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29.06.2018 | Kardiologie | Nachrichten

Statistik zu Katheterablationen

Deutsche Elektrophysiologie bleibt föderalistisch und männlich

Autor:
Philipp Grätzel

Eine neue Auswertung zur Elektrophysiologie in Deutschland zeigt, dass die Zahl der Zentren und Prozeduren zwischen 2010 und 2015 deutlich gestiegen ist. Grund ist vor allem das Vorhofflimmern. Die empfohlenen Mengenziele werden längst nicht überall erreicht.

Die Statistiken zur Elektrophysiologie in Deutschland sind nicht so solide wie jene zu den Koronarinterventionen. Umso wichtiger sind Erhebungen, die versuchen, Licht ins Halbdunkel zu bringen. Eine jetzt publizierte, auf das Jahr 2015 bezogene Gesamterhebung unter der Leitung von Prof. Lars Eckhardt von der Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Münster leistet genau das. Es handelt sich um ein Update einer ähnlichen Erhebung aus dem Jahr 2010, sodass die Entwicklung teilweise im Verlauf beurteilt werden kann.

Durchschnittliche Zahl der Ablationen steigt

Insgesamt wurden auf Basis von OPS-Daten 327 Zentren identifiziert, in denen Ablationen im Jahr 2015 codiert worden waren. Von diesen wurden 97 aussortiert, weil sie weniger als 30 Codierungen aufwiesen. 230 Zentren führten demnach 30 oder mehr Prozeduren pro Jahr durch, das sind 41 mehr als im Jahr 2010.

Der Ausschluss eines knappen Drittels an „Low-Volume-Zentren“ aus der Analyse ist für Dr. Hugh Calkins vom Johns Hopkins Krankenhaus in Baltimore, der die Erhebung in einem Editorial kommentiert, der wichtigste Kritikpunkt. Er führt dazu, dass die Elektrophysiologie in Deutschland in der Analyse deutlich zentralisierter wirkt, als sie ist.

Von den 230 Zentren, die letztlich angeschrieben wurden, antworteten 131 oder 57 Prozent, fast ausschließlich Universitätskliniken und Lehrkrankenhäuser. Nur 13 nicht universitätsassoziierte Krankenhäuser waren dabei, außerdem drei rhythmologische Praxen, deren Ärzte an Krankenhäusern im Umkreis Ablationen durchführten. Insgesamt berichteten diese Zentren über gut 59.000 elektrophysiologische Prozeduren.

Dabei handelte es sich bei rund 80 Prozent um Katheterablationen. Die mittlere Zahl der Ablationen pro Krankenhaus in diesem selektionierten Kreis von eher großen Ablationszentren betrug 297. Auch das ist deutlich mehr als 2010, als es im Mittel 180 Katheterablationen waren. Die von den deutschen und europäischen Fachgesellschaften empfohlenen 250 Ablationen pro Jahr erreichen 71 Prozent der (antwortenden, bereits größenselektionierten) Zentren. Nur 11 Prozent der antwortenden Zentren führten weniger als 100 Ablationen pro Jahr durch.

Ablationen betreffen zu 90 Prozent den Vorhof

Die meisten Ablationen – im Mittel 47 Prozent – betreffen Patienten mit Vorhofflimmern. Weitere 20 Prozent bzw. 22 Prozent betreffen Vorhofflattern bzw. andere supraventrikuläre Tachykardien. Nur 11 Prozent der Ablationen erfolgten bei ventrikulären Tachykardien. Was die Vorgehensweise bei der Vorhofflimmerablation angeht, dominierte 2015 die Radiofrequenzablation, die 72 Prozent der Zentren im Angebot hatten. Den Kryoballon nutzten 41 Prozent, die zirkuläre Ablation mit Multielektrodenkathetern gab es bei 17 Prozent der Zentren, und 6 Prozent nutzten (auch) anderen Methoden.

Da es für den Kryoballon inoffizielle Verkaufszahlen für Deutschland im Jahr 2015 gibt, lässt sich ableiten, dass die an der Erhebung teilnehmenden Zentren rund 80 Prozent aller Kryoballonablationen in Deutschland durchgeführt haben. Immerhin 80 Prozent bzw. 70 Prozent der Zentren gaben an, mehr als 50 bzw. 75 Vorhofflimmerablationen pro Jahr durchzuführen. Letzteres ist die von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie empfohlene Mindestmenge. Eine routinemäßige Bildgebung vor Ablation gab es 2015 in der Hälfte der antwortenden Zentren, wobei gut jedes vierte Zentrum dazu MRT einsetzte, sechs von zehn die CT nutzten und ein Zentrum von 16 mit Rotationsangiographie arbeitete. In aller Regel werden die Patienten nur sediert, zu drei Vierteln mit Propofol. Eine Anästhesie erhielten 2 Prozent der Patienten.

Deutsche Elektrophysiologie wird (ein klein bisschen) weiblicher

Was die Zahlen auch zeigen ist, dass die deutsche Elektrophysiologie zwischen 2010 und 2015 etwas weiblicher geworden ist. Waren 2010 noch 26 Prozent der Elektrophysiologen in Ausbildung Frauen, waren es 2015 etwa 38 Prozent. Allerdings ist der Anteil der unter 40-jährigen Frauen, die Ablationen durchführen, konstant. Von einem Run junger Ärztinnen auf die Elektrophysiologie kann also keine Rede sein.

Auch die nicht prominent im Abstract genannten Anteile der Frauen in den höheren Hierarchieebenen sind wenig beeindruckend. 21 Prozent der Oberärzte sind Frauen. Im Jahr 2010 waren es noch 14 Prozent. Bei den Abteilungsleitern lag der Anteil im Jahr 2015 bei deprimierenden 2 Prozent. Das war unverändert im Vergleich zum Jahr 2010.

Literatur