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18.06.2018 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Bei nicht kardialen Operationen

Perioperative Herzinfarkte mit erhöhter Mortalitäts- und Rehospitalisierungsrate assoziiert

Autor:
Peter Overbeck

Ein bei nicht kardialen Operationen auftretender Herzinfarkt verheißt nichts Gutes. Aufschluss über die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Prognose gibt eine Analyse von Daten aus einem US-Register.

Auch bei aus nicht kardialen Gründen erforderlichen Operationen kann ein Myokardinfarkt als Komplikation auftreten. In diesem Fall  ist für die Betroffenen zum einen  das Risiko, noch während des Klinikaufenthalts zu sterben, deutlich höher als für Patienten ohne entsprechende kardiale Komplikation. Zum anderen steigt das Risiko, schon relativ kurze Zeit nach den Klinikentlassung  erneut stationär behandelt werden müssen.

US-Untersucher um Dr. Nathaniel Smilowitz  von der New York University School of Medicine haben in ihrer Studie Registerdaten von rund 3,8 Millionen Patienten, bei denen im Jahr 2014 an US-Kliniken größere chirurgische Eingriffe aus nicht kardialen Gründen vorgenommen worden waren, genauer unter die Lupe genommen. Bei 8087 Patienten (0,2%) war dabei ein perioperativer Myokardinfarkt – entweder STEMI  (18,6%) oder NSTEMI (81,4%) - registriert worden. Dieses Ereignis  hatte bei 30% (STEMI) und 12,5% (NSTEMI) der Patienten eine koronare Revaskularisation zur Folge.

In-Hospital-Mortalität betrug 14% 

In der Phase der durch die Operation bedingten Index-Hospitalisierung war die Mortalität in der Subgruppe der Patienten mit perioperativem Herzinfarkt signifikant höher als bei Patienten ohne Infarkt (14,0% vs. 0,3%, p<0,001). STEMI verliefen häufiger tödlich als NSTEMI (28,6% vs. 10,7%). 

Auch die Rate der Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach der  Klinikentlassung erneut hospitalisiert werden mussten, war in der Subgruppe mit Herzinfarkt wesentlich höher (19,1% vs. 6,5%, p<0,001). Häufigste Indikationen für eine Wiedereinweisung waren infektiöse Komplikationen (30,0%) kardiale Komplikationen (25,3%)  oder  Blutungen (10,4%). 

Die Gesamtraten für die In-Hospital-Sterblichkeit (einschließlich Todesfälle bei Wiedereinweisung innerhalb von 30 Tagen)  betrugen 15,9% (nach perioperativem Infarkt) und 0,5% (ohne Infarkt). Die während der Hospitalisierung nach Wiedereinweisung aufgetretenen Todesfälle waren bei Patienten mit vorangegangenem perioperativem Myokardinfarkt vor allem auf  infektiöse Komplikationen (51,6%) zurückzuführen. 

Ruf nach wirksamen Präventionsstrategien 

Die Studienautoren um Smilowitz halten angesichts dieser Zahlen wirksame Strategien, mit denen sich Morbidität und Mortalität  bei  Patienten mit perioperativen Myokardinfarkten verringern lassen, für dringend erforderlich. 

In einer gerade publizierten randomisierten Studie (MANAGE) konnten deren Initiatoren zeigen, dass eine präventive Behandlung mit dem Thrombinhemmer Dabigatran bei Patienten mit nicht kardialen Operationen und zumeist symptomloser perioperativer Myokardschädigung (myocardial injury after noncardiac surgery, MINS) mit einem geringeren Risiko für vaskuläre Folgeereignisse einherging.

 

Literatur

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