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10.08.2015 | Nachrichten

Kardiovaskuläres Risiko

Ist Testosteronersatztherapie gut fürs Herz?

Autor:
Philipp Grätzel

Die Diskussion um die kardiovaskulären Folgen der Testosteronersatztherapie (TRT) geht weiter: In der bisher größten Kohortenstudie zur TRT traten bei Normalisierung der Testosteronspiegel weniger kardiovaskuläre Ereignisse auf.

Seit die US-Zulassungsbehörde FDA – anders als die europäischen Behörden – im März die Hersteller von Testosteronprodukten dazu verdonnert hat, Patienten explizit vor möglichen Herzinfarkten und Schlaganfällen zu warnen, werden immer neue Analysen zu den kardiovaskulären Folgen der TRT publiziert – mit unterschiedlichen Ergebnissen.

So gab es in einer beim ACC 2015 vorgestellten US-amerikanischen Kohorte in der multivariaten Analyse keinen signifikanten Unterschied bei Schlaganfällen, Herzinfarkten und Todesereignissen bei Männern mit Hypogonadismus mit und ohne TRT. Eine ebenfalls beim ACC 2015 vorgestellte Metaanalyse blies ins selbe Horn (Kardiologie.org berichtete).
In einer jetzt im European Heart Journal publizierten Kohortenstudie von Dr. Rajat S. Barua vom Kansas City VA Medical Centre waren die kardiovaskuläre Ereignisrate und die Gesamtsterblichkeit bei TRT-Therapie sogar geringer. Es handelt sich um die bisher größte derartige Kohorte. Insgesamt 83.010 männliche Versicherte mit dokumentiertem Hypogonadismus, aber ohne Myokardinfarkt oder Schlaganfall in der Anamnese, wurden ausgewertet. Verglichen wurde eine Gruppe von knapp 44.000 Patienten, bei denen sich das totale Testosteron (TT) unter TRT normalisierte mit einer Gruppe von knapp 26.000 Patienten, bei der trotz TRT keine Normalisierung des TT erreicht werden konnte sowie mit einer Gruppe von gut 13.000 Patienten ohne TRT.

Zum Einsatz kam ein Propensity-Score-basiertes Matching-Verfahren. Wurde die Gruppe, in der die TT-Level durch die TRT normalisiert werden konnten mit jener verglichen, die nicht therapiert wurde, war die Gesamtmortalität um mehr als die Hälfte geringer (HR 0,44; 95% CI 0,42–0,46). Die Rate an Myokardinfarkten war um ein Viertel (HR 0,76; 95% CI 0,63–0,93) und die Rate an Schlaganfällen um ein Drittel niedriger. Wurden die behandelten Patienten mit TT-Normalisierung mit jenen Patienten verglichen, die trotzt TRT keine TT-Normalisierung erreichten, waren die Ereignisraten in allen drei Punkten ebenfalls signifikant niedriger, und zwar jeweils in ähnlicher Größenordnung wie beim Vergleich mit der unbehandelten Gruppe.

Barua betont, dass dies die erste Untersuchung in dieser Größenordnung sei, in der die TRT zumindest bei Patienten ohne Infarktanamnese nicht nur kardiovaskulär neutral, sondern tatsächlich nutzenstiftend war. Eine randomisierte Studie könne dadurch aber nicht ersetzt werden, so der Experte. Bis auf weiteres empfiehlt er, die kardiovaskuläre Situation bei Patienten unter TRT-Therapie engmaschig zu überwachen, um mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen.

Literatur

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