Skip to main content
main-content

02.02.2018 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Koronare Herzerkrankung

Langzeitprognose nach Herzinfarkt ist unabhängig von Infarktsymptomen

Autor:
Philipp Grätzel

Patienten mit stummen Myokardinfarkten haben eine ähnliche Langzeitprognose wie Patienten mit symptomatischen Infarkten. Nach zehn Jahren ist die Hälfte der Betroffenen tot.

Stumme Myokardinfarkte sind Infarkte, die zwar im EKG oder in bildgebenden Untersuchungen als solche identifiziert werden, die aber keine klinisch fassbaren Symptome machen, also keine Schmerzen und keine Luftnot, die nicht vorher schon bestanden hätte. Dass Patienten mit solchen stummen Infarkten genauso zu behandeln sind wie Patienten mit symptomatischen Infarkten, ist weitgehend unstrittig: Die Kurzzeitprognose ähnelt der bei symptomatischen Infarkten.

Bei der von der European Society of Cardiology gemeinsam mit der Society for Cardiovascular Magnetic Resonance (SCMR) veranstalteten Konferenz zur kardialen Bildgebung CMR 2018 in Barcelona haben US-Kardiologen um Dr. Tushar Acharya vom National Heart, Lung, and Blood Institute der NIH jetzt eine Analyse der ICELAND MI-Studie vorgelegt. Sie erlaubt Aussagen zur Langzeitprognose von Patienten mit stummen Infarkten.

ICELAND-MI ist eine Teilstudie der großen epidemiologischen Studie AGES-Reykjavik. Sie umfasst 935 Reykjaviker Bürger im Alter von durchschnittlich 76 Jahren, bei denen zu Studienbeginn eine kardiale Magnetresonanztomografie angefertigt wurde. Auf Basis der MRT-Untersuchung wurden die Probanden eingeteilt in solche, bei denen sich in der MRT kein Hinweis auf einen Infarkt fand, solche, bei denen sich in der MRT ein abgelaufener Infarkt zeigte, an den die Patienten sich bezüglich klinischer Symptome nicht erinnerten und solche, bei denen der Infarkt in der MRT mit einer klinischen Infarktanamnese (und in der Regel Infarkttherapie) korrelierte.

Es zeigte sich, dass nach zehn Jahren in beiden Infarktgruppen ziemlich genau die Hälfte der (zu Studienbeginn schon betagten) Patienten tot war – signifikant mehr als in der Vergleichsgruppe ohne Infarkt, wo es nur 30 Prozent waren. Nach fünf Jahren hatte das noch etwas anders ausgesehen: Zu diesem Zeitpunkt waren 19 Prozent der Patienten in der Gruppe mit symptomatischen Infarkten, aber nur 13 Prozent in der Gruppe mit stummen Infarkten verstorben gewesen.

Zumindest langfristig gleiche sich die Sterblichkeit von Patienten mit symptomatischen und solchen mit stummen Infarkten also an, so Acharya. Umso wichtiger sei es, auch stumme Infarkte zu erkennen und die Patienten adäquat zu behandeln. Für ein Kardio-MRT-Screening der Bevölkerung plädierte Acharya zwar nicht. Er regte aber an, zumindest bei Patienten mit unspezifischen kardialen Symptomen häufiger als bisher eine MRT-Untersuchung anzustoßen, mit der dann auch stumme Infarkte demaskiert und die Patienten entsprechend therapiert werden könnten.

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

13.11.2018 | AHA-Kongress 2018 | Highlights | Nachrichten

Ein Kommentar

Apple Watch ist zugelassen – die Jagd auf die rhythmologische Volksseuche ist eröffnet!

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat der neuen Apple Watch ihren „Segen“ für eine EKG-Funktion und als Methode zur Erkennung von Vorhofflimmern erteilt. Teils hat dieses Urteil für Erstaunen gesorgt ­– ein Kommentar.

Quelle:

kardiologie.org

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

Aus der Kardiothek

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

07.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Spezielles System zum Vorhofohr-Verschluss – ein Fallbeispiel mit Details

Mit einem speziellen epikardialen Ligatursystem lässt sich sowohl der Vorhof elektrisch isolieren als auch anatomisch verschließen. Die Implantation ist allerdings nicht ganz einfach. Wie man dabei vorgeht, erklärt Prof. Thomas Deneke an einem Patientenfall. 

06.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielles System zum Vorhofohr-Verschluss – ein Fallbeispiel mit Details

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Thomas Deneke

Mit einem speziellen epikardialen Ligatursystem lässt sich sowohl der Vorhof elektrisch isolieren als auch anatomisch verschließen. Die Implantation ist allerdings nicht ganz einfach. Wie man dabei vorgeht, erklärt Prof. Thomas Deneke an einem Patientenfall. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Bildnachweise