Nachrichten 11.05.2018

Medikations-App bei Hypertonie: Adhärenz wird (vielleicht) besser, Blutdruckkontrolle nicht

Eine App für das Medikationsmanagement scheint bei Hypertonie-Patienten dazu zu führen, dass Tabletten konsequenter eingenommen werden. Die randomisierte Studie konnte aber keinen Effekt auf den Blutdruck nachweisen.

Mangelnde Einnahmetreue gilt als wichtiger Grund dafür, dass bei der medikamentösen Versorgung chronisch kranker Menschen oft keine optimalen Ergebnisse erreicht werden. Gerade bei der arteriellen Hypertonie ist das ein wichtiges Thema, denn die Patienten spüren in der Regel keinen unmittelbaren Effekt der Tabletteneinnahme. Internisten vom Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School in Boston haben jetzt in einer randomisierten Studie mit 411 Hypertoniepatienten untersucht, ob eine Medikations-App Therapietreue und Blutdruckeinstellung verbessern kann.

App-Nutzung in Eigenregie

An Apps, die die Medikationseinnahme bei chronisch kranken Patienten unterstützen, herrscht im App Store kein Mangel. Für die aktuelle US-Studie kam die auch in deutschen App-Stores zu findende App MediSafe zum Einsatz. Diese App wurde im Interventionsarm der Studie als so genannte Stand-alone-App genutzt: Die Patienten luden sie sich herunter und arbeiteten mit ihr in Eigenregie, ohne dass die App zum Beispiel zur Kommunikation mit dem behandelnden Arzt genutzt wurde oder telemedizinischen Kontakt zu Ärzten vermittelte.

Die App generierte vielmehr Erinnerungen gemäß dem individuellen Medikationsplan, fasste die Therapietreue in Adhärenz-Berichten zusammen und bot optional die Möglichkeit, mit anderen Patienten oder Angehörigen in Kontakt zu treten. Das hatte nur teilweise Erfolg.

Einer der beiden primären Endpunkte war die mittels Morisky-Skala abgeschätzte Adhärenz. Die Morisky-Skala ist eine indirekte Adhärenz-Messung. Sie besteht aus acht Fragen, die die Patienten selbst beantworten und deren Summen-Score mit der objektiv ermittelten – also gemessenen – Therapietreue korreliert.

Nur Teilerfolg

Zwölf Wochen nach Studienbeginn hatte sich der Morisky-Score – eine Skala von null bis acht – in der Interventionsgruppe um im Mittel 0,4 Punkte verbessert. Das war signifikant mehr als in der Kontrollgruppe, wo sich praktisch nichts tat. Allerdings gibt es dabei natürlich einen gewissen Bias. Denn die Patienten wissen ja, in welcher Gruppe sie sich befinden, und sie wissen durch die Art der Fragen, was von ihnen „erwartet“ wird.

Die Autoren der US-Studie betrachten deswegen den zweiten primären Endpunkt als relevanter, nämlich die Veränderung beim systolischen Blutdruck. Hier gab es erwartungsgemäß eine Verbesserung, allerdings unterschied sich das nicht zwischen den Gruppen. Der Blutdruck fiel von 151,4 auf 140,8 mmHg in der Interventionsgruppe und von 151,3 auf 141,2 mmHg in der Kontrollgruppe.

Als Argumentationsgrundlage, um Hypertoniepatienten auf breiter Front den Download von Medikations-Apps zu empfehlen, taugt diese Studie demnach nicht. Adhärenz-Experten dürften sich tendenziell bestätigt sehen, vertreten sie doch seit Langem die Auffassung, dass sich Adhärenz nicht durch technische Einzelmaßnahmen, sondern nur durch ein umfassendes Krankheitsmanagement verbessern lässt, das einen intensiven Arzt-Patienten-Kontakt einschließt.

Literatur

Morawski K et al. Association of a Smartphone Application With Medication Adherence and Blood Pressure Control – The MediSAFE-BP Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2018; https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2018.0447

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Bereits moderater Alkoholkonsum könnte Bluthochdruck begünstigen

Wie viel Alkohol pro Woche ist noch okay? Eine Frage, die für Ärzte aufgrund widersprüchlicher Ergebnisse schwierig zu beantworten ist. Was das Risiko für Bluthochdruck betrifft, scheint schon ein moderates Trinkverhalten problematisch zu sein.

TAVI: Zerebrale Thromboembolien nur direkt danach nachweisbar

Ischämische Schlaganfälle sind gefürchtete Komplikationen nach einer TAVI. Doch wann besteht ein erhöhtes Risiko? In MRT-Untersuchungen aus Deutschland ließen sich zerebale Thromboembolien nur in einer bestimmten Phase nachweisen.

Taugen Nüsse als Cholesterinsenker?

In einer randomisierten Studie ergänzen ältere Menschen zwei Jahre lang ihre Ernährung täglich um eine Portion Walnüsse. Daraufhin verbessern sich ihre Cholesterinwerte – allerdings gibt es Geschlechterunterschiede.

Aus der Kardiothek

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Fehlbildung am Herzen – was sehen Sie im CT?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

Patientin mit einem thorakalen Schmerzereignis – wie lautet Ihre Diagnose?

Lävokardiografie (RAO 30°-Projektion) einer 54-jährigen Patientin nach einem thorakalen Schmerzereignis. Was ist zu sehen?

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg