Nachrichten 25.10.2021

Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Frauen auch nach der Geburt gefährdet

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen begünstigen die Entwicklung eines chronischen Bluthochdrucks beträchtlich, wie sich in einer großen Kohortenstudie bestätigt hat. Das Risiko steigt schon relativ bald nach der Geburt – und für manche Frauen besonders stark.

Wenn Frauen während der Schwangerschaft eine sog. hypertensive Schwangerschaftserkrankung entwickeln, sollten sie auch nach der Geburt angemessen betreut werden – auch dann, wenn sich ihr Blutdruck wieder normalisiert hat. Denn bereits die kommenden Jahre nach der Geburt haben solche Patientinnen ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Bluthochdruck entwickeln, wie sich in der großen französischen Kohortenstudie CONCEPTION bestätigt hat.

Risiko steigt schon relativ bald

Zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen werden ein bereits bestehender chronischer Hypertonus, eine Gestationshypertonie und eine Präeklampsie/Eklampsie gezählt. Dass solche Komplikationen ein erhöhtes Langzeitrisiko für die Entwicklung einer Hypertonie sowie kardiovaskulärer wie renaler Ereignisse mit sich bringen, ist bereits seit Längerem bekannt. Ziel der CONCEPTION-Studie war es nun, das Risiko innerhalb der ersten Jahre genauer zu erfassen und Unterschiede innerhalb der jeweiligen Krankheitsentitäten auszumachen.

Wissenschaftler um Dr. Pauline Boucheron analysierten hierfür Follow-up-Daten von 2.663.573 Frauen, die zwischen 2010 und 2018 in Frankreich ihr erstes Kind geboren haben. 180.063 von ihnen, also 6,73%, hatten während der Schwangerschaft eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung entwickelt. Die entsprechenden Informationen entnahmen Boucheron und Kollegen aus der nationalen französischen Gesundheitsdatenbank SNDS.

Besonders gefährdete Frauen

Das Risiko, in den kommenden Jahren nach der Geburt einen chronischen Blutdruck zu entwickeln, war für Frauen mit einer hypertensiven Schwangerschaftserkrankung um ein vielfaches höher als für andere Frauen ohne eine solche Komplikation. Besonders hoch war das Risiko für Frauen, die im Anschluss an eine Gestationshypertonie eine Präeklampsie entwickelt hatten (adjustierte Hazard Ratio, HR: 13,17), für Patientinnen mit einer frühen Präeklampsie sowie solche mit einer schwer verlaufenden Präeklampsie (HR: 12,95 bzw. 9,90). Aber auch Frauen mit jeglichen Präeklampsie-Formen und jene mit einer Gestationshypertonie waren stark gefährdet, während des durchschnittlich dreijährigen Follow-up einen Bluthochdruck zu entwickeln (HR: 8,10 bzw. 6,03).

Boucheron und Kollegen fanden zudem einen Zusammenhang zwischen zeitlicher Exposition und dem Ausmaß des Risikos: Bedeutet, je länger der Zustand einer Präeklampsie andauerte, desto höher war das Risiko für die Frauen, in den kommenden Jahren an einer Hypertonie zu erkranken.

Nachsorge ist das A und O

Die Autoren der Studie leiten aus ihren Resultaten eine klare Botschaft ab: „Für Frauen mit hypertensive Schwangerschaftserkrankungen sollte ein aktives Screening implementiert werden, speziell für jene mit einer frühen oder schweren Präeklampsie oder einer Präeklampsie, die als Folge eines Gestationshypertonus aufgetreten ist“, fordern sie. Von den Leitlinien wird das bereits so empfohlen. Die European Society of Cardiology und European Society of Hypertension etwa raten zu jährlichen Blutdruckchecks und Kontrollen von Stoffwechselparametern. Wie Boucheron und Kollegen berichten, hatten in ihrer Untersuchung Frauen, die eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung entwickelt hatten, zwar häufigere und frühere Kontakte zu Gesundheitseinrichtungen. Trotz allem sei das Management nicht optimal gewesen, bemängeln sie.

Literatur

Boucheron P et al. Hypertensive disorders of pregnancy and onset of chronic hypertension in France: the nationwide CONCEPTION study. Eur Heart J 2021; doi:10.1093/eurheartj/ehab686 

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