Onlineartikel 23.04.2015

Hypercholesterinämie: Je früher, desto schädlicher

Eine aktuelle Auswertung von Framingham-Daten zeigt, wie eng der Zusammenhang zwischen Dauer einer Hypercholesterinämie und Herz-Kreislauf-Risiko ist. Präventionsexperten sehen das als ein Argument für eine Ausweitung der Primärprävention.

Für die Analyse wurden 1.478 Probanden herangezogen, die bis zum 55. Lebensjahr keine kardiovaskulären Ereignisse erlitten hatten. Bis zum 70. Lebensjahr wurde jeweils nachverfolgt, bei wem eine koronare Herzerkrankung klinisch manifest wurde und bei wem nicht. Das wurde dann in Beziehung zur Dauer einer bestehenden Hypercholesterinämie gesetzt.

Hypercholesterinämie war definiert als Nicht-HDL-Cholesterin ≥ 160 mg/dl. Probanden, bei denen die Hypercholesterinämie erst im 55. Lebensjahr aufgetreten war, hatten über 15 Jahre ein KHK-Risiko von lediglich 4,4%.

Pro Dekade Cholesterinerhöhung 39 Prozent höhere Risiko

War die Hypercholesterinämie schon ein bis zehn Jahre bekannt, betrug das Risiko 8,1%. Bei 11 bis 20 Jahren waren es 16,5%. Diese statistisch signifikante Beziehung blieb auch dann erhalten, wenn für andere kardiovaskuläre Risikofaktoren einschließlich der Höhe des Nicht-HDL-Cholesterins adjustiert wurde. Pro Dekade Vorliegen einer Hypercholesterinämie errechnet sich eine Erhöhung des KHK-Risikos um 39% (95% CI 1,05–1,85).

Die Autoren vom Duke University Medical Center weisen darauf hin, dass 85% der Teilnehmer dieser Studie, die im Alter von 40 Jahren bereits eine Hypercholesterinämie aufwiesen, nach derzeitigen US-Empfehlungen nicht mit Statinen primärpräventiv behandelt worden wären. Auch als die Wissenschaftler ihre Analyse auf jene Probanden beschränkten, bei denen derzeitige US-Leitlinien keine Indikation zur Primärprävention sehen, blieb der signifikante Zusammenhang zwischen Dauer der Hypercholesterinämie und KHK-Rate bestehen.

Starkes Argument pro Check-up 35?

Auf diesen Punkt ging auch der Präsident der Deutschen Akademie für Präventivmedizin, Dr. Johannes Scholl aus Rüdesheim ein, der die Daten beim Internistenkongress in Mannheim vorstellte. Für Scholz ist die Analyse ein starkes Argument für den teilweise umstrittenen Check-up 35: „Wenn wir erst mit 65 Jahren anfangen zu behandeln, behandeln wir zu spät“, so Scholz.

Die beiden Präventivmediziner Seth Martin und Erin Michos von der Johns Hopkins University regen in einem begleitenden Editorial an, für die kardiovaskuläre Risikoabschätzung beim Cholesterin einen Kompositparameter zu bilden. Ähnlich wie der Parameter „Packungsjahre“ beim Zigarettenkonsum würde ein solcher Kompositparameter nicht nur die Höhe der aktuellen Serumkonzentrationen, sondern auch die Dauer der Hypercholesterinämie einbeziehen.

Literatur

Navar-Boggan AM et al. Hyperlipidemia in early adulthood increases long-term risk of coronary heart disease. Circulation. 2015;131(5):451-8

Martin SS et al. Mapping Hyperlipidemia in Young Adulthood to Coronary Risk. Circulation. 2015;131(5):445-7