungsgemäß bei der Komplikation „permanenter Schrittmacher“. Ein solcher war nach 24 Monaten bei 21,7% der TAVI-Patienten, aber nur bei 7,9% der AKE-Patienten nötig. Es sei aber ein Lerneffekt zu verzeichnen gewesen, betonte Forrest. Die Rate an Patienten, die schrittmacherpflichtig wurden, sei im Laufe der Studie gesunken.

Die erwarteten Vorteile für den AKE gab es außerdem bei den paravalvulären Leaks (PVL). Milde bzw. moderate PVL waren im TAVI-Arm nach zwei Jahren bei 26,6% bzw. 1,7% der Patienten aufgetreten, gegenüber 2,6% und 0,4% im AKE-Arm.


Literatur

Forrest J. Complete 2-year Follow-up from the EVOLUT low risk trial; EuroPCR 2021; Late-Breaking Clinical Trials; 18. Mai 2021

Highlights

Neuer Podcast: Plötzlicher Herztod im Sport

Auf Kardiologie.org gibt's jetzt auch Podcasts! In der dritten Ausgabe mit Prof. Martin Halle geht es um den Plötzlichen Herztod im Sport. Warum trifft es ausgerechnet Leistungssportler, warum überwiegend Männer? Und gibt es einen Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen?

Herzkongress mit wöchentlichen Vorträgen

Der DGK.Online-Kongress 2022 geht weiter: Jede Woche erwarten Sie wieder spannende Live-Vorträge aus der Herz-Kreislauf-Medizin, viele davon CME-zertifiziert. Nehmen Sie teil und sammeln Sie live CME-Punkte!

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

PCI nach Herzstillstand: Schnellere Plättchenhemmung durch Cangrelor?

Überlebende eines Herzstillstandes sind nach einer PCI einem erhöhten Risiko für Stentthrombosen ausgesetzt. In einer kleinen randomisierten Studie wurde nun ein Plättchenhemmer getestet, der eine schnelle und starke Thrombozytenaggregationshemmung verspricht.

Vorhofflimmern: Verbessert Katheterablation den Blutfluss im Hirn?

Einer kleinen Studie zufolge scheint eine Katheterablation bei Patienten mit Vorhofflimmern die zerebrale Durchblutung verbessern zu können. Ist das gut, um möglichen Verschlechterungen der kognitiven Funktion vorzubeugen?

Gibt’s bald eine alternative Thromboseprophylaxe für Kinder?

Zur Thromboseprophylaxe werden bei herzkranken Kindern traditionell niedermolekulare Heparine oder Vitamin-K-Antagonisten eingesetzt. Durch eine randomisierte Studie tut sich jetzt eine Alternative auf, die einfacher zu handhaben ist.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Computertomographie einer Patientin mit kongenitalem Herzfehler.
Was ist zu sehen?

Influenzaimpfung in der kardiologischen Praxis: Tipps zur Umsetzung und Abrechnung

Auch in der kardiologischen Praxis können Patienten/Patientinnen gegen Influenza geimpft werden. Prof. Jörg Schelling erläutert, was Sie bei der Umsetzung beachten sollten und gibt Tipps zur Abrechnung.

Update Amyloidose: Red Flags, Diagnose und Therapie

Die Dunkelziffer bei der ATTR-Amyloidose ist groß. Umso wichtiger ist es, dass Kardiologen/Kardiologinnen die typischen Beschwerden kennen und erkennen. Prof. Wilhelm Haverkamp gibt Tipps zur Diagnosestellung und Behandlung und klärt wichtige Fragen zur Erstattung.

Neueste Kongressmeldungen

Welche Antikoagulation bei Dialyse-Patienten mit Vorhofflimmern?

Apixaban scheint in der Antikoagulation bei Patienten mit dialysepflichtigem Nierenversagen und Vorhofflimmern ebenso wirksam und sicher zu sein wie ein Vitamin-K-Antagonist. Das legen Ergebnisse der deutschen AXADIA-AFNET-8-Studie nahe.

Schwere PAVK: Ist Bypass-OP hier vorteilhafter als endovaskuläre Therapie?

Ohne Revaskularisation droht PAVK-Patienten mit kritischer Extremitätenischämie die Amputation. Welches Verfahren – chirurgischer Bypass oder endovaskuläre Therapie – ist dann die beste Wahl? Die randomisierte BEST-CLI-Studie liefert dazu jetzt evidenzbasierte Entscheidungshilfe.

Was nützt spezielles Fischöl ergänzend zur Statintherapie?

Neue Daten zur Wirksamkeit eines speziellen Fischöls (Icosapent-Ethyl) heizen die Debatte um diese Therapieoption erneut an. In der RESPECT-EPA-Studie deutet sich ein prognostischer Nutzen an, das Ergebnis dürfte in Deutschland aber erstmal keine bedeutsame Rolle für die Praxis spielen.

Neueste Kongresse

DGK.Herztage 2022

Vom 29.9.-1.10.2022 finden die DGK.Herztage in Bonn statt.

TCT-Kongress 2022

Hier finden Sie die Highlights der Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference 2022, der weltweit größten Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie. 

DGK-Jahrestagung 2022

„Neue Räume für kardiovaskuläre Gesundheit“ – so lautet das diesjährige Motto der 88. Jahrestagung. Alle Infos und Berichte im Kongressdossier.

Podcast-Logo
DGK.Online 2022/© DGK
Kardio-Quiz Dezember 2022/© Stephan Achenbach, Medizinische Klinik 2, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org
DGK.Herztage 2022/© DGK
TCT-Kongress 2022/© mandritoiu / stock.adobe.com
DGK Jahrestagung 2022/© m:con/Ben van Skyhawk