Nachrichten 06.07.2016

Nach PCI: Frühe Stentthrombosen bergen das höchste Risiko

Nach erfolgreicher perkutaner Koronarintervention mit Implantation moderner Drug-eluting Stents (DES) ist bei jedem 8. Patienten mit ischämischen Ereignissen oder Blutungen als Komplikationen rechnen. Am weitaus gefährlichsten sind frühe Stentthrombosen, die häufig zum Tode führen.

Nach erfolgreicher Beseitigung von Koronarverengungen durch perkutane Koronarintervention (PCI) mit DES-Implantation kann es zu ischämischen Ereignissen (Myokardinfarkt, Stentthrombose, wiederholte Revaskularisation) sowie zu klinisch relevanten Blutungen kommen. Solche Ereignisse sind von prognostischer Bedeutung und mit einer erhöhten Mortalität assoziiert.

„Timing“ der Ereignisse im Fokus

Eine Forschergruppe um Dr. Sorin Brener aus New York ist vor diesem Hintergrund der Frage nachgegangen, ob auch das zeitliche (frühe oder späte) Auftreten („Timing“) solcher Komplikationen nach der PCI von Bedeutung für die damit assoziierte Mortalitätserhöhung ist. Grundlage ihrer Analyse bildeten Daten aus der ADAPT-DES-Studie.

In dieser Studie ist bei rund 8.600 KHK-Patienten, die an elf Zentren in den USA und Deutschland einer PCI mit Implantation moderner Stents vom DES-Typ unterzogen worden waren, primär der Zusammenhang zwischen Plättchenreaktivität und dem Auftreten klinisch relevanter Komplikationen in der Folgezeit untersucht worden.

Häufigste Komplikation waren Blutungen

Die aktuelle Analyse der ADAPT-DES-Daten von 8582 Teilnehmern durch die Gruppe um Brener ergab nun, dass es in den ersten zwei Jahren nach erfolgreicher PCI bei insgesamt 1060 Patienten (12,4%) zu ischämischen Ereignissen und klinisch relevanten Blutungen gekommen war. Häufigste Komplikation waren Blutungen, von denen 691 Patienten (8,1%) betroffen waren, gefolgt von Myokardinfarkten (ohne Bezug zu Stentthrombosen) bei 294 Patienten (3,4%). Stentthrombosen wurden bei 75 Teilnehmern (0,9%) festgestellt. Einen komplikationslosen Verlauf hatten 87,6% aller PCI-Patienten.

Mortalität von 38,5% nach frühen Stentthrombosen

Das Maß für die Gefährlichkeit der beobachteten Komplikationen war die Mortalität innerhalb von 30 Tagen nach dem Ereignis. Als mit Abstand bedrohlichste Komplikation erwiesen sich frühe Stentthrombosen, die mit einer Mortalität von 38,5% innerhalb der nächsten 30 Tage einhergingen. In der Gruppe der Patienten mit komplikationsfreiem Verlauf betrug die Mortalitätsrate dagegen im Gesamtzeitraum nur 2,7%.

Weniger gefährlich waren sehr spät (nach mehr als einem Jahr) aufgetretene Stentthrombosen, die allerdings immer noch mit einer Mortalität von 20% innerhalb der nächsten 30 Tage assoziiert waren. Die Gründe dafür, dass frühe Stentthrombosen eine deutlich höhere Sterblichkeit zur Folge haben als späte Stentthrombosen, liegen noch im Dunkeln.

Auch späte Myokardinfarkte prognostisch relevant

Auch spontane Myokardinfarkte ohne Zusammenhang mit Stentthrombosen sowie Blutungen waren prognostisch relevant. Dies gilt vor allem für sehr spät (nach mehr als einem Jahr) aufgetretene Myokardinfarkte mit einer Mortalität von 7,5%. Auch bei späten Blutungen (30. – 365. Tag) bewegte sich die Sterberate mit 7,3% in der gleichen Größenordnung.Von frühen Herzinfarkten, darunter viele periprozedurale Ereignisse, ging dagegen nur ein niedriges Risiko aus.

Diese Ergebnisse sollten nach Ansicht der Studienautoren ein weiterer Antrieb dafür sein, PCI-Technik und antithrombotische Therapie nach PCI konsequent zu optimieren, um vor allem die gefährlichen frühen Stentthrombosen zu verhindern.

Literatur

Brener S J et al.: The Impact of Timing of Ischemic and Hemorrhagic Events on Mortality After Percutaneous Coronary Intervention - The ADAPT-DES Study, JACC: CARDIOVASCULAR INTERVENTIONS 2016, online 29. Juni.

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Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen