Nachrichten 05.03.2021

Nach Herzinfarkt haben Rheuma-Patienten eine schlechtere Prognose

Nach einem Myokardinfarkt ist das Sterbe- und Reinfarkt-Risiko bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis auf lange Sicht höher als bei Infarktpatienten ohne Rheuma-Erkrankung, zeigt eine Studie aus Finnland.

Bestand bei Patienten mit erlittenem Myokardinfarkt auch eine Rheumatoide Arthritis (RA), war das Sterberisiko im Zeitraum von 14 Jahren nach Infarkt signifikant um 25% höher als bei Infarktpatienten ohne RA. Die Sterberaten betrugen in dieser Zeit 80,4% versus 72,3%; (Hazard Ratio [HR]: 1,25; 95% Konfidenzintervall [KI]: 1,16-1,35; p<0,0001).

Auch das Risiko für ein erneutes Herzinfarktereignis war im relativ langen Follow-up-Zeitraum nach dem Index-Infarkt in der Gruppe der RA-Patienten signifikant höher (HR 1,22; KI 1,09-1,36; p=0,0001), ebenso das Risiko für Revaskularisationen (HR: 1,28; KI: 1,10-1,49; p=0,002). Bezüglich der Raten für Schlaganfälle bestand hingegen kein Unterschied zwischen Patienten mit und ohne RA (p=0,322).

Vergleich mit „gematchter" Kontrollgruppe

Zu diesen Ergebnissen kommen finnische Untersucher um Dr. Antti Palomäki vom Turku University Hospital in Turku in einer retrospektiven Analyse von Daten eines landesweiten finnischen Registers (CRHF: Care Registry for Healthcare in Finland). Anhand von zwischen 2005 bis 2014 erhobenen Registerdaten haben die Untersucher insgesamt 60.446 Patienten mit Myokardinfarkt ausfindig gemacht, von den 1.614 auch eine RA aufwiesen. Die Subgruppe der RA-Patienten ist dann mit einer „gematchten“ Kontrollgruppe (propensity score matching), bestehend aus 8.070 weitgehend merkmalsgleichen Patienten ohne RA, verglichen worden. Die mediane Follow-up-Dauer betrug 7,3 Jahre.

Als mit einer erhöhten Mortalität assoziierte Faktoren erwiesen sich die RA-Krankheitsdauer und die therapeutische Nutzung von Kortikosteroiden in der Zeit vor dem Herzinfarkt. Pro fünf Jahre Krankheitsdauer erhöhte sich die Mortalität relativ um 6% (HR 1,06, 95% KI 1,04-1,09, p<0,0001). Eine vorangegangene Behandlung mit Kortikosteroiden war mit einem signifikant um 27% höheren Sterberisiko assoziiert. Mit jeder Erhöhung der Kortikosteroid-Dosis um 1 mg/Tag stieg dabei das Risiko signifikant um 5% (HR: 1,05, 95% KI: 1,02-1,08, p=0,002).

Weniger Schlaganfälle bei vorangegangener Methotrexat-Behandlung

In den sechs Monaten vor dem Infarktereignis waren 48,5% aller analysierten RA-Patienten mit oralen Kortikosteroiden, 34,3% mit Methotrexat und 3,0% mit Biologika behandelt worden. Für Methotrexat und Biologika bestand keine signifikante Assoziation mit einer erhöhten Mortalität, eine Behandlung mit Methotrexat ging sogar einer tendenziell niedrigeren Sterberate und einer signifikant niedrigeren Schlaganfallrate einher.

Nach Ansicht der Studienautoren bieten sich mehrere mögliche Erklärungen für die beobachteten Assoziationen an. Sie stellten in ihrer Studie etwa fest, dass RA-Patienten in den ersten sechs Monaten nach dem Infarktereignis seltener Statine erhalten hatten als Infarktpatienten ohne RA (73,1% vs. 77,3%) – möglicherweis aufgrund von Bedenken wegen muskuloskelettaler Nebenwirkungen. Angesichts der gezeigten Risiken müsse aber einer effektiven Sekundärprävention nach Myokardinfarkt gerade bei RA-Patienten besondere Beachtung geschenkt werden, betonen Palomäki und seine Mitautoren.



Literatur

Palomäki A. et al. Patients with rheumatoid arthritis have impaired long-term outcomes after myocardial infarction – a nationwide case-control registry study. Rheumatology 2021, keab204, DOI: https://doi.org/10.1093/rheumatology/keab204

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Kardiogener Schock: Können „Schock-Teams“ die Überlebenschancen verbessern?

Die Sterblichkeit von Patienten im kardiogenen Schock ist noch immer sehr hoch. Einer US-Studie zufolge lässt sich ihre Situation durch sog. „Schock-Teams“ verbessern. Prof. Holger Thiele könnte sich das auch für Deutschland vorstellen.

Ausblick auf die DGK Herztage: „Endlich wieder ein persönlicher Austausch“

Die DGK Herztage finden vom 30.9 bis 02.10.2021 als Hybridkongress in Bonn und online statt. Es besteht somit seit Langem wieder die Möglichkeit eines persönlichen Austausches. Der Tagungspräsident für Kardiologie aktuell, Dr. Nobert Smetak, erzählt, worauf er sich besonders freut.

Bereits moderater Alkoholkonsum könnte Bluthochdruck begünstigen

Wie viel Alkohol pro Woche ist noch okay? Eine Frage, die für Ärzte aufgrund widersprüchlicher Ergebnisse schwierig zu beantworten ist. Was das Risiko für Bluthochdruck betrifft, scheint schon ein moderates Trinkverhalten problematisch zu sein.

Aus der Kardiothek

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Fehlbildung am Herzen – was sehen Sie im CT?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

Patientin mit einem thorakalen Schmerzereignis – wie lautet Ihre Diagnose?

Lävokardiografie (RAO 30°-Projektion) einer 54-jährigen Patientin nach einem thorakalen Schmerzereignis. Was ist zu sehen?

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg