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07.03.2019 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Schnelle Reaktion rettet Leben

Herzinfarkt: Frauen rufen Krankenwagen für ihre Männer, aber nicht für sich selbst

Autor:
Joana Schmidt

Frauen wählen die 112, wenn ihre Ehemänner oder Väter Herzinfarktsymptome zeigen. Sind sie selbst betroffen, reagieren sie jedoch zu zögerlich, ergab eine polnische Beobachtungsstudie.

Im Umgang mit Herzinfarkten gibt es geschlechterspezifische Unterschiede, stellten die Forscher um Professor Marek Gierlotka von der Universität Opole fest. Obwohl die ischämische Herzkrankheit für Männer und Frauen die häufigste Todesursache ist, unterschätzen Frauen es oft, wenn sie selbst Symptome erleben. „Frauen fühlen sich häufig verantwortlich für Verpflichtungen in Familie oder Haushalt. Das hält sie davon ab, im Notfall rechtzeitig einen Krankenwagen für sich selbst zu rufen“, sagt Professor Mariusz Gąsior vom Zentrum für Herzkrankheiten in Zabrze in einer Pressemitteilung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC).

Jede Minute zählt

Gąsior ist auch wissenschaftlicher Leiter des polnischen Registers für Akute Koronarsyndrome (PL-ACS). Die Studie basiert auf Daten dieses Registers und wurde kürzlich beim Acute Cardiovascular Care Kongress der ESC von Erstautor Gierlotka vorgestellt. Dafür wurden 7582 Patienten mit ST-Hebungsmyokardinfarkt (STEMI) untersucht. Je schneller der Blutfluss der blockierten Arterie wieder hergestellt wird, desto weniger Gewebe stirbt ab und desto geringer ist das Sterberisiko. Die Leitlinien empfehlen, innerhalb von 90 Minuten nach der ärztlichen Diagnose eine invasive Revaskularisation vorzunehmen. Insgesamt wurden in der Studie nur 45% der STEMI-Patienten innerhalb dieser empfohlenen Zeitspanne behandelt, meistens waren es Männer.

Besonders jüngere Frauen mit Herzinfarktsymptomen überlegen länger, bevor sie einen Krankenwagen rufen. „Zudem werden ihre EKG-Ergebnisse seltener an die Klinik geschickt, was empfohlen wird, um die Behandlung zu beschleunigen“, erklärt Gąsior. Die Öffentlichkeit und das medizinische Personal sollten stärker dafür sensibilisiert werden, dass auch jüngere Frauen Herzinfarkte haben, rät Gierlotka.

Frauen haben oft atypische Infarktsymptome

Ein weiterer Grund dafür, dass Frauen später den Rettungsdienst alarmieren, ist, dass Herzinfarkte bei ihnen häufig mit atypischen Anzeichen einhergehen. Typische Symptome sind Schmerzen in der Brust und im linken Arm, die als flächenhaft, brennend oder drückend beschrieben werden. Frauen haben aber oft Rücken-, Schulter- oder Bauchschmerzen mit Übelkeit, was manchmal mit einer Magenverstimmung verwechselt wird. Die Studienautoren raten bei Schmerzen in Brust, Hals, Nacken, Bauch oder Schultern, die länger als 15 Minuten dauern, einen Krankenwagen zu rufen.

 

Literatur

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