Onlineartikel 09.04.2015

ICD-Schocks führen zu vermehrten Klinikaufenthalten

Jegliche Art von ICD-Therapie steigert die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthalts. Dies ist unabhängig davon, ob es sich um adäquate oder inadäquate Therapieabgaben handelt.

In der Studie ADVANCE III konnte gezeigt werden, dass eine neue Strategie der verlängerten Detektion von tachykarden Rhythmusstörungen in Kombination mit antitachykarder Stimulation (ATP) zu einer signifikanten Reduktion der gesamten Therapieabgaben des implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) und der inadäquaten ICD-Schocks führt. Der ICD ist zwar lebensrettend, dennoch sind unnötige ICD-Schocks mit einer Verschlechterung der Prognose des einzelnen Patienten assoziiert.

Ziel dieser Subanalyse war es, die Auswirkungen der einzelnen Therapien (Schocks und/oder ATP-Abgabe) auf die Gesamthospitalisierung und die kardiovaskuläre Hospitalisierung in der Patientenpopulation von ADVANCE III zu untersuchen.

ADVANCE III ist eine randomisierte, einfach verblindete multizentrische Studie. Es wurden 1.902 Patienten aufgenommen, bei denen eine Erstimplantation eines 1-, 2- oder 3-Kammer-ICD-Systems nach den aktuellen Leitlinien indiziert war. Die Patienten wurden in zwei Gruppen randomisiert: Patienten mit verlängertem Detektionsintervall (NID 30/40) und Patienten mit Standardintervallprogrammierung (NID 18/24). Das Follow up wurde alle drei Monate über ein Jahr durchgeführt. Alle Devices wurden in beiden Gruppen so programmiert, das „ATP während Laden“ als primäre Therapie von tachykarden Herzrhythmusstörungen initiiert wurde, vor einer Schockabgabe bei Episoden mit einer Zykluslänge zwischen 320 ms und 200 ms. Eine ausschließliche Schockapplikation wurde nur bei Episoden mit einer Zykluslänge < 200 ms als primäre Therapieoption durchgeführt.

Mehr und längere Krankenhausaufenthalte

Über den medianen Zeitraum von zwölf Monaten erhielten 211 Patienten mindestens einen Schock, 97 Patienten wurden nur mit ATP-Abgabe therapiert und 1.490 Patienten bekamen keine Intervention durch den ICD. Im Gegensatz zur Gesamtstudie gab es hier signifikante Unterschiede hinsichtlich der Basisdaten beider Gruppen in Bezug auf Alter, Primär- oder Sekundärprävention und dem Vorhandensein von permanentem Vorhofflimmern. Keinen Unterschied gab es bezüglich vorhergehender kardiovaskular bedingter Hospitalisierungen.

Insgesamt kam es zu 865 Hospitalisierungen bei 546 Patienten. Die stattgehabte Schocktherapie war assoziiert mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal eine Hospitalisierung zu erfahren und zwar sowohl bezüglich der Gesamthospitalisierung als auch der Hospitalisierung wegen kardiovaskulärer Ereignisse (Schock vs. ATP: IRR: 1,89 (1,68–2,13), p < 0,001; Schock vs. keine Therapie: IRR: 2,30 (2,16–2,44), p < 0,001). Diese Unterschiede in der Gesamthospitalisierung waren im Wesentlichen getrieben durch kardiovaskuläre Ereignisse (Schock vs. ATP: IRR: 1,61 (1,14–2,31), p = 0,002; Schock vs. keine Therapie: IRR: 2,11 (1,78–2,49), p < 0,001).

Keine Unterschiede ergaben sich in der Auswertung der Gesamtmortalität (Schock vs. ATP: HR: 1,39 (0,38–5,15), p = 0,618; Schock vs. keine Therapie: HR: 0,68 (0,34–1,34), p = 0,262) und dem kardial bedingten Tod (Schock vs. ATP: HR: 1,63 (0,34–7,82), p = 0,545); Schock vs. keine Therapie: HR: 0,95 (0,43–2,09), p = 0,901).

In der Gruppe der Patienten mit verlängertem Detektionsintervall (NID 30/40) kam es zudem zur signifikanten Verlängerung des Zeitraums bis zur ersten Hospitalisierung. Ebenso zeigte sich in dieser Gruppe eine signifikante Reduzierung der Krankenhaustage (Gesamt 599 Tage, p < 0,001, wg. kardiovaskulärer Ereignisse 661 Tage, p < 0,001).

Fazit

In dieser Subanalyse von ADVANCE III konnte gezeigt werden, dass im untersuchten Kollektiv jegliche Art von ICD-Therapie zu einem erhöhten Risiko einer Hospitalisierung führt. Dies ist unabhängig davon, ob es sich um adäquate oder inadäquate Therapieabgaben handelt. Insbesondere Schocks sind assoziiert mit vermehrten und längeren Krankenhausaufenthalten im Vergleich zu ATP-Therapie oder keiner Therapie. Daher sollten Devices unbedingt so programmiert werden, dass unnötige Therapien durch neue Programmierungsstrategien in Verbindung mit „ATP während Laden“ möglichst vermieden werden können.

Literatur

81. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vom 8.–11. April 2015 in Mannheim

Vortragstitel: Different effects of ICD shocks and Anti-Tachycardia-Pacing therapies on hospitalizations in 1902 patients: data from the ADVANCEIII trial (V887)