Online-Artikel 09.10.2014

Hohes Versorgungsniveau bei Herzkatheter-Untersuchungen

Herzkatheter-Interventionen werden in deutschen Kliniken auf hohem Qualitätsniveau mit sehr niedriger Infarktmortalität durchgeführt. Dies zeigen aktuelle Daten des AQUA-Instituts, die auf der DGK-Herbsttagung in Düsseldorf präsentiert wurden.

Im internationalen Vergleich werden in Deutschland besonders viele Herzkatheter-Untersuchungen durchgeführt. Dies hat den Vorteil, dass der Bevölkerung flächendeckend eine sehr schnelle und wohnortnahe Akutversorgung des Herzinfarktes angeboten wird, so DGK-Präsident Professor Christian Hamm, Gießen und Bad Nauheim.

Ist viel wirklich zu viel?

Allerdings wird auch der Vorwurf der Überversorgung geäußert. Vor allem die Kostenträger beobachten die hohen Untersuchungszahlen kritisch. Vor diesem Hintergrund sieht sich die deutsche Gesellschaft für Kardiologie in der Pflicht, verlässliche Qualitätsdaten vorzulegen.

Solche Daten lassen sich aus den Zahlen des AQUA-Institutes ableiten, an welches die Kliniken sämtliche Eingriffe nahezu vollständig berichten. Die verpflichtende Qualitätsmeldung umfasst in einem Dokumentationsbogen u.a. die Indikation, das Ergebnis der Untersuchungen und die Komplikationen. Niedergelassene Kardiologen und Belegärzte berichten nicht an das AQUA-Institut.

715.000 Herzkatheter in 841 Kliniken

Für das Jahr 2011 wurden die AQUA-Daten nun ausgewertet. Demnach wurden in diesem Jahr in 841 Krankenhäusern bei 715 000 Patienten 745 000 Herzkatheter-Untersuchungen durchgeführt, so Hamm. 60% der Eingriffe waren rein diagnostisch. Insgesamt wurden 34% der Herzkatheter erstmals bei Patienten mit Bluthochdruck oder Herzerkrankungen, aber ohne ACS, vorgenommen.

In 33% der Fälle handelte es sich um Folgeeingriffe bei solchen Patienten. In den übrigen 33% wurden Patienten mit ACS behandelt.

Niedrige Komplikationsrate, niedrige Krankenhausmortalität

Bei den Ergebnissen fällt auf, dass die Untersuchungen sehr sicher durchgeführt werden, berichtete Hamm. Die Rate der Komplikationen im Rahmen der Untersuchung schwankte zwischen 0,38% bei Patienten, die zum KHK-Ausschluss überwiesen wurden, und 1,57 bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom, die zum wiederholten Mal kathetert wurden. Im Schnitt lag die Komplikationsrate bei etwa 0,5%.

Die Krankenhaussterblichkeit belief sich  2011 auf 0,4% bis 0,7% bei Patienten ohne ACS sowie auf 3,7% bis 4,5% in den Patientengruppen mit ACS. Dies ist, so Hamm, im internationalen Vergleich ein exzellentes Ergebnis und Ausdruck der sehr guten Herzinfarktversorgung.

Bei den 33% der Patienten, die ohne ACS erstmals via Herzkatheter untersucht wurden, ist in 76% der Fälle eine Herzkrankheit diagnostiziert worden. Dies sei  von der Größenordnung durchaus ein akzeptabler Bereich, erläuterte Hamm.

Unterschiede zwischen Bundesländern

Der DGK-Präsident präsentierte Daten, die Unterschiede zwischen Bundesländern sowie innerhalb eines Bundeslandes zwischen den Kliniken offenbarten. So war in manchen Kliniken der Anteil der Wiederholungsuntersuchungen bei bekannter KHK mit ca. 60% auffallend hoch. Einzelne Kliniken betreiben zudem sehr viel KHK-Ausschluss-Diagnostik mit hohen Anteilen von Normalbefunden. Dies gebe jeweils Hinweise auf eine gewisse regionale Überdiagnostik bzw. eine zu niedrige Indikationsschwelle, sagte Hamm.

Er betonte in diesem Zusammenhang, dass die Meldung der Daten an das AQUA-Institut im Detail nicht kontrolliert werden. Das heißt, es kommt niemand in die Klinik und unterzieht die Indikationsstellung einer genaueren Prüfung. Ein solches Vorgehen würde eventuell dazu beitragen, die Effizienz der Herzkatheter-Untersuchung zu erhöhen.

Einen anderen Grund für die relativ hohe Zahl der Herzkatheter in Deutschland sieht Hamm in dem Umstand, dass moderne bildgebende Verfahren zum KHK-Ausschluss in Deutschland noch nicht vergütet werden. „Die Technik hat hier in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht“, so Hamm. Bei nicht wenigen Patienten könnte die Diagnostik längst weniger invasiv und kostengünstiger erfolgen. 

Literatur

Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und Jahrestagung der Arbeitsgruppe Rhythmologie vom 9.-11. Oktober in Düsseldorf