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11.05.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Lipidwerte der Europäer

Hohe Lp(a)-Spiegel für Diabetiker wohl besonders schädlich

Autor:
Veronika Schlimpert

Hohe Lp(a)-Spiegel scheinen sich vor allem bei Diabetikern auf die Herzgesundheit negativ auszuwirken, wie sich in einer europaweiten Analyse herausgestellt hat. Auffällig waren dabei auch deutliche regionale Unterschiede, was die Höhe der Lp(a)-Spiegel betrifft.

Hohe Lipoprotein (a)-Spiegel wirken sich negativ auf das kardiovaskuläre Risiko aus. Das ist zwar schon länger bekannt, doch spielte dieser Risikofaktor im klinischen Alltag bisher eher eine Nebenrolle, da er sich therapeutisch kaum beeinflussen ließ.

Mit Einführung der PCSK9-Inhibitoren und möglicherweise bald auch der gegen apo(a)-mRNA gerichtete antisense Oligonukleotide könnte das Lp(a) an klinischer Relevanz gewinnen. Diese Medikamente sind nämlich in der Lage, die Lp(a)-Spiegel spezifisch zu senken. Doch mit dieser Aussicht stellt sich auch die Frage, bei welchen Patienten eine solch teure Behandlung am meisten bringt?

Für welche Patienten lohnen sich Lp(a)-senkende Therapien?

Wie sich in einer Analyse des europäischen BiomarCaRE-Projekts nun herausgestellt hat, könnten vor allem Diabetiker mit hohen Lp(a)-Spiegeln von einer entsprechenden therapeutischen Intervention profitieren. Denn das proatherogen wirkende Lipoprotein ging bei ihnen mit einem besonders hohen kardiovaskulären Risiko einher; konkret war das Lp(a)-assoziierte Risiko um 22% höher als bei Nicht-Diabetikern. Bei anderen Risikogruppen wie Hypertonikern oder Übergewichtigen war das Ausmaß der Risikoerhöhung dagegen nicht anders als bei der gesunden Bevölkerung.

Insgesamt machten Diabetiker 5,4% der Gesamtpopulation des BiomarCaRE-Projekts aus. Dieses setzt sich aus sieben Kohorten in Europa mit insgesamt 56.804 Teilnehmern zusammen. Aus Deutschland ist die KORA-Kohorte (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) beteiligt.

Lp(a)-Spiegel unterscheiden sich innerhalb Europas

Nach Analyse von 52.131 Blutproben stellten die Wissenschaftler um Christoph Waldeyer vom Universitären Herzzentrum Hamburg regional unterschiedlich hohe Lp(a)-Spiegel fest.

Demnach muss sich wohl vor allem die südeuropäische Bevölkerung um diesen Risikofaktor Sorgen machen. Von allen Europäern wiesen sie im Schnitt die höchsten Lp(a)-Spiegel auf, der Median lag bei 10,9 mg/dL.

Die Nordeuropäer scheinen dagegen, was diesen Risikofaktor betrifft, eher aus dem Schneider zu sein, ihre Werte waren im europäischen Vergleich am niedrigsten (4,9 mg/dL).  Im Mittelfeld lagen dem Namen getreu die mitteleuropäischen Staaten (7,9 mg/dL). Konkret lagen die Lp(a)-Spiegel der Finnen in der FINRISK-Kohorte um das 0,582-fache niedriger als die der Deutschen in der KORA-Kohorte.

Auswirkungen auf das Lp(a)-assoziierte Risiko haben die unterschiedlich hohen Lp(a)-Spiegel in den jeweiligen europäischen Regionen seltsamerweise aber nicht.

Gene spielen wohl die Hauptrolle

Die Hauptursache für die unterschiedlich ausgeprägten Lp(a)-Spiegel der Europäer liege, so vermuten die Studienautoren, wohl in den Genen. Ernährung und Lebensstil spielten eher eine ungeordnete Rolle.

Es sei bekannt, dass sich die Lp(a)-Spiegel innerhalb der Ethnizitäten deutlich unterscheiden. Afrikaner etwa haben höhere Werte als Kaukasier. Maßgeblich für diese Unterschiede ist wohl die sog. Kringle IV Type-2-Sequenz im Lp(a)-Gen. Allele mit einer geringen Anzahl dieser DNA-Sequenz gehen mit höheren Lp(a)-Plasmaspiegeln einher.

Es sei somit anzunehmen, dass Nordeuropäer mehr Kringle IV Type-2-Sequenzen aufweisen als Südeuropäer, mutmaßen Waldeyer und Kollegen. Dies sei aber nur eine Hypothese, da die DNA der Teilnehmer nicht untersucht worden sei.  

Routinemäßige Untersuchung aber nicht zu empfehlen

Letztlich hat sich das Lp(a) auch in dieser Studie als unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor hervorgetan. Konzentrationen über der 90. Perzentile gingen mit einem 49% bzw. 44% höheren Risiko für schwere kardiale Ereignisse bzw. kardiovaskuläre Erkrankungen einher als Werte im unteren Drittel; bei Werten zwischen der 67 und 89. Perzentile war das Risiko entsprechend um 30% und 25% erhöht.

Der in den Leitlinien vorgegebene Grenzwert von unter 50 mg/dL hat nach den Ergebnissen dieser Studie wohl auch seine Berechtigung. Lag das Lp(a) über dieser Schwelle, war das kardiovaskuläre Risiko deutlich höher als bei Werten unter 50 mg/dl.

Trotz dieser eindeutigen Korrelation zwischen Lp(a) und der Höhe des kardiovaskulären Risikos sind die Autoren der Ansicht, dass eine routinemäßige Untersuchung dieses Risikofaktors in der Primärprävention – so wie es auch in den Leitlinien steht – eher nicht zu empfehlen ist.  Denn durch das Einbeziehen des Lp(a)-Wertes in herkömmliche Risikomodelle zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos ließ sich deren Vorhersagewert nur marginal verbessern.  

Literatur