Nachrichten 23.09.2021

Taugen Nüsse als Cholesterinsenker?

In einer randomisierten Studie ergänzen ältere Menschen zwei Jahre lang ihre Ernährung täglich um eine Portion Walnüsse. Daraufhin verbessern sich ihre Cholesterinwerte – allerdings gibt es Geschlechterunterschiede.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, täglich eine Handvoll Nüsse zu essen. Studien deuten darauf hin, dass sie unter anderem vor kardiovaskulären Erkrankungen schützen könnten. Forscher entdeckten jetzt weitere Hinweise auf einen positiven Effekt von Walnüssen: In einer randomisierten Studie schien ihr regelmäßiger Konsum den LDL-Cholesterinspiegel der Teilnehmer zu senken und die Anzahl der LDL-Partikel zu reduzieren.

Forscher um Dr. Sujatha Rajaram von der Loma Linda Universität in Kalifornien analysierten dafür Daten aus der Walnuts and Healthy Ageing Study von rund 700 Teilnehmern. Diese waren im Schnitt 69 Jahre alt und lebten in Spanien oder Kalifornien. Sie wurden in zwei Gruppen randomisiert: Eine ergänzte ihre übliche Ernährung um täglich eine halbe Tasse Walnüsse, die andere verzichtete auf Walnüsse. Nach zwei Jahren wurden der Cholesterinspiegel der Teilnehmer gemessen und die Konzentration und Größe der Lipoproteine​​ durch Kernspinresonanzspektroskopie analysiert. 

Nussverzehr zeigt Nutzen

Nach zwei Jahren waren die LDL-Cholesterinspiegel der Interventionsgruppe median um 4,3 mg/dl und die Gesamtcholesterinwerte um 8,5 mg/dl niedriger als vorher. Bei ihnen hatte sich die Anzahl aller LDL-Partikel um 4,3% und die Anzahl der kleinen LDL-Partikel um 6,1% reduziert, was mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert ist. Kleine, dichte LDL-Partikel seien in Studien häufiger mit Arteriosklerose, Plaque oder Fettablagerungen in den Gefäßen in Verbindung gebracht worden, ergänzen Rajaram und Kollegen.

Auch der IDL-Spiegel (Intermediate Density Lipoprotein) der Teilnehmer sank während der Nachbeobachtungszeit. Als Vorläufer von LDL zählt das IDL-Cholesterin ebenfalls zu den kardiovaskulären Risikofaktoren.

Die Veränderungen des LDL-Cholesterinspiegels unterschieden sich je nach Geschlecht: Bei Männern war er um 7,9%, bei Frauen nur um 2,6% gesunken. Der Studie zufolge hatte der Verzehr von Nüssen nicht zu einer Gewichtszunahme der Teilnehmer geführt.

Größerer Effekt bei hohem Cholesterin?

„Unsere Studie geht über den LDL-Cholesterinspiegel hinaus, um ein vollständiges Bild von allen Lipoproteinen zu erhalten und die Auswirkungen des täglichen Verzehrs von Walnüssen auf das kardiovaskuläre Risiko besser beurteilen zu können“, erläutern die Forscher um Rajaram. Da die Ergebnisse in zwei unterschiedlichen Populationen ähnlich ausgefallen waren, ließen sich diese auf andere Kohorten übertragen.

Als wichtig für die Interpretation der Ergebnisse empfinden die US-Wissenschaftler die Tatsache, dass die Teilnehmer zu Studienbeginn relativ gesund gewesen waren. Rund ein Drittel sei aufgrund von Bluthochdruck oder Hypercholesterinämie mit Statinen behandelt worden, berichten sie. Auch deshalb seien die durchschnittlichen Cholesterinwerte der Probanden im Normbereich gewesen. „Bei Personen mit hohen Cholesterinwerten könnte die LDL-Cholesterinsenkung nach einer mit Nüssen angereicherten Ernährung deutlich größer ausfallen“, so Rajaram und Kollegen.

Literatur

Rajaram S et al. Effects of Walnut Consumption for 2 Years on Lipoprotein Subclasses Among Healthy Elders. Circulation 2021. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.054051



Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Was die Cholesterinwerte von Schwangeren über Herzinfarkte der Nachkommen verraten

Hypercholesterinämie in der Schwangerschaft könnte die kardiovaskuläre Gesundheit der Nachkommen im Erwachsenenalter beeinträchtigen. Forscher entdeckten unter anderem signifikante Korrelationen mit dem Auftreten schwerer Herzinfarkte.

Bestimmte Antibiotika könnten Herztod-Risiko von Dialysepatienten erhöhen

Dialysepflichtige Patienten sind besonders gefährdet, an einem plötzlichen Herztod zu versterben. Eine aktuelle Analyse legt nun nahe, dass bestimmte Antibiotika das Risiko erhöhen könnten. Was heißt das nun für die Praxis?

Screening von Sportlern: Wann eine Echokardiografie Sinn macht

Von den Leitlinien wird eine Echokardiografie als Screeningmethode bei Athleten bisher nicht empfohlen. Bei den DGK-Herztagen erläuterte ein Experte, warum ein zusätzlicher Einsatz dieser Methode Sinn machen kann – und wie sie sich sinnvoll implementieren lässt.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Fehlbildung am Herzen – was sehen Sie im CT?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

Walnüsse/© Michael Schiffhorst / iStock / Thinkstock
DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg