Nachrichten 01.10.2019

Erhöhen Zahnfleischerkrankungen das Risiko für Bluthochdruck?

Eine große Metaanalyse deutet auf einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Hypertonie hin. Was genau dahinter steckt, konnte jedoch noch nicht abschließend geklärt werden.

Weltweit haben 30 bis 45% aller Erwachsenen Bluthochdruck, während 50% von Parodontitis betroffen sind. Jetzt entdeckten Forscher, dass die Zahnfleischerkrankung mit einem erhöhten Risiko für Hypertonie assoziiert ist und dadurch mit einem gesteigerten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einherzugehen scheint. Auch frühere Untersuchungen hatten bereits auf diesen Zusammenhang hingewiesen.

„Wir beobachteten eine lineare Assoziation: Je schwerer die Parodontitis, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Hypertonie. Die Ergebnisse legen nahe, dass Patienten mit Zahnfleischerkrankungen über ihr Risiko informiert und zu Lebensstiländerungen beraten werden sollten, um Bluthochdruck durch körperliche Aktivität und gesunde Ernährung zu verhindern“,  so Studienautor Prof. Francesco D'Aiuto vom UCL Eastman Dental Institute in Großbritannien in einer Pressemeldung der ESC (European Society of Cardiology).

Hypertonierisiko bei schwerer Parodontitis um 49% erhöht

Die Arbeitsgruppe um D’Aiuto berücksichtigte in ihrer Metaanalyse 81 Studien aus 26 Ländern. Ihr Ergebnis: Eine mittelschwere bis schwere Parodontitis war mit einem um 22% erhöhten Risiko für Bluthochdruck assoziiert und eine schwere Parodontitis mit einem um 49% erhöhten Hypertonierisiko. Im Vergleich zu Patienten ohne Zahnfleischerkrankung war der durchschnittliche systolische Blutdruck von Personen mit Parodontitis 4,5 mmHg höher und  der diastolische Blutdruck 2 mmHg höher.

Die Studienautoren halten diese Unterschiede für gravierend, da ein durchschnittlicher Blutdruckanstieg von 5 mmHg mit einem um 25% erhöhten Sterberisiko durch Herzinfarkt oder Schlaganfall assoziiert sei. Jedoch senkte eine Zahnfleischbehandlung nicht immer den Blutdruck, dieser Effekt zeigte sich nur in fünf von zwölf interventionellen Studien, die Teil der Metaanalyse waren.

Entzündungsprozesse im Körper als mögliche Ursache

Als mögliche Ursache für die Assoziation zwischen Parodontitis und Hypertonie vermuten die Forscher, dass die Zahnfleischerkrankung und die entsprechenden Bakterien zu Entzündungsprozessen im Körper führen, was die Funktion der Blutgefäße beeinträchtigen kann. Eine gemeinsame genetische Veranlagung könnte auch eine Rolle spielen, genauso wie gemeinsame Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht.

„In vielen Ländern wird die Mundgesundheit nicht regelmäßig überprüft und Zahnfleischerkrankungen bleiben viele Jahre unbehandelt. Die Hypothese ist, dass diese Situation der oralen und systemischen Entzündung gemeinsam mit den vorhandenen Risikofaktoren zu Bluthochdruck führt“, erläuterte D’Aiuto. Noch seien er und sein Team nicht ganz sicher, ob Zahnfleischerkrankungen wirklich ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen sind, oder ob möglicherweise Patienten mit hohem Blutdruck ein erhöhtes Risiko für Zahnfleischerkrankungen haben. Weitere Studien seien notwendig, um das zu klären.