Nachrichten 23.09.2022

HIV: Diese Faktoren steigern Herzinfarktrisiko zusätzlich

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen Herzinfarkt von Menschen mit HIV deutlich stärker, wenn sie gleichzeitig eine unbehandelte Hepatitis-C-Infektion haben, lässt eine aktuelle Studie vermuten.

Antiretrovirale Therapien haben die Lebenserwartung von Menschen mit HIV seit ihrer Einführung in den Neunziger Jahren erheblich verlängert. Aber selbst unter Behandlung ist deren Risiko für Herzerkrankungen mindestens 50% höher als bei Personen ohne HIV, zeigen Studien. Wenn an HIV Erkrankte zusätzlich eine unbehandelte Hepatitis-C-Infektion haben, steigt ihr Herzinfarktrisiko mit zunehmendem Alter noch stärker an, unabhängig davon, ob die Betroffenen eine HIV-Therapie erhalten, legen neue Daten nahe.

Ein Forscherteam um Dr. Raynell Lang von der Universität Calgary analysierte Gesundheitsdaten der North American AIDS Cohort Collaboration on Research and Design (NA-ACCORD) von rund 23.400 Personen mit HIV. Diese waren zu Studienbeginn zwischen 40 und 79 Jahre alt und hatten eine antiretrovirale HIV-Behandlung begonnen, 17% waren Frauen. Einer von fünf Teilnehmenden (n = 4.677) war auch positiv auf Hepatitis C. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von etwa vier Jahren verglichen die Forschenden das Auftreten von Typ-1-Herzinfarkten bei Personen mit HIV und bei denjenigen, die HIV und Hepatitis C hatten. Dies wurde für jede Altersdekade analysiert.

Risikozunahme pro Lebensjahrzehnt: 30% vs. 85%

Mit jedem Lebensjahrzehnt stieg das Herzinfarktrisiko um 30% bei Menschen mit HIV allein und um 85% bei denen, die auch Hepatitis-C-positiv waren. Das Risiko variierte bei den Teilnehmenden mit zusätzlichen Risikofaktoren: Bei Bluthochdruck war es dreifach erhöht, bei Rauchenden um 90% und bei Typ-2-Diabetes um 46%. HIV-assoziierte Risikofaktoren trugen ebenfalls zu einem gesteigerten Herzinfarktrisiko bei: Personen mit niedrigem CD4-Wert, ein Marker für ein geschwächtes Immunsystem, hatten ein um 40% erhöhtes Risiko. Das Einnehmen von Proteasehemmern ging mit einem um 45% gesteigerten Risiko einher.

„Menschen, die mit HIV oder Hepatitis C leben, sollten ihren Arzt nach Behandlungen für die Viren und anderen Möglichkeiten zur Reduktion ihres Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen fragen“, empfehlen Lang et al. Ihnen zufolge könnte das erhöhte Herzinfarktrisiko von mit beiden Viren Infizierten auf Entzündungsprozesse durch die chronische Immunaktivierung aufgrund der beiden Infektionen zurückzuführen sein. Aber auch Unterschiede bei kardiovaskulären Risikofaktoren oder nichtmedizinischen Faktoren, die die Gesundheit von doppelt Infizierten beeinflussen, könnten dabei eine Rolle spielen.

Keine Informationen zu weiteren Risikofaktoren

Limitationen der Studie waren, dass keine Informationen zu weiteren Risikofaktoren wie Ernährung, Bewegung oder familiärer Vorgeschichte vorlagen. Darüber hinaus umfasste der Studienzeitraum auch mehrere Jahre, in denen noch keine wirksame und gut verträgliche Hepatitis-C-Therapie verfügbar war, sodass keine Aussagen über das Herzinfarktrisiko von Personen mit HIV und behandelter Hepatitis-C-Infektion getroffen werden konnten. Dies sei eine wichtige Fragestellung für zukünftige Studien, so die Forschenden um Lang.

Literatur

Lang R et al. Evaluating the Cardiovascular Risk in an Aging Population of People With HIV: The Impact of Hepatitis C Virus Coinfection. Journal of the American Heart Association 2022. https://doi.org/10.1161/JAHA.122.026473

AHA-Pressemitteilung: HIV, hepatitis C combination boosts heart attack risk as people age. 21.09.22

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