Nachrichten 16.01.2017

Nicht-kardialer Brustschmerz: Infarkt behandelt, Beschwerden bleiben

Bei knapp jedem dritten Patienten, der innerhalb eines Jahres nach einem Herzinfarkt erneut mit Brustschmerz ins Krankenhaus aufgenommen wird, stellen sich die Beschwerden als nicht kardial bedingt heraus. Die Lebensqualität dieser Patienten ist genauso schlecht wie bei jenen mit erneuter Angina.

Während der nicht-kardiale Brustschmerz bei Patienten mit neuen Brustbeschwerden immer eine wichtige Differenzialdiagnose ist, rückt er bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten, aus guten Gründen etwas in den Hintergrund. Dass er aber auch bei diesem Patientenkollektiv nicht selten ist, zeigt eine aktuelle Publikation aus Kansas, Missouri.

Die Kardiologen der University of Missouri nutzten als Datenbasis das von den National Institutes of Health (NIH) initiierte Herzinfarktregister TRIUMPH. 3099 Herzinfarktpatienten aus diesem Register wurden nach dem Ereignis ein Jahr lang im Hinblick auf Brustschmerzen und Klinikeinweisungen nachbeobachtet. Ziemlich genau jeder zehnte Patient wurde in diesem Zeitraum wegen akuter Brustschmerzen erneut ins Krankenhaus aufgenommen.

Nicht-kardiale Ursache in 29% der Fälle

Bei der Mehrheit der Patienten konnten kardiale Ursachen der Beschwerden dingfest gemacht werden. Aber: Bei immerhin 28,9% der Patienten wurde die Ursache der Symptomatik letztlich als nicht-kardial identifiziert. In den meisten Fällen lag entweder ein orthopädisches oder ein gastrointestinales Problem vor.

Dass diese Patienten nicht weniger litten als Patienten mit kardialen Beschwerden, zeigte die Auswertung der Lebensqualitätsfragebögen. Bei dem spezifisch für Angina pectoris Patienten entwickelten Seattle Angina Questionnaire (SAQ QoL) gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Patienten mit kardialen bzw. nicht-kardialen Beschwerden. Und bei dem breiter angelegten Lebensqualitätsfragebogen SF-12 schnitten die nicht-kardialen Patienten sogar signifikant schlechter ab.

Die Autoren empfehlen angesichts ihrer Ergebnisse, dass Kardiologen bei Patienten nach Infarkt, bei denen sich keine kardiale Ursache erneuter Brustbeschwerden findet, idealerweise eine Abklärung durch andere Fachrichtungen einleiten sollten. Wer die Patienten einfach mit dem Hinweis, dass alles in Ordnung sei, nach Hause oder zum Hausarzt zurück schicke, riskiere, dass die Patienten immer wieder die Notfallversorgung in Anspruch nähmen, was früher oder später unnötige medizinische, nicht zuletzt interventionell-kardiologische, Maßnahmen und entsprechende Kosten nach sich ziehe.

Literatur

Qintar M et al. Non-Cardiac Chest Pain After Acute Myocardial Infarction: Frequency and Association with Health Status Outcomes. American Heart Journal 2017; 4. Januar 2017; doi: 10.1016/j.ahj.2017.01.001

Highlights

Herzkongress mit wöchentlichen Vorträgen

Jede Woche erwarten Sie wieder spannende Live-Vorträge aus der Herz-Kreislauf-Medizin, viele davon CME-zertifiziert. Nehmen Sie teil und sammeln Sie live CME-Punkte!

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

HIV: Diese Faktoren steigern Herzinfarktrisiko zusätzlich

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen Herzinfarkt von Menschen mit HIV deutlich stärker, wenn sie gleichzeitig eine unbehandelte Hepatitis-C-Infektion haben, lässt eine aktuelle Studie vermuten.

Prophylaktische Rivaroxaban-Gabe kann Radialisverschlüsse verhindern

Radialisverschlüsse bei transradialen Punktionen lassen sich randomisierten Daten zufolge durch eine Rivaroxaban-Behandlung effektiv verhindern. Es stünden aber auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Verfügung – und die sind in der Studie zu selten genutzt wurden.  

Plötzlicher Herztod im jungen Alter: Oft sind Erbkrankheiten schuld

Wenn ein junger Mensch unerwartet an einem plötzlichen Herztod verstirbt, ist oft unklar, wie es dazu kommen konnte. Eine landesweite Studie aus Dänemark hat jetzt ergeben, dass es bei den Ursachen alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede gibt.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Koronarangiographie (links: LAO5°/CRAN35°, rechts: RAO35°, CRA 35°) bei einer Patientin mit Nicht ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI).

Verordnungsspielräume eines leitliniengerechten Therapiekonzepts aus Sicht der Kardiologen und Hausärzte

Single Pills haben sich in Studien im Vergleich zu Einzelwirkstoffen als vorteilhaft erwiesen. Sie kosten aber mehr als die losen Kombinationen. Dr. med. Georg Lübben gibt Tipps, wie Sie diese trotzdem wirtschaftlich verordnen können.

Young-BNK 2030: Eine Idee

Wie könnte eine Niederlassung 2030 aussehen? Wie findet man dann eine Praxis? Und wie läuft die Praxisversorgung? Dr med. Marvin Schwarz von der Young BNK berichtet über Zukunfts-Ideen der Young BNK.

DGK.Online 2022/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz September 2022/© Luise Gaede, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org