Onlineartikel 14.10.2015

Inkomplette Revaskularisation nach PCI: Ranolazin ohne präventiven Nutzen

Eine antiischämische Behandlung mit Ranolazin bei Patienten mit inkompletter Revaskularisation nach perkutaner Koronarintervention brachte in einer neuen Studie nicht den erhofften Erfolg: Die Zahl der Revaskularisationen und Klinikeinweisungen wurde durch diesen präventiven Therapieansatz nicht verringert.

Rezidivierende Angina-pectoris-Beschwerden sind nach perkutaner Koronarintervention (PCI) keine Seltenheit. Eine Erklärung könnte darin liegen, dass aufgrund einer inkompletten Revaskularisation unbehandelte Koronarverengungen bestehen bleiben, die Ischämien weiter unterhalten oder neu hervorrufen. Studien haben gezeigt, dass eine inkomplette Revaskularisation, die je nach Definition bei bis zu 85 Prozent aller PCI-Patienten vorhanden ist, mit einer ungünstigen Prognose assoziiert sein kann.

Studie bei mehr als 2.600 Patienten mit PCI

Vor diesem Hintergrund wollte eine internationale Gruppe um Dr. Giora Weisz aus New York in Erfahrung bringen, ob sich Rezidivereignisse bei Patienten mit inkompletter Revaskularisation nach PCI durch eine präventive antiischämische Therapie mit Ranolazin verhindern lassen. Dafür ist die RIVER-PCI-Studie gestartet worden, an der in 15 Ländern insgesamt 2.651 KHK-Patienten mit pektanginösen Beschwerden in der Vorgeschichte beteiligt waren.

Bei allen Teilnehmern bestanden nach vorangegangener PCI noch mindestens eine oder mehrere Koronarläsionen (> 50% Diameterstenose) in Koronararterien mit einem Gefäßdurchmesser von mindestens 2 mm. Maßgeblich war dabei die visuelle Beurteilung der Koronaranatomie durch den behandelnden Kardiologen.

Ereignisraten nicht signifikant unterschiedlich

Additiv zur Standardtherapie sind alle Patienten knapp zwei Jahre lang mit Ranolazin (1.000 mg zweimal täglich) oder Placebo behandelt worden. Primärer Endpunkt waren wegen Ischämien vorgenommene Revaskularisationen und Klinikeinweisungen ohne Revaskularisation.

Die erhoffte präventive Wirkung stellte sich jedoch nicht ein: Mit 26,2 Prozent (Ranolazin) und 28,3 Prozent) waren die Raten für den primären Endpunkt am Ende nicht signifikant unterschiedlich. Auch separate Analysen der Endpunkte Revaskularisationen (15,3 versus 15,5 Prozent) und Klinikeinweisungen ohne Revaskularisation (15,3 versus 17,9 Prozent) offenbarten keine relevanten Effekte von Ranolazin.

Die Rate der Therapieabbrüche war in beiden Gruppen hoch, im Vergleich aber höher unter Ranolazin (40,0 versus 35,7 Prozent).

Literatur

Plenary Session XIII. Late-Breaking Clinical Trials 2: Co-sponsored by The Lancet, Kongress TCT 2015 (Transcatheter Cardiovascular Therapeutics), 11.–15. Oktober 2015, San Francisco

Weisz G et al. Ranolazine in patients with incomplete revascularisation after percutaneous coronary intervention (RIVER-PCI): a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet. 2015 Oct 13. doi: 10.1016/S0140-6736(15)00459-6