Nachrichten 12.08.2019

Fokussierter Ultraschall: Hält kardiale Bildgebung bald Einzug in die Hausarztmedizin?

Hoch mobile Ultraschallgeräte könnten beim Hausarzt künftig genauso selbstverständlich sein wie Stethoskop und Rachenspatel. Eine neue Metanalyse zeigt jetzt: Der fokussierte kardiale Ultraschall erleichtert die Diagnose einer linksventrikulären Dysfunktion.

Auf vielen Intensivstationen und Notaufnahmen hat der fokussierte kardiale Ultraschall (FoCUS) längst Einzug gehalten. Er zielt darauf ab, linksventrikuläre Pumpfunktion, Herzklappen und ggf. Lungenödem rasch und ohne Echo-Spezialisten abzuklären. In Zeiten, in denen Ultraschallgeräte rasant mobiler werden, bis hin zur Smartphone-Anbindung einer Ultraschallsonde, könnte der fokussierte Ultraschall allgemein und der FoCUS im Speziellen aber noch für eine ganz andere Zielgruppe interessant werden: Hausärzte.

Erniedrigte LVEF häufiger erkannt

Im Fachblatt „Annals of Internal Medicine“ haben kanadische Experten jetzt einen systematischen Review mit Metaanalyse zum Thema publiziert. Neun Studien werden berücksichtigt, die einen Vergleich zwischen fokussiertem kardialem Ultraschall und klinischer Untersuchung im Hinblick auf die Diagnose einer eingeschränkten linksventrikulären Funktion (LVEF < 50%) sowie auf Herzklappenfehler erlauben.

Dabei zeigte sich, dass die FoCUS-Untersuchung mit (unterschiedlichen) „Ultraschallgeräten für die Kitteltasche“ dazu führt, dass eine LVEF-Verringerung deutlich häufiger erkannt wird. Konkret stellten mit FoCUS ausgestattete Ärzte bei 84 von 100 Patienten mit LVEF < 50% die entsprechende Verdachtsdiagnose. Mit der klassischen klinischen Untersuchung wurde die Verdachtsdiagnose nur bei 43% der Patienten mit reduzierter LVEF gestellt.

Auch bei der Spezifität schnitten die FoCUS-Ärzte mit 89% dezent besser ab als die klassisch klinisch diagnostizierenden Ärzte, die 81% erreichten. Dieser Unterschied war aber nicht signifikant. Eine mindestens moderate Erkrankung von Aorten- oder Mitralklappe wurden von FoCUS-Ärzten ebenfalls mit einer signifikant höheren Sensitivität erkannt, konkret 71% gegenüber 46%. Bei der Spezifität gab es erneut keinen Vorteil für den FoCUS.

„Yes We (S)can“

In einem begleitenden Editorial äußern sich die Kardiologen Dr. Robert Siegel und Dr. Nir Flint vom Cedars-Sinai Medical Center Heart Institute unter dem Titel „Yes We (S)can“ geradezu euphorisch zu den Zukunftsaussichten der FoCUS-Untersuchung.

Zwar gebe es bisher noch keine Studien, in denen die Handultraschallgeräte hinsichtlich harter klinischer Endpunkte oder auch hinsichtlich Kosten-Nutzen-Verhältnis evaluiert worden seien. In jedem Fall könne der mobile Ultraschall aber wichtige Informationen zur Herzfunktion und zu anderen Organen schnell und zuverlässig liefern. Für die Kommentatoren entwickelt sich hier gerade eine neue Säule der allgemeinen körperlichen Untersuchung am Krankenbett, die irgendwann vielleicht ähnlich weit verbreitet sein könnte wie das Stethoskop.

Literatur

Marbach JA et al. Comparative Accuracy of Focused Cardiac Ultrasonography and Clinical Examination for Left Ventricular Dysfunction and Valvular Heart Disease: A Systematic Review and Meta-analysis. Ann Intern Med 2019. doi: 10.7326/M19-1337

Flint N, Siegel RJ. Yes We S(can)! Ann Intern Med 2019. doi: 10.7326/M19-1918