Nachrichten 09.10.2019

Kein Alkohol vor der Zeugung: Weniger angeborene Herzerkrankungen bei Kindern abstinenter Eltern

Paare mit Kinderwunsch sollten möglicherweise sechs bis zwölf Monate vor der Befruchtung Alkohol meiden. Darauf weist eine große Metaanalyse hin, in der Alkoholkonsum in diesem Zeitraum mit einem erhöhten Risiko für angeborene Herzerkrankungen assoziiert war.

Dass Mütter während der Schwangerschaft und Stillzeit ihren Babys schaden, wenn sie Alkohol trinken, ist bekannt. Aber kann sich auch Alkoholkonsum vor der Befruchtung negativ auf das Ungeborene auswirken, insbesondere auch die Trinkgewohnheiten des Vaters? Das wollten chinesische Forscher genauer wissen.

Ihr Ergebnis: Im Vergleich zu Paaren, die gar keinen Alkohol tranken, war das Risiko für angeborene Herzerkrankungen bei Säuglingen um 44% erhöht, wenn der Vater in den drei Monaten vor der Schwangerschaft getrunken hatte. Hatte die Mutter während dieser Zeit getrunken, war es um 16% erhöht. Alkoholexzesse, definiert als fünf oder mehr Getränke pro Abend, steigerten das Risiko sogar um 52%, wenn der Vater daran beteiligt war, bei der Mutter blieb es lediglich um 16% erhöht.

Daten von fast 340.000 Säuglingen analysiert

Für ihre Metaanalyse hatten Studienautor Dr. Jiabi Qin von der chinesischen Central South University in Changsha und sein Team 55 Studien ausgewertet. Sie enthielten Daten von 1991 bis 2019 von 41.747 Babys mit angeborener Herzerkrankung und 297.587 gesunden Säuglingen. „Unsere Beobachtung war:  Je höher der Alkoholkonsum der Eltern vor der Zeugung, desto größer das Risiko für Herzerkrankungen beim Kind. Bei geringen Mengen war die Assoziation statistisch nicht signifikant“, erläuterte Qin in einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology (ESC).

Jährlich werden etwa 1,35 Millionen Kinder mit Herzerkrankungen geboren. Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme im späteren Leben ist dadurch erhöht, auch wenn sie chirurgisch behandelt werden. Die angeborenen kardiovaskulären Erkrankungen sind zudem die Hauptursache für Todesfälle kurz vor, nach oder während der Geburt. Jedes vierte Kind mit fetalem Alkoholsyndrom (FASD) hat auch ein angeborenes Herzleiden, was nahelegt, dass Alkohol dazu beiträgt.

Studienautoren empfehlen Alkoholverzicht bei Kinderwunsch

Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die noch keinen kausalen Zusammenhang nachweist. Sie belege auch nicht, dass väterlicher Alkoholkonsum schädlicher für das Baby sei als mütterlicher, und könne keinen klaren Grenzwert für einen unbedenklichen Alkoholkonsum definieren, so die Autoren. „Obwohl unsere Studie Einschränkungen aufweist, etwa dass die Art des Alkohols nicht erfasst wurde, empfehlen wir Paaren mit Kinderwunsch auf Alkohol zu verzichten“, resümierte Qin. Als Orientierungshilfe gelte: Männer sollten mindestens sechs Monate vor der Zeugung und Frauen mindestens zwölf Monate vorher keinen Alkohol trinken.

Literatur

Zhang S, Wang L, Yang Tet al. Parental alcohol consumption and the risk of congenital heart diseases in offspring: An updated systematic review and meta-analysisEuropean Journal of Preventive Cardiology 2019. https://doi.org/10.1177/2047487319874530

ESC-Pressemitteilung: Fathers-to-be should avoid alcohol six months before conception. 03.10.2019.

Highlights

Reisen mit Herzinsuffizienz

Mobilität bei Herzinsuffizienz ist erstrebenswert – was aber, wenn der Patient gleich eine Fernreise plant? 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Synkopen: Wie hoch ist das Unfallrisiko wirklich?

Fahrverbote bei Synkopen können Unfälle verhindern, sind aber auch belastend für die Betroffenen. In einer Studie wurde jetzt das Risiko von Personen mit Synkopen und das von anderen Patienten und Patientinnen der Notaufnahme verglichen.

Starke Zunahme von Herzerkrankungen in den USA erwartet

In den kommenden Jahrzehnten werde in den USA das Ausmaß an kardiovaskulären Risikofaktoren und Erkrankungen in der Bevölkerung erheblich zunehmen, prognostizieren US-Forscher. Dieser Trend wird nach ihrer Schätzung aber nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen betreffen.

Nach Vorhofflimmern-Ablation: Blanking-Periode sollte kürzer sein

Unmittelbar nach Katheterablationen auftretende Vorhofflimmern-Episoden werden oft als vorübergehendes harmloses Phänomen betrachtet. Solche Frührezidive werden in der sog. „Blanking-Periode“, die in der Regel drei Monate umfasst, deshalb nicht als „echte“ Rezidive gezählt. Kardiologen halten die bisher propagierte Zeitspanne aber für zu lang.  

Aus der Kardiothek

Herzinsuffizienz: Optimal-Medikamentöse-Therapie (OMT), und ... was noch?

Medikamente sind die Eckpfeiler einer adäquaten Herzinsuffizienztherapie. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Optionen, die für manche Patienten eine Lösung darstellen können. Anhand von Fallbeispielen erläutert Dr. med. Andreas Rieth welche das sind.

Digitale Kardiologie anno 2022 – von Zukunftsvisionen bis sinnvollem Einsatz im Alltag

Die digitale Kardiologie ist nicht nur ein Trend, sie eröffnet eine realistische Chance, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dr. med. Philipp Breitbart gibt Tipps für den Einsatz solcher Devices im Alltag.

Muss eine moderne Herzinsuffizienztherapie geschlechtsspezifisch sein?

Medikamente wirken bei Frauen oft anders als bei Männern. Dr. med. Jana Boer erläutert, wie sich diese Unterschiede auf die pharmakologische Herzinsuffizienztherapie auswirken, und was Sie dabei beachten sollten.

Urlaub/© Nastco / Getty Images / iStock
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org