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29.06.2016 | Nachrichten

Wieder eine Enttäuschung

Herzstillstand: EPO nach Reanimation ohne neuroprotektive Wirkung

Autor:
Peter Overbeck

Bei komatösen Patienten, die nach Herzstillstand reanimiert wurden, ist eine hochdosierte Erythropoetin-Behandlung anscheinend ohne klinischen Nutzen: Weder neurologische Folgeschäden noch die Mortalität konnten damit in einer Studie verringert werden.

An Versuchen, die Behandlung mit Erythropoetin (EPO) auch bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen als wirksame Therapieoption zu etablieren, hat es nicht gemangelt. Nennenswerte Erfolge sind dabei nicht herausgekommen: In großen randomisierten Studien konnten weder bei Patienten mit Herzinsuffizienz (RED-HF-Studie) noch bei Patienten mit akutem Herzinfarkt (REVEAL-Studie) oder Schlaganfall (EPO-Stroke-Studie) günstige Effekte auf die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse nachgewiesen werden. Auch konnte bei Diabetikern mit renaler Anämie in der TREAT-Studie mit einem EPO-Analogon die Inzidenz von kardiovaskulären oder renalen Ereignissen nicht reduziert werden.

Hoffen auf pleiotrope Effekte

Diese Kette aus Enttäuschungen hat eine französische Forschergruppe um Dr. Alain Cariou aus Paris nicht von einem neuerlichen Versuch abgehalten. In ihrer randomisierten Studie (Epo-ACR-02) ging es um die Frage, ob sich bei komatösen Patienten, die nach kardial bedingtem Herzstillstand reanimiert wurden, durch hochdosierte Behandlung mit dem EPO-Analogon Epoetin alfa eine auch nach Wiederherstellung der Herz-Kreislauf-Funktion weiter voranschreitende Schädigung von Herz und Hirn minimieren lässt.

In dieser Akutsituation setzten die Forscher ihre Hoffnung natürlich nicht in die mit Verzögerung einsetzenden Effekte von EPO auf die Erythropoese. Vielmehr hofften sie darauf, dass mögliche pleiotrope Effekte unabhängig von einer Stimulation der Erythropoese zum Tragen kommen könnten. Nach experimentellen Befunden sind nämlich via EPO-Rezeptoren auch zell- und gewebeprotektive Wirkungen zu erzielen.

Konzept ging erneut nicht auf

Doch auch diesmal ging das Konzept nicht auf: Am Ende war der Anteil der Patienten, die 60 Tage nach überlebtem Herzstillstand keine oder nur geringe neurologische Folgeschäden davongetragen hatten (primärer Endpunkt), in der EPO- und Kontrollgruppe praktisch gleich (32,4% vs. 32,1%). Auch bei der Mortalität als sekundärem Endpunkt gab es zu keinem Zeitpunkt nennenswerte Unterschiede.

Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden in der EPO-Gruppe signifikant häufiger beobachtet als in der Kontrollgruppe (22,6% vs. 14,9%), bedingt vor allem durch eine signifikante Zunahme von thrombotischen Komplikationen (12,4% vs. 5,8%).

In die Studie waren 476 komatöse Patienten aufgenommen worden, bei denen die kardiopulmonale Reanimation nach einem außerhalb eines Krankenhauses erlittenen Herzstillstand erfolgreich war. Nach randomisierter Zuteilung zu zwei Gruppen erhielten sie entweder eine hochdosierte Behandlung mit Epoetin alfa (fünf intravenöse Injektionen innerhalb der ersten 48 Stunden) oder nur die übliche Standardtherapie.

Literatur