Nachrichten 06.12.2022

Herzgesundheit: Nahrungsergänzungsmittel besser als ihr Ruf?

Der Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln für die kardiovaskuläre Gesundheit wird kontrovers diskutiert. In einer Metaanalyse von mehr als 800 randomisierten Studien schienen bestimmte Mikronährstoffe das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse zu reduzieren.

Eine herzgesunde Ernährung wie die mediterrane Kost enthält von Natur aus viele Antioxidantien wie Aminosäuren, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin C. Wie sich solche Mikronährstoffe einzeln auf die Herzgesundheit auswirken, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. Eine Metaanalyse hat jetzt ergeben, dass die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren, Folsäure und dem Coenzym Q10 mit einem verringerten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Mortalität einherging.

Ein Forscherteam um Prof. Peng An vom Department of Nutrition and Health der China Agricultural University in Beijing analysierte insgesamt 884 randomisierte Studien zu Mikronährstoffen, die als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. In den Studien mit insgesamt fast 884.000 Teilnehmenden waren 27 verschiedene Antioxidantien als Supplementierung getestet worden.

15% reduziertes Herzinfarktrisiko

Die Daten liefern Evidenz, das einige der Antioxidantien einen Nutzen für die kardiovaskuläre Gesundheit haben könnten. Omega-3-Fettsäuren etwa waren mit einer um 7% reduzierten kardiovaskulären Mortalität, einem um 15% verringerten Herzinfarktrisiko und einem um 14% gesenkten Risiko für eine koronare Herzerkrankung assoziiert. Folsäure ging mit einem um 16% erniedrigten Schlaganfallrisiko einher. Eine Supplementierung mit Coenzym Q10 korrelierte mit einer um 32% geringeren Gesamtmortalität.

Auch für Omega-6-Fettsäuren, Arginin, Citrullin, Vitamin D, Magnesium, Zink, Alpha-Liponsäure, Melatonin, Catechin, Curcumin, Flavanole, Genistein und Quercetin gab es Hinweise darauf, dass sie möglicherweise das kardiovaskuläre Risiko reduzieren könnten.

Keine oder negative Effekte

Bei anderen die Ernährung ergänzenden Mikronährstoffen wie Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E und Selen wurde kein Effekt auf die langfristige kardiovaskuläre Prognose oder das Risiko für Typ-2-Diabetes deutlich. Eine Supplementierung mit Beta-Carotin war sogar mit einer gesteigerten kardiovaskulären und Gesamtmortalität sowie mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert.

„Die Supplementierung einiger, aber nicht aller Mikronährstoffe, könnte die kardiovaskuläre Gesundheit fördern“, resümieren die Forschenden um An. Die Studie betone, wie wichtig Vielfalt bei der Mikronährstoffversorgung sei, und dass es für eine gute Herzgesundheit auch auf die richtige Balance zwischen Nutzen und Risiken bei der Supplementierung ankomme.

„Obwohl diese Erkenntnisse interessante Perspektiven eröffnen, um zukünftig manche Antioxidantien für die kardiovaskulären Prävention nutzen zu können, ist es immer noch ein weiter Weg, wenn es darum geht, Evidenz zu generieren“, geben Dr. Juan Gormaz von der Universität Chile in Santiago et al. in einem Begleitkommentar zu bedenken. Jedoch sei jetzt die Herausforderung, für einige Mikronährstoffe Konsens bezüglich Dosierung und Kombinationen zu schaffen und die Evidenz bezüglich der Wirksamkeit weiter zu stärken.

Literatur

An P et al. Micronutrient Supplementation to Reduce Cardiovascular Risk. Journal of the American College of Cardiology 2022. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2022.09.048

Gormaz J et al. Antioxidant Supplementation in Cardiovascular Prevention. American College of Cardiology 2022. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2022.10.011

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