Nachrichten 17.10.2019

Statine: Je höher die Dosierung, umso größer das Risiko für Osteoporose

Je höher ein Statin dosiert wird, umso größer ist das Risiko für Osteoporose. Eine Auswertung von mehreren Millionen Datensätzen an der Universität Wien ergibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Dosierung von Statinen und ihrem Einfluss auf die Knochendichte.

Kann die Hemmung der Cholesterinsynthese Sexualhormone beeinflussen und damit die Diagnose von Osteoporose beeinflussen? Ob die HMG-CoA-Reduktase-Hemmung von Statinen tatsächlich eine Rolle bei der Pathogenese von Osteoporose spielt, war bisher nicht vollständig geklärt.                         

Aus den Gesundheitsdaten von 97 Prozent aller Österreicher wurden diejenigen herausgefiltert, die in den Jahren 2006 und 2007 mindestens über ein Jahr hinweg regelmäßig ein Statin eingenommen hatten. Die Teilnehmer wurden daraufhin in verschiedene Dosierungsgruppen eingeteilt.

Dosierungen bis 10 mg erhöhen Osteoporose-Risiko nicht

Dosierungen bis 10 mg der Wirkstoffe Lovastatin, Pravastatin, Simvastatin und Rosuvastatin ergaben kein erhöhtes Risiko für Osteoporose, im Gegenteil, die Auswertung der Daten zeigte statistisch sogar geringfügig weniger Osteoporose als bei nicht mit Statinen behandelten Patienten. Die Odds Ratio für Lovastatin lag bei 0,39 (95% CI 0,18 bis 0,84), die für Pravastatin bei 0,68 (95% CI 0,52 bis 0,89), die für Simvastatin bei 0,70 (95% CI 0,56 bis 0,86) und die für Rosuvastatin bei 0,69 (95% CI 0,55 bis 0,87).

Ab 20 Milligramm deutlich erhöhtes Risiko

Ganz anders sieht dies bei höheren Dosierungen aus. Das Risiko für Osteoporose stieg unter der Einnahme von Atorvastatin und Rosuvastatin ab einer Einnahme von 20 mg täglich an. Unter Simvastatin wurde dieser Effekt ab einer Dosis von 40 mg beobachtet. Die Odds Ratio lag bei Atorvastatin bei 1,78 (95% CI 1,41 bis 2,23), die für Rosuvastatin sogar bei 2,04 (95% CI 1,31 bis 3,18) und eine Einnahme von mindestens 40 mg Simvastatin ergab eine Odds Ratio von 1,64 (95% CI 1,31 bis 2,07).

Unter den höheren Statin-Dosierungen gab es also deutlich häufiger Patienten mit Osteoporose. Dieser Effekt blieb auch bestehen, nachdem das erhöhte Osteoporose-Risiko durch Übergewicht und andere Vorerkrankungen herausgerechnet worden war. Die Autoren um Alexandra Kautzky-Wille geben einschränkend zu bedenken, dass gerade Patienten mit kardiovaskulären Problemen, die mit Statinen behandelt werden, häufig auch andere Risikofaktoren aufweisen, die das Risiko für Osteoporose erhöhen. Dazu zählen unter anderem Diabetes, wenig körperliche Bewegung und Rauchen.

Diese Ergebnisse an den österreichischen Patienten zeigen aber, dass die Diagnose von Osteoporose stark dosisabhängig ist. Während Osteoporose bei niedrigen Dosierungen sogar unterrepräsentiert war, stieg das Risiko für Osteoporose unter höheren Statin-Einnahmen klar an.

Bei Hochrisikopatienten für Osteoporose regelmäßig Knochendichte messen

Dazu die Forscher aus Wien: „Möglicherweise kommt es durch die noch effektivere Cholesterinsenkung unter höheren Dosierungen von Statinen zu einer potenteren Hemmung der Synthese von Sexualhormonen und dadurch zu einer vermehrten Knochenresorption, was in weiterer Folge zu einer Abnahme der Knochenmineraldichte führt“. Die Wiener schlagen vor, vor allem bei Hochrisikopatienten für Osteoporose wie postmenopausale Frauen unter der Einnahme von Statinen regelmäßig die Knochendichte zu messen.

Literatur

Leutner M et al. Diagnosis of osteoporosis in statin-treated patients is dose-dependent. Annals of the Rheumatic Diseases, 2019;26 September, doi: 10.1136/annrheumdis-2019-215714

Highlights

DGK-Kongress to go

DGK.Online 2020 – der Online-Kongress der DGK: Damit Sie auch in Zeiten eingeschränkter Versammlungs- und Reiseaktivitäten immer auf dem aktuellen Stand sind. Sehen Sie Vorträge zu aktuellen Themen von führenden Experten - wann und wo immer Sie wollen.  

Aktuelles zum Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

Das könnte Sie auch interessieren

Neues Medikament bei rezidivierender Perikarditis erfolgreich getestet

Der Wirkstoff Rilonacept hat sich in der entscheidenden placebokontrollierten Phase-III-Studie bei symptomatischen Patienten mit rezidivierender Perikarditis als klinisch wirksam erwiesen, teilt der Studiensponsor mit.

Viele Stentthrombosen bei COVID-19-Patienten mit STEMI

Wie ist die Prognose von STEMI-Patienten, die mit SARS-CoV-2 infiziert sind? In der bisher größten Fallserie fanden Wissenschaftler ein paar Besonderheiten.

So viel Cholesterinsenkung bringt eine Lipidtherapie mit Bempedoinsäure

Wie groß ist das Ausmaß der mit dem neuen Lipidsenker Bempedoinsäure allein oder additiv zu Statinen erreichbaren Cholesterinsenkung? Eine Analyse gepoolter Daten aus vier randomisierten Studien gibt darüber Aufschluss.

Aus der Kardiothek

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Von den Toten lernen für das Leben"

Alle verstorbenen COVID-19-Patienten werden in Hamburg obduziert und häufig auch im CT  betrachtet. Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel gewährt einen Einblick in seine Arbeit und erläutert die Todesursachen der Patienten – mit speziellem Fokus auf das Herz.

Kardiologische Implikationen und Komplikationen von COVID-19

Sind kardiovaskulär vorerkrankte Patienten besonders gefährdet, welchen Einfluss haben ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker nun wirklich und was passiert mit dem Herz-Kreislaufsystem im Rahmen eines schweren COVID-19-Verlaufs? Dies und mehr beantwortet Prof. Martin Möckel, Internist, Kardiologe und Notfallmediziner von der Berliner Charité in diesem Webinar.

Bildnachweise
DGK.Online 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org
Webinar Prof. Martin Möckel/© Springer Medizin Verlag GmbH