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28.05.2016 | Nachrichten

Analysen aus dem DESIRE Register

Kardiale Ereignisse nach DES-Implantation - was sind die Prädiktoren?

Autor:
PD Dr. Thomas Lauer

Drug-eluting Stents (DES haben das Spektrum der Koronarinterventionen erweitert, es können auch komplexe Läsionen mit relativ niedrigen kardiovaskulären Ereignisraten im Langzeitverlauf behandelt werden. Dennoch treten kardiovaskuläre Ereignisse nach DES-Implantation auf. Ihre Ätiologie könnte im Verlauf des Nachbeobachtungszeitraums variieren.

Eine von Dr. Jose de Ribamar Costa vorgestellte Analyse aus dem DESIRE Registry untersuchte in diesem Zusammenhang unabhängige Prädiktoren von Major Adverse Cardiac Events (MACE) in einem kurz- (während des Krankenhausaufenthaltes), mittel- (von der Entlassung bis zu einem Jahr) und langfristigen (1–14 Jahre) Zeitraum nach DES-Implantation.

Dieses prospektive Register von einem Zentrum aus Sao Paulo umfasst 6.361 konsekutive, nicht selektierte Patienten aus einem Zeitraum zwischen Mai 2002 und Juni 2015, die ausschließlich mit DES behandelt wurden. Es gab im Wesentlichen kein Ausschlusskriterium, um die reale Situation in der täglichen Praxis widerzuspiegeln.

Das mittlere Alter der Patienten betrug 64 +/- 11 Jahre, 31,5 % waren Diabetiker und 16,8 % präsentierten sich mit einem ST-Hebungsinfarkt. Eine Nachbeobachtung gelang bei 98 % aller Patienten (Median 5,4 Jahre).

MACE-Prädiktoren waren im Rahmen des Krankenhausaufenthaltes Alter, (OR 1,025; p = 0,04) Intervention an einem venösen Bypass (OR 1,8; p < 0,01), Stentlänge (OR 1,02; p < 0,01) und verbliebene Koronarstenose (1,03; p < 0,01). Für den mittelfristigen Zeitraum konnten Alter (HR 1,02; p = 0,04), Rauchen (HR 1,98; p < 0,01), Niereninsuffizienz (HR 1,7; p = 0,05), Intervention an einem venösen Bypass (HR 3,0; p < 0,01), Stentlänge (HR 1,8; p < 0,01), und verbliebene Stenose (1,03; p < 0,01) als unabhängige Prädiktoren identifiziert werden.

Langfristig nach einem Jahr waren die Prädiktoren Alter (HR 1,01; p = 0,04), Rauchen (HR 1,5; p < 0,01), pAVK (HR 2,0; p = 0,01), Niereninsuffizienz (HR 1,7; p < 0,01), Intervention an einem venösen Bypass (HR 1,8; p < 0,01) und akutes Koronarsyndrom (HR 1,7; p < 0,01). Bemerkenswert: Ein DES der 2. Generation hatte hingegen einen protektiven Effekt (HR 0,7; p = 0,04).

Zusammenfassend folgerte Costa, dass in ihrem „Real-world“ Register fortgeschrittenes Alter, Intervention an einem venösen Bypass und die Länge der behandelten Koronarläsion zeitpunktunabhängige MACE-Prädiktoren waren. DES der 1. Generation und ACS waren nur für negative Ereignisse >1 Jahr von Bedeutung.

Wenngleich die Ergebnisse plausibel erscheinen, wurden in der nachfolgenden Diskussion wichtige Fragen aufgeworfen, die den Stellenwert der Ergebnisse in Frage stellen. So wurde die hohe erfolgreiche Nachbeobachtungsquote kritisch hinterfragt. Diese erfolgte zu einem nicht unerheblichen Teil lediglich im Rahmen eines standardisierten telefonischen Interviews. Darüber hinaus fehlen auch Angaben zur Compliance in Bezug auf die Medikamenteneinnahme. Weitere Studien und Register sind daher notwendig diese Prädiktoren zu bestätigen.


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. PD Dr. Thomas Lauer ist Internist, Kardiologe und Angiologe im CardioCentrum Düsseldorf. 

Literatur

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