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11.01.2019 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Sicherheit bei Interventionen

Strahlung im Katheterlabor: Je dicker der Patient, desto mehr leidet der Arzt

Autor:
Philipp Grätzel

Man konnte es sich denken, aber jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Patienten mit hohem BMI benötigen bei Koronareingriffen nicht nur höhere Strahlendosen. Auch der intervenierende Arzt kriegt (deutlich) mehr ab.

Starkes Übergewicht kann nicht nur ein Problem für die Gesundheit der Betroffenen sein. Auch an kardiologische Interventionen stellt die Adipositas-Welle der letzten Jahre neue Anforderungen. So benötigen übergewichtige Patienten beispielsweise bei Koronarangiografien im Mittel höhere Strahlendosen, um dieselbe Untersuchungsqualität zu erreichen. Wissenschaftler um Dr. Ryan Madder vom Frederik Meijer Heart and Vascular Institute in Michigan, USA, haben sich in der prospektiven Kohortenstudie SHIELD jetzt angesehen, was genau das für die Untersucher bedeutet.

Die SHIELD-Studie war eine Single-Center-Studie in zwei Katheterlabors mit identischer technischer Ausstattung. In die Auswertung flossen insgesamt 1.119 Koronarangiografien und Koronarinterventionen ein, die in diesen beiden Labors hintereinander weg durchgeführt wurden. Ausgewertet wurden auf Seiten der Ärzte die Dosimeter-Daten, gemessen als Personen-Tiefendosis (Hp(10)) im Bereich des Thorax, während die Strahlenexposition der Patienten mit Hilfe des Dosis-Flächen-Produkts abgeschätzt wurde. Das Ganze wurde dann mit fünf BMI-Kategorien von < 25 kg/m² bis ≥ 40 kg/m² korreliert.

Erwartungsgemäß war die Strahlenexposition auf Patientenseite umso höher, je höher der BMI war. Verglichen mit Patienten mit einem BMI von unter 25 kg/m² benötigten Patienten mit einem BMI ab 40 kg/m² im Mittel das 2,1-fache Dosis-Flächen-Produkt für eine Koronarangiografie bzw. PCI, nämlich 91,8 Gy*cm² gegenüber 44,5 Gy*cm². (p < 0,001). Am Dosimeter der Ärzte war der Unterschied nochmal wesentlich ausgeprägter: 1,4 µSv wurden bei Patienten mit einem BMI ab 40 kg/m² gemessen, gegenüber 0,2 µSv bei einem BMI unter 25 kg/m². Mit anderen Worten: Bei stark adipösen Patienten ist die Strahlendosis auf Seiten der Ärzte bei Koronarangiografien und/oder Koronarinterventionen im Mittel siebenmal so hoch wie bei den ganz schlanken Patienten.

Nun gibt es außer dem BMI noch andere Gründe, warum die erforderliche Strahlendosis bei höhergewichtigen Patienten größer ist. Aber auch nach multipler Regression mit Adjustierung für Störgrößen aller Art blieb in der SHIELD-Studie ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen BMI und ärztlicher Strahlenexposition bestehen: Pro BMI-Anstieg um 1 kg/m² steigt die Strahlenexposition am ärztlichen Dosimeter demnach um signifikante 5,2 %. (p < 0,0001).

Madders Schlussfolgerung aus diesen Daten lautet unter anderem, dass strahlenprotektive Maßnahmen gerade bei adipösen Patienten konsequenter genutzt werden sollten als das in vielen Fällen heute praktiziert wird. Eine andere Möglichkeit, die Strahlenexposition des Personals zu reduzieren, ist der Einsatz neuerer Angiografiesysteme. Künftig könnte möglicherweise auch die robotische PCI zur Verringerung der Personalbelastung beitragen.

Literatur

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