Onlineartikel 29.04.2014

Kakaoflavanole halten die Gefäße jung

Altersabhängige Veränderungen können auf allen Ebenen des Herz-Kreislauf-Systems nachgewiesen werden. Diese umfassen eine Versteifung des Herzens und der arteriellen Leitungsgefäße, die mit Bluthochdruck und einer Endotheldysfunktion einhergeht. Weiterhin kommt es zu Veränderungen im Bereich der Widerstandsgefäße und der Mikrozirkulation einschließlich einem Anstieg des diastolischen Blutdrucks und kapillärer Rarefizierung.

Kakao für die Gefäße?
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Doris Heinrichs / fotolia.de

Zahlreiche Arbeiten und Metaanalysen zeigen, dass flavonoidreiche Lebensmittel wie Kakao oder Tee die Endothelfunktion verbessern und den Blutdruck senken können.

Als Teil des durch die Europäische Union geförderten FLAVIOLA-Konsortiums haben wir untersucht, welchen Effekt die Einnahme von Kakaoflavanolen auf das Gefäßsystem hat.

In der randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden Parallelgruppenstudie erhielten junge (<35 Jahre) und ältere (50–80 Jahre) gesunde männliche Probanden über zwei Wochen entweder ein kakaoflavanolreiches (450 mg) oder ein kakaoflavanolfreies Testgetränk zweimal täglich über zwei Wochen. Die Probanden hatten keine kardiovaskulären Erkrankungen, waren Nichtraucher und nahmen keine Medikamente. Entsprechend dem Europäischen SCORE lag bei den jungen Probanden ein niedriges und bei den älteren Probanden ein intermediäres kardiovaskuläres Risiko (kardiovaskuläre 10-Jahres-Mortalität < % bzw. 3%) bei Studieneinschluss vor. Die Testgetränke waren visuell und geschmacklich nicht voneinander zu unterscheiden und waren bis auf die Kakaoflavanole bezüglich der Mikro- und Makronährstoffkomposition identisch.

Der primäre Endpunkt war die Endothelfunktion gemessen als flussabhängige Dilatation der Arteria brachialis. Sekundäre Endpunkte umfassten Marker, die im Prinzip das gesamte kardiovaskuläre System abbildeten, einschließlich Herz-Zeit-Volumen, Schlagvolumen, Herzfrequenz, peripherem Widerstand, peripherem und zentralem Blutdruck, aortalem Augmentationsindex, Pulswellengeschwindigkeit, arterieller Ruhedurchblutung und Flussreserve sowie Perfusion der kutanen Mikrozirkulation und Erythrozytenverformbarkeit.

Ergebnisse

Nach zwei Wochen täglicher Einnahme von 900 mg Kakaoflavanolen zeigte sich bei jungen (6,1±0,7 vs. 7,6±0,7%, p<0,001) und älteren Probanden (4,9±0,6 vs. 6,3±0,9%, p<0,001) eine signifikante Zunahme der Endothelfunktion. Dagegen kam es zu keinen Änderungen des Herzzeitvolumens und der Herzfrequenz. Es zeigte sich aber eine signifikante Abnahme der Pulswellengeschwindigkeit, des peripheren Widerstands und des diastolischen Blutdrucks in beiden Gruppen. Weiterhin nahmen die arterioläre und kutane Durchblutungsreserve sowie die Erythrozytenverformbarkeit signifikant zu. Bei den älteren Individuen, nicht jedoch bei den jungen, nahm der periphere und zentrale systolische Blutdruck (–7 mmHg) signifikant zusammen mit dem Augmentationsindex (–9%) ab. Hierbei zeigte sich eine Korrela­tion zwischen der Abnahme der Pulswellengeschwindigkeit und der aortalen Augmentation. Dies suggeriert, dass die Abnahme des systolischen Blutdrucks bei den älteren Probanden durch eine Abnahme der Gefäßsteifig­keit bedingt war.

Fazit

Diese Ergebnisse zeigen, dass Kakaoflavanole entscheidend die Funktionen des arteriellen Systems bei gesunden jungen und älteren Menschen verbessern und altersabhängigen Veränderungen entgegenwirken können.

Literatur

80. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vom 23.-26. April 2014 in Mannheim, Vortrag: Impact of dietary cocoa flavanol intervention on vascular aging in healthy individuals: a randomized placebo-controlled double-masked trial (V833)