Onlineartikel 28.01.2015

Kardiologe übermüdet, Komplikationsrate normal

Beeinflusst eine arbeitsreiche Nachtschicht bei Kardiologen die Fähigkeit zu einer perkutanen Intervention (PCI) am Tag darauf? Daten aus dem US-amerikanischen PCI-Register sprechen dagegen.

Der jetzt publizierten Analyse liegen Daten aus dem CathPCI-Register der American College of Cardiology Foundation zugrunde. Dieses Register enthält Daten zu ungefähr 85% aller in den USA durchgeführten PCI.

Für die aktuelle Analyse wurden gut 1,5 Millionen PCI-Datensätze ausgewertet. Die Interventionen wurden von etwas mehr als 5000 unterschiedlichen Kardiologen durchgeführt.

Um den Zusammenhang zwischen Übermüdung und akuten Komplikationen bei einer PCI zu ermitteln, haben sich die Wissenschaftler um Dr. Herbert Aronow von der University of Michigan jene Eingriffe angesehen, die tagsüber von Kardiologen durchgeführt wurden, die in der Nacht zuvor zwischen Mitternacht und sieben Uhr morgens mindestens eine PCI durchgeführt hatten.

Für diese Ärzte wurde „akute Übermüdung“ angenommen. Bei Interventionen von Kardiologen, die in den sieben Tagen zuvor mehrfach nachts eine PCI durchgeführt hatten, wurde „chronische Übermüdung“ angenommen. 

Kein erhöhtes Risiko bei Übermüdung

Es zeigte sich, dass Interventionen von akut übermüdeten Kardiologen weder mit einer erhöhten Mortalität noch mit einer erhöhten Blutungsrate einhergingen. Auch bei chronisch übermüdeten Kardiologen war die Sterblichkeit der Patienten nicht anders als sonst. Allerdings war die Blutungsrate um knapp ein Fünftel höher.

In einem begleitenden Editorial macht Kirk Garratt vom Lenox Hill Hospital in New York darauf aufmerksam, dass diese Ergebnisse nicht als Freibrief für Ultralangzeitschichten verstanden werden sollten.

Nicht zuletzt durch die zunehmenden Diskussionen über Patientensicherheit sei die Quote der Patienten, bei denen ein Arzt eine PCI durchführt, der in der Nacht zuvor bereits am Tisch stand, mit 2,4% insgesamt sehr gering. Dies sei auch gut so.

Keine Informationen zur Schlafdauer

Zu den Limitierungen der Studie gehört in erster Linie die Definition von Übermüdung. So liefert das Register keine Informationen darüber, ob und wieviel die jeweiligen Kardiologen wirklich geschlafen haben. Auch Schichtmodelle, bei denen Kardiologen nach einer Nachtschicht erst nachmittags wieder in den Dienst kommen, waren mit der gewählten Methodik nicht erkennbar.

Literatur

Aronow H, JACC Cardiovascular Interventions 2015; 8:49-56