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08.09.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

PATHWAY-3-Studie

Hypertonie: Die Formel für eine optimierte Diuretika-Therapie

Autor:
Peter Overbeck

Britische Forscher glauben, die „Win-win“-Formel für eine optimierte Diuretika-Therapie bei Hypertonie gefunden zu haben. Sie lautet: Eine Kombination von zwei niedrig dosierten Diuretika, nämlich Amilorid und HCT, verstärkt synergistisch die Blutdrucksenkung und neutralisiert zugleich ungünstige metabolische Effekte.

Thiazid-Diuretika wie Hydrochlorothiazid (HCT) werden zur Blutdrucksenkung vor allem in der antihypertensiven Kombinationstherapie nach wie vor häufig genutzt. Allerdings genießen sie nicht den allerbesten Ruf, was vor allem ihrer ungünstigen Wirkung auf den Glukosemetabolismus geschuldet ist. Studien haben gezeigt, dass Thiazide das Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus erhöhen.

Als Lösung des Problems schien sich die Reduktion der Thiazid-Dosis anzubieten: Auf diese Weise lasse sich, so die Vorstellung, die prodiabetische Wirkung vermeiden, ohne wesentliche Abstriche am maximalen blutdrucksenkenden Effekt in Kauf nehmen zu müssen.

Vorteile des kaliumsparenden Diuretikums?

Eine Gruppe britischer Hypertonie-Experten um Prof. Morris J. Brown aus Cambridge bezweifelt allerdings, dass diese Rechnung aufgeht: Nach ihrer Einschätzung kann von maximaler Blutdrucksenkung bei niedriger Thiazid-Dosierung nicht die Rede sein.

Die Überlegungen von Brown und seinen Forscherkollegen gehen deshalb in eine andere Richtung. Nach ihrer Ansicht spricht vieles dafür, dass die ungünstige Wirkung auf den Blutzucker eine Folge der durch Thiazid-Diuretika induzierten Kalium-Depletion ist.

Ihre Hypothese: Kaliumsparende Diuretika wie Amilorid haben im Vergleich zu Thiaziden einen günstigen Effekt auf Kaliumhaushalt und Glukosetoleranz. Eine Kombination von Kaliumsparer und Thiazid in jeweils halber Dosis könnte zum einen aufgrund der multiplen Nephron-Blockade den Blutdruck mindestens ebenso gut senken wie eine hoch dosierte Diuretika-Monotherapie. Zum anderen könnten sich beide Diuretika in ihrer Wirkung auf den Glukosemetabolismus neutralisieren.

oGTT-Veränderungen als primärer Endpunkt

Überprüft haben die britischen Hypertonologen ihre Hypothese in der randomisierten PATHWAY-3-Studie. Sie ist eine von drei Studien des von der British Heart Foundation unterstützten PATHWAY-Projekts, das Wege zur Verbesserung der antihypertensiven Therapie aufzeigen soll.

In der Studie sind 441 Patienten mit erhöhtem systolischem Blutdruck randomisiert drei Gruppen zugeteilt worden. In zwei Gruppen erfolgte die diuretische Behandlung entweder mit dem Kaliumsparer Amilorid (10–20 mg/Tag) oder dem Thiazid HCT (25–50 mg/Tag). Patienten der dritten Gruppe erhielten eine Kombination aus beiden Diuretika in niedriger Dosierung (Amilorid 5–10 mg/Tag; HCT 12,5–25 mg/Tag). Primärer Endpunkt war die Veränderung der Blutglukosekonzentration beim oralen Glukosetoleranz-Test (oGTT) nach drei und sechs Monaten in Relation zum Ausgangswert.

Neutralisierung durch die Kombination

Während die oGTT-Messwerte unter HCT-Behandlung erwartungsgemäß eine Verschlechterung der Glukosetoleranz anzeigten, war in der Amilorid-Gruppe eine Verbesserung zu verzeichnen, berichtete Brown beim ESC-Kongress in London. Nach sechs Monaten betrug die Differenz zwischen hoch dosierter HCT- und Amilorid-Monotherapie im Schnitt 0,71 mmol/l – ein signifikanter Unterschied (p=0,005).

Für die Amilorid/HCT-Kombination ergab die oGTT-Analyse weder eine Verschlechterung noch eine Verbesserung der Glukosetoleranz. Die Differenz der oGTT-Glukosewerte zwischen dieser Gruppe und der HCT-Gruppe betrug 0,58 mmol/l und war ebenfalls signifikant (p=0,024).

Die Veränderungen der oGGT-Glukosespiegel korrelieren invers mit Veränderungen der Serumkalium-Spiegel, die unter Amilorid anstiegen, unter HCT abfielen und sich unter Amilorid/HCT kaum veränderten.

Therapeutischer „Win-win“

Sowohl Amilorid als auch HCT senkten in der hoch dosierten Diuretika-Monotherapie den systolischen Blutdruck im Schnitt um rund 14 mmHg. Die niedrig dosierte Diuretika-Kombination erwies sich jedoch als signifikant stärker wirksam: Im Vergleich zur HCT-Therapie konnte damit der systolische Blutdruck um weitere 3,4 mmHg gesenkt werden (p=0,007).

Für Studienleiter Brown ist die Kombination aus Amilorid und HCT nach diesen Ergebnissen ein therapeutischer „Win-win“, bei dem die erwünschten Effekte auf den Blutdruck verstärkt und die unerwünschten Effekte auf Blutglukose und Serumkalium neutralisiert werden.

Literatur

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