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21.02.2018 | Herzschrittmachertherapie | Nachrichten

Cyberkriminalität

Hacker-Angriffe auf Herzschrittmacher: Wie groß ist Gefahr wirklich?

Autor:
Veronika Schlimpert

Können Hacker die Kontrolle über Herzschrittmacher gewinnen und damit Patienten Schaden zufügen? – theoretisch wären solche Verbrechen möglich. Experten haben nun die reale Bedrohung eingeschätzt.       

Der ehemalige US-Vizepräsident Dick Cheney hatte aus Angst vor möglichen Hacker-Angriffen die Fernsteuerungsfunktion seines Herzschrittmachers vorsorglich abschalten lassen. Mord durch Deaktivierung eines Schrittmachers oder Schock-Auslösens eines implantierbaren Defibrillators (ICDs), sind das berechtigte Sorgen oder nur Angstmacherei?

Ein von der „American College of Cardiology“ (ACC) einberufener Expertenrat stuft die reale Bedrohung für Patienten aktuell als ziemlich gering ein. Es sei unwahrscheinlich, dass eine einzelne Person sich erfolgreich in ein solches Gerät einhackt und dem Patienten damit Schaden zufügt, stellen die Autoren um Adrian Baranchuk in einem Report klar. „Bis jetzt hat es noch keinen Fallbericht eines böswilligen oder versehentlichen Hacker- oder Malware-Angriffs auf ein implantierbares elektronisches kardiales Devices gegeben.“  

Medien-Berichte über potenzielle Sicherheitslücken

Im August 2016 sorgte ein Bericht über bestehende Sicherheitslücken in einem von St. Jude Medical (mittlerweile Abbott) vertriebenen Schrittmacher-System für Aufregung. Die Investmentfirma Muddy Waters Research und die Sicherheitsfirma MedSec warfen dem Pharmaunternehmen vor, dass ihr Remote-Monitoring-System Merlin@home ein hohes Risiko für Hacker-Angriffe darstelle. Durch Zugriffe von außen ließe sich beispielsweise die Schrittmacherfrequenz manipulieren oder ein rapides Entladen der Batterie herbeiführen, hieß es in dem Bericht. 

Eine davon ausgehende gesundheitliche Gefährdung konnten Wissenschaftler um Benjamin Randsford allerdings in einer eignes durchgeführten Untersuchung nicht nachweisen. Darüber hinaus wurden Berichte laut, dass Muddy Waters diese Warnungen nur deshalb verbreitet hat, um einen Kursverfall der Herstelleraktie zu provozieren und daraus Profit zu schlagen. St. Jude hatte daraufhin Klage eingereicht.

Theoretisch möglich…

Rein theoretisch besteht nach Ansicht von Baranchuk und Kollegen aber bei allen mit dem Internet verbundenen Medizingeräten die Gefahr eines unerlaubten Zugriffs von außen. Über die Wireless-Verbindungen von Schrittmachern und ICDs könnten Hacker auf die Systeme zugreifen und dadurch etwa ein Oversensing provozieren, das adäquate oder gar lebensbedrohlichen Schocks zur Folge haben kann. Wenn eine Reprogrammierung vorgenommen werde, könne es sein, dass ein Gerät auf lebensbedrohliche ventrikuläre Tachykardien nicht mehr reagiere. Hacker-Angriffe auf Insulinpumpen hat es beispielsweise schon gegeben.

…aber unwahrscheinlich

Das Expertengremium hält es daher für angebracht, im Zuge einer Marktüberwachung intensiv nach potenziellen Sicherheitsschwachstellen von Medizingeräten zu fahnden. Sind theoretische oder evidente Sicherheitslücken bekannt, könne es sinnvoll sein, ein Firmware-Update vorzunehmen. Mit der Bereitstellung eines solchen Updates hatte auch die Firma St. Jude auf die auftauchenden Sicherheitsbedenken bzgl. ihres Merlin-Systems reagiert.

Ärzten sollten über die potenzielle Bedrohung der Cyberkriminalität informiert sein, wenn sie Patienten mit Devices, die über eine Fernsteuerung verfügen, betreuen. Den Patienten von der Nutzung solcher Funktionen abzuraten, sehen die Experten aber kritisch, da die Fernüberwachung für Patienten eindeutige Vorteile brächte. Sie sehen momentan auch keine Veranlassung, entsprechende Geräte auszutauschen oder verstärkt zu überwachen.

Literatur

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